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BMW Z4 M: Ungefilterter Fahrspaß
26.02.2006
Rund vier Jahre hat man die M-Roadster-Kunden warten lassen, bis endlich ein Nachfolger für den Z3M vorgestellt wurde. Am mangelnden Erfolg des Vorgängermodells kann es nicht gelegen haben, immerhin wurden rund 15.000 Stück davon verkauft. Zur fälligen Modellüberarbeitung hatte man nun in München ein Einsehen und bietet ab sofort auch den Z4 als M-Roadster an. Das neue Modell baut auf die bewährte M3-Motorisierung auf, damit liegt der neue Roadster leistungsmäßig auf dem Niveau des Vorgängers. Sonst hat sich allerdings einiges geändert. Wo der Z3M noch mit Chrom-Überrollbügel, hochgesetztem hinteren Nummernschild und einer großformatigen Frontschürze dick auftrug, bleibt der Z4 M dezent und zurückhaltend. Die Unterschiede zu den anderen Versionen der Baureihe fallen nur im direkten Vergleich auf. Die Frontschürze hat größere Lufteinlässe, um den großen Motor mit ausreichender Atem- und Kühlluft zu versorgen und die Bremsen besser kühlen zu können. Das Heck ziert ein kleiner Diffusor, der die Warmluft vom Differential ableiten soll. Vier Endrohre hat der Z4 natürlich auch, sie sind schliesslich das gemeinsame Merkmal aller M-Modelle, aber sie fügen sich dezent in die Heckansicht ein. Neu gestaltet wurden auch die Heckleuchten, die Unterteilung in zwei abgesetzte Einheiten wurde zugunsten einer weicheren, fliessenderen Form aufgegeben. Die Blinker sind nun als horizontale Lichtleisten ausgelegt und liegen in einer Linie mit der zentralen Bremsleuchte. Das zweistufige Bremslicht, aus den anderen BMW-Baureihen schon bekannt, signalisiert nun auch im Roadster, wie stark der Fahrer bremst: Bei einer normalen Bremsung leuchten die äußeren Bremsleuchten in den Heckleuchten und die dritte, zentrale Bremsleuchte auf. Bei einer starken Bremsung oder wenn das ABS eingreift, vergrößert sich die Leuchtfläche in den Heckleuchten.
Vorne leuchtet der Z4 M mit Bi-Xenon-Scheinwerfern. Dazu gibt es eine gute Nachricht für alle BMW-Fans: der Z4 M hat nun auch Leuchtringe als Positionslichter, ein mühsames Umrüsten auf die begehrten "Angel Eyes" ist nicht mehr nötig. Der Innenraum ist roadstertypisch geschnitten. In der Breite eher knapp bemessen, brauchen große Insassen die serienmäßigen Sportsitze eigentlich nicht, Tür und Mittelkonsole bieten auch so reichlich Seitenhalt. Trotzdem hat man bei BMW an den Sitzen nicht gespart. Sie sind gut geformt, straff gepolstert und bequem genug, um auch lange Strecken ohne Rückenschmerzen zu überstehen. Die Sitzposition ist gut. Nur wer mit ausgestreckten Armen fahren will, wird Probleme mit dem Verstellbereich des Lenkrads haben. Der Fußraum ist knapp geschnitten, aber ausreichend. Nach oben ist reichlich Luft im Innenraum, offen natürlich unendlich viel, aber auch geschlossen bleibt Platz zwischen Kopf und Verdeck. In Zeiten der Klappdach-Coupés freut man sich über jedes Auto, das noch eine klassische Stoffmütze trägt. Wirkliche Nachteile gibt es nicht, auch ein Stoffdach kann auf Dauer dicht, frei von Windgeräuschen und haltbar sein. Dazu bietet es auch geschlossen das einzig echte Roadster-Gefühl. Das Z4-Verdeck ist von der erwartet hohen Qualität. Über ein Gestell aus leichten Magnesium- und Aluminiumteilen spannt sich hochwertiger Stoff. Der vordere Teil ist verstärkt und dient, wenn er zurückgeklappt wird, gleich als Abdeckung. Die Heckscheibe aus Mineralglas ist beheizbar. Innerhalb von 10 Sekunden läßt sich das Verdeck elektrohydraulisch versenken und auch wieder schliessen. Leider geht das nur im Stand, sobald sich der Wagen bewegt, bewegt sich das Verdeck nicht mehr. Andere Hersteller erlauben das Öffnen und Schliessen bis zu 50 km/h. Hier gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Echte Windgesichter werden auch das optionale Windschott nicht brauchen. Durch die zwei kleinen Glasscheiben, die in die Öffnungen der Überrollbügel montiert sind, zieht der Wind schräg ins Fahrzeug, man muss also entweder die Seitenscheiben öffnen oder das zusätzliche Netz zwischen die Überrollbügel spannen. Das allerdings hat nicht nur ästhetische Nachteile: Schon die großen Überrollbügel, die wie schwarze Heiligenscheine hinter den Köpfen von Fahrer und Beifahrer thronen, rücken bei jeder Drehung des Kopfes unangenehm ins Blickfeld. Sind die Seitenscheiben oben und das Netz montiert, bleibt vom Roadsterfahren nicht mehr viel übrig. Also läßt man das Windschott weg und dreht die Scheiben herunter. So läßt sich auch im Winter gut fahren, da eine wirkungsvolle Heizung und eine kräftige Sitzheizung für ausreichende Wärme sorgen. Und für den Rest gibt es warme Jacken und Mützen. Eigentlich bietet der Z4 Roadster seinen Passagieren ausreichend Staumöglichkeiten: ein Handschuhfach, zwei feste Türtaschen und eine rund zehn Liter große Box in der hinteren Trennwand zwischen den Sitzen. Ihr Deckel wird mit der Zentralverriegelung abgeschlossen, der Öffnungsmechanismus ist ölgedämpft. Allerdings taugt das Handschuhfach tatsächlich nur für die Aufnahme von einem oder zwei Paar Handschuhen und die große Box ist nur unter Verrenkungen zu erreichen. Roadsterfahrer sind jedoch skurrile und unpraktische Lösungen gewöhnt, für sie ist das eine echte Verbesserung, denn beim legendären Z1 ließ sich der einzige Stauraum im Innenraum nur durch Vorklappen des Beifahrersitzes erreichen. Dazu gibt es einen recht großen Kofferraum. 200 Liter sollten für zwei Personen ausreichen. Wird der Verdeckkasten hochgeklappt, dann kommen noch einige Liter dazu, und es lassen sich sogar einige Getränkekisten oder zwei Golfbags verstauen. Auch die Zuladung ist mit fast 300kg eher üppig. Reisetauglich ist der Z4 M Roadster also allemal.
Der Innenraum präsentiert such wohnlich und mit einigen edlen Akzenten. Der Armaturenträger ist teilweise mit Echtleder verblendet. Wo man darauf verzichtet hat, kommt optisch hochwertiger Kunststoff zum Einsatz. Unpraktischerweise ist der allerdings ein ausgesprochener Staubfänger. Ganz im Sinne der eher konservativen Roadsterfahrer hat man bei BMW auf optische Spielereien verzichtet. An der Ergonomie ist nichts auszusetzen, BMW-Fahrer werden sich sofort zurechtfinden. Zwei große klassische Rundinstrumente informieren über alles, was zum Fahren und zum Wohlergehen des Autos notwendig ist. In den Tacho ist die LCD-Anzeige des Bordcomputers integriert, die bei den Standmodellen im Drehzahlmesser platzierte Wassertemperaturanzeige wird bei den M-Modellen durch eine Öltemperaturanzeige ersetzt, eine sinnvolle Maßnahme, die das schonende Warmfahren des Motors fördert. Genau wie die dynamische Darstellung der zulässigen Höchstdrehzahl im Drehzahlmesser. Je nach Betriebstemperatur wandert der rote Bereich, der bei warmgefahrenem Motor bei 8.000 1/min liegt, deutlich nach unten. Die Instrumente sind klassisch gezeichnet, weiße Ziffern auf schwarzem Grund und rote Zeiger und gut ablesbar. Ein besonderes Lob verdient das M-Lenkrad. Der Airbag ist gut versteckt, keine voluminöse Prallplatte verdeckt die Instrumente. Der dicke Lenkradkranz gibt sicheren Halt, man hat den Wagen gut in den Händen. Im Fahrbetrieb zeigt sich, daß der erste Eindruck nicht täuscht, der Z4 M ist von hoher Qualität. Bei geschlossenem Dach bleiben die Windgeräusche bis in hohe Gschwindigkeitsbereiche niedrig. Offen stört allerdings die Antenne auf dem hinteren linken Kotflügel, die sich akustisch bemerkbar macht. Eine Scheibenantenne wie im Z1 wäre auch optisch die bessere Lösung. Der Wagen ist sehr steif, Verwindungen sind nicht zu spüren, das trägt mit zu dem sehr verbindlichen Fahrverhalten bei. Insgesamt ist der beim Fahrwerk getriebene Aufwand sehr hoch. Die Radaufhängungen wurden den aktuellen M3 und M3CSL entnommen, ein aktives M-Sperrdifferential bändigt das Heck zusätzlich. Ergebnis ist ein Roadsterfahrwerk, wie man es sich wünscht, hart genug, um die Beschaffung der Fahrbahn an den Fahrer zu kommunizieren, sehr verbindlich, aber auch mit dem nötigen Komfort, der das Auto im Alltagsbetrieb nutzbar macht. Da das DSC sehr spät eingreift, kann man sogar leichte Schlenker mit dem Heck per Gasfuß provozieren. Das ist Fahrspass pur. Der Z4 M ist keine Sänfte, vom hohen Fahrkomfort eines luftgekühlten Siebeners verwöhnte Autofahrer werden ihn möglicherweise als hart empfinden, aber als Roadster kann er einfach nicht weicher sein, ohne an Charakter zu verlieren. Das, die knappe Länge von gut 4,1m, die kurzen Überhänge und die präzise und sehr direkte Lenkung führen zu sehr präzisen Lenkreaktionen.
Glanzstück des Autos ist allerdings der Motor. Die 343 PS, die bei 7.900 1/min anliegen, haben mit den 1485kg Leergewicht leichtes Spiel. 106PS pro Liter Hubraum und ein Leistungsgewicht von 4,1kg pro PS können sich sehen lassen. Nur spartanische Sportwagen wie der Lotus Elise müssen weniger Gewicht pro PS bewegen, bei deutlich eingeschränktem Komfort. Der Motor nimmt immer sofort Gas an und dreht leichtfüssig bis an das Limit hoch. Dabei besticht das Aggregat mit seinem breiten Leistungsband. Schon bei 1000 1/min stehen 240Nm Drehmoment bereit, zwischen 2.500 1/min und 8.000 1/min sind es mindestens 300Nm. Damit erlaubt der Z4 M nicht nur Drehzahlorgien, er kann auch extrem schaltfaul gefahren werden. Auf der Landstraße etwa passt der 4. Gang eigentlich immer. Dabei verleitet das Getriebe zum Schalten: Der kleine Schalthebel ist präzise geführt, die Abstufung passt. Nur der sechste Gang hat Frustpotential: Lange bevor der Wagen seine theoretische Höchstgeschwindigkeit erreicht hat, wird abgeriegelt, bei 250 km/h ist Schluss. Von 0 bis 100km/h beschleunigt der Z4 M Roadster in 5 Sekunden. Tatsächlich läßt sich das Potential des Wagens im öffentlichen Straßenverkehr nur zu einem kleinen Teil nutzen. Was wirklich möglich ist, offenbart sich erst bei einigen schnellen Runden auf der Rennstrecke. Bis in höchste Geschwindigkeitsbereiche bleibt der Wagen, auch dank des M-Differentials und der elektronischen Fahrhilfen beherrschbar und berechenbar. Selbst ungeübte Fahrer erreichen, wenn sie erst einmal Mut gefaßt haben, gute Rundenzeiten. Leichte Schlenker im Heck werden von der Elektronik schnell korrigiert, ohne dass dabei zu viel Geschwindigkeit abgebaut wird, auch ohne DSC bleibt der Wagen gut beherrschbar, mit einem sensiblen Gasfuß und kontrollierten Lenkbewegungen kann man den Roadster um die Kurven driften lassen. Untermalt wird das alles von einer Akustik, die man in Zeiten der Lärmbeschränkungen schon verloren glaubte. Der Sound des Motors macht süchtig, hier wird Leistung offen artikuliert, vom noch dezenten Grummeln bei niedrigen Drehzahlen bis hin zu einem wohlkomponierten Fortissimo bei Höchstdrehzahl. Den Verbrauch von 8,4l, den BMW für die Landstraße verspricht, erreicht man allerdings nur im Windschatten eines LKW bei Geschwindigkeiten unter 80km/h, bei zurückhaltender Fahrweise steht eigentlich immer eine 9 vor dem Komma. Nach oben ist die Grenze offen, 10 schnelle Runden auf der Rennstrecke von Jerez haben 26l auf 100km/h gekostet. Im Alltagsbetrieb sind wohl 10 bis 12 Liter zu erwarten. Der Z4 M kostet ab 57.900 Euro und kann ab sofort bestellt werden.
(Text: Dieter Roßbach )
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