|
|
|
|
BMW Z4M Coupé: M wie Männerauto
12.06.2006
Auf der IAA 2005 war es noch eine Studie, im kommenden Monat steht der neue Wagen schon beim Händler: BMW hat das neue Z4 Coupé in Rekordzeit zur Produktionsreife gebracht. Das neue Coupé ist ohne Vorbild im BMW-Programm. Das alte Z3 Coupé war zu sehr von der englischen Shooting-Break-Tradition beeinflußt, 700 Coupé und 2000CS zu wenig sportlich. Nur ein alter Stiefbruder, der vom Glas GT abgeleitete BMW 1600GT kam mit einer ähnlichen Dachlinie. Zeitgleich mit dem Z4 3.0 wird auch die M-Variante lieferbar sein. Das Top-Modell der Coupélinie wird, da sie rund 2000 Euro günstiger als der gleich motorisierte Roadster abgeboten wird, zum Einsteigermodell der M-Produktreihe. Aber was für ein Einstieg wird dem Käufer da geboten! BMW kolportiert, daß das Coupé ohne Entwicklungsauftrag durch eine Reihe von Enthusiasten entstanden sei. Man habe sich an einer Rennvariante versucht. Zur Verbesserung der Steifigkeit des Wagenkörpers war ein festes Dach unverzichtbar. Der Entwurf sei so gut geraten, daß er bei einer Vorstellung beim Vorstand sofort auf Gegenliebe gestossen sein. Mit der Zusage des Entwicklerteams, das Coupé bis zur Vorstellung des überarbeiteten Roadsters zur Produktionsreife bringen zu können, habe der Vorstand grünes Licht gegeben. Eine schöne Geschichte, aber wenn man sich die perfekte Linienführung des Coupés ansieht, drängt sich fast der Verdacht auf, dass das der ursprüngliche Entwurf war, aus dem der offene Zweisitzer nur abgeleitet wurde. Plötzlich wirkt die Motorhaube nicht mehr ein wenig zu lang und zu hoch, sondern balanciert das Fahrzeug wunderschön aus. Das Dach ist hoch genug, damit auch großgewachsene Personen ausreichend Kopffreiheit finden, aber die Wölbung, die kleinen Seitenflächen und das flach in einem ausgeprägten Tableau auslaufende Heck drücken den Aufbau optisch. Die beiden Wölbungen auf dem Dach zitieren italienische Sportwagen der frühen Fünfziger Jahre.
Die deutlich ausgeformte Abrisskante des Heckdeckels kennt man schon vom 7er und 5er. Durch eine geänderte Form der Sicke, sie verläuft nun senkrecht, wirkt die Heckklappe allerdings nicht aufgesetzt, sondern ist in den Linienfluß des Aufbaus integriert. Da die Hecktür bis an die hinteren Fenster heranreicht und den Hofmeisterknick voll umfasst, ist das Heck großflächig und aufgeräumt. Lang laufende Linien bestimmen die Seitenansicht. Wie beim Roadster stützt sich die A-Säule durch eine schräge Kante auf dem Seitenschweller ab und bekommt so optischen Halt. Gleichzeitig läuft diese Linie an der oberen Fensterkante entlang bis sie sich im Hofmeisterknick, wo sie sich auf der Hinterachse abstützt und verbindet so Vorderwagen und Heck. Die gebogene Schwellerlinie spiegelt den Dachverlauf und wirkt im Coupé organisch und logisch. Schließlich drückt die Kante, die von den Scheinwerfern durch die Türgriffe läuft und dann in einem Hüftschwung mit unverschämt viel Sexappeal ansteigt, um an den Außenkanten der Heckleuchten zu enden, das Auto optisch und streckt es noch zusätzlich. Das Heck ist so klar und einfach gezeichnet, dass man selbst die neuen Heckleuchten akzeptiert. Nichts anderes hätte gepasst. Ein Diffusor und die bei M üblichen vier Auspuffrohre signalisieren dezent die Leistungsfähigkeit des Coupés an alle, die auf der Autobahn nicht mithalten können. Vorne deuten nur die vergrößerten Lufteinlässe und kleine Flaps an Frontspoiler das Potential des Autos an. Selbst das eindeutigste Erkennungsmerkmal des M-Coupés ist nur ein Signal für Insider: Die Fronthaube hat, wie beim M-Roadster, zwei zusätzliche Sicken. Wie ein großer Pfeil deuten sie auf das BMW-Emblem und die Niere. Der Einstieg in das Z4M Coupé erfordert etwas Gelenkigkeit. Ist man erst einmal im Auto, sitzt es wie ein maßgeschneiderter Anzug. Der Platz in der Breite ist nicht üppig, in der Länge und in der Höhe können sich aber auch groß gewachsene Personen nicht beklagen. Die Einrichtung entspricht der des Roadsters. Alles sieht appetitlich aus, faßt sich gut an und ist am richtigen Platz. Die Bedienung ist ohne langes Studium der Betriebsanleitung möglich.
Der Kofferraum ist mit 245 Liter für einen zweisitzigen Sportwagen allemal ausreichend, bis zum Dach gemessen sind es sogar 300 Liter. Zwar kann das M-Coupé im Gegensatz zum kleineren Bruder keine zwei Golfbags aufnehmen, die nach hinten verlegte Batterie reduziert den Platz, aber Reisegepäck für einen längeren Urlaub läßt sich problemlos unterbringen. Zudem öffnet die Heckklappe sehr weit und erleichtert das Beladen. Die wahren Qualitäten des Autos erlebt man auf der Straße. Der Motor beweist, daß ein perfekter Benziner einfach mehr Spaß macht als ein noch so guter Diesel. In den unteren Drehzahlbereichen ist er leise und laufruhig und stellt immer genug Leistung bereit, um im Stadtverkehr entspannt mitschwimmen zu können. Wird Leistung gebraucht, genügt es, das Gaspedal durchzutreten. Sofort und ansatzlos dreht der Motor hoch, wenn es sein muss bis 9000 1/min, und katapultiert Fahrer und Fahrzeug nach vorne. Überholen wird zu einem besonders lustvollen Kinderspiel. Dabei teilt der Motor der Umwelt deutlich mit, daß nun Leistung von ihm gefordert wird. Das akustische Spektakel verführt zu zweierlei - immer wieder einmal das Drehvermögen des Motors auszureizen, und möglichst viel mit offenem Fenster zu fahren. Der kleine BMW ist ein Beweis dafür, daß Zahlen und Messwerte den Spaß eines Autos in keiner Weise beschreiben können. Den Spurt von 0 bis 100 km/h erledigt er in 5,0 Sekunden, bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. Dabei genehmigt er sich im Schnitt rund 12l SuperPlus auf 100km/h. Viel beeindruckender als Spurvermögen und Höchstgeschwindigkeit ist die Bremsleistung des Z4M. Von 100km/h auf 0 in nur 2,5 Sekunden, das raubt dem normalen Limousinenfahrer den Atem.
Nicht nur das Spurvermögen, auch Fahrwerk und Lenkung machen den Z4M zum idealen Spielzeug für die Landstrasse. Das kleine dicke Lenkrad liegt perfekt in der Hand, die Lenkung ist hochpräzise, leicht, mit guter Rückmeldung und sportlich direkt ausgelegt. Fahrer und Motor teilen sich den besten Platz im Fahrzeug, sie sitzen beide zwischen den Achsen. Das kommt dem Fahrverhalten entgegen. Selbst ohne DSC bleibt der Wagen bis in hohe Geschwindigkeitsbereiche neutral, die variable M-Differentialsperre hilft dabei, Leistungsüberschuß noch in Vortrieb zu verwandeln. Mit der sportlich ausgelegten elektronischen Fahrhilfe DSC kann das M-Coupé auch von Ungeübten schnell bewegt werden. Fahrer und Beifahrer sitzen allerdings sehr nahe an der Hinterachse. Zusammen mit dem straffen Fahrwerk erfordert das von den Passagieren deutliche Nehmerqualitäten, aber man gewöhnt sich daran, Und dann sind auch längere Reisen kein Problem mehr. So muss ein Sportwagen letztlich sein! Die wenigen Mängel sind schnell aufgezählt: Die roten leuchtenden variablen Markierungen im Drehzahlmesser erinnern zu sehr an Warnlampen, das vordere Ende des Autos ist nur zu erahnen , es gibt einfach zu wenige Ablagen im Innenraum und die vorhandenen sind zu klein oder schlecht zu erreichen. Der Tank ist mit 55 Liter viel zu klein für alle, die nicht auf Spass verzichten wollen. Muß mit einer deutlich eingeschränkten Reichweite leben. Preis, Leistung und Fahrspaß machen das Z4M Coupé zu einem ganz besonders lustvollen Angebot, daß zur Zeit ohne Konkurrenz ist.
(Text: Dieter Roßbach )
Verwandte Themen:
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||