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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Poussin, Lorrain, Watteau: Französische Meisterwerke des 17. und 18. Jahrhunderts

07.03.2006

Nicolas Poussin: Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe
Nicolas Poussin: Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe, 1651 Frankfurt/Main, Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie
Lupe

Deutschland bestand im 17. Jahrhundert nur als Fiktion und die Kleinstaaten beteiligten sich in wechselnden Koalitionen an Konflikten mit Frankreich oder suchten dort Verbündete. Aber ganz gleich, wie man machtpolitisch zu dem großen Nachbarn im Westen stand, die Leitkultur war immer von Frankreich geprägt: Man las französische Literatur, man imitierte die französische Lebensart, man sprach französisch und man sammelte französische Kunst. Frankreich war erster Impulsgeber und Lieferant von Kultur. Der Sammelleidenschaft der deutschen Fürsten verdanken die deutschen Museen heute einen riesigen Fundus an Bildern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, dem diese Ausstellung gewidmet ist.

Claude Gellée: Italienische Küstenlandschaft im Morgenlicht
Claude Gellée: Italienische Küstenlandschaft im Morgenlicht, 1642 Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Lupe

Vorbild war eine Zusammenführung französischer Kunst aus amerikanischen Museen, die der Kurator Jaques Rosenberg, ehemals Leiter des Louve, 1982 in den USA initiiert hatte. In fünfjähriger Vorarbeit wurden alle Bestände in Deutschland gesichtet, katalogisiert, und wo nötig, neu datiert und zugeschrieben. Ergebnis dieser Mühen ist nicht nur diese Ausstellung, die nun nach Paris und München in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepubik ihre letzte Station erreicht hat, sondern auch eine umfassende Dokumentation der Kunst des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts in Deutschland. Über 1800 Kunstwerke sind darin erfasst, 155 davon in Bonn zu sehen.Die Größe der Ausstellung erlaubt es, neben den bekannten Künstlern ihrer Zeit auch heute vergessenen Malern Raum zu geben.

Den interessierten Laien wird die enorme Bandbreite beeindrucken: religiös motivierte Bilder, klassisch griechische Themen, Gebrauchskunst wie Portraits, Stilleben, bei denen man den Geruch und Geschmack der dargestellten Speisen zu riechen und zu schmecken glaubt. Pompöse Schlachtgemälde stehen neben fiktiven idealen Landschaften, detaillierte Darstellungen des Alltagslebens stehen neben skizzehaften Bildern. Die Ausstellung ist ein unendliches Spiel mit Licht und Farben.

Antoine Watteau: Das Liebesfest
Antoine Watteau: Das Liebesfest, um 1718-1719 Dresden, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister
Lupe

Die Gliederung der Ausstellung trägt sehr zum Verständnis bei, der Rundgang führt chronologisch durch die Zeit, wobei innerhalb der einzelnen Abschnitte thematische Blöcke gebildet wurden. Selbst ohne detaillierte Kenntnisse der Zeit, der griechischen Mythologie oder Bibelfestigkeit hat man Freude an den Bildern. Einführende Wandtexte und kurze Inhaltsangaben zu jedem einzelnen Bild helfen beim Verständnis.

Für den Kenner sind hier Werke zusammengeführt, die sonst hunderte von Kilometern voneinander entfernt gezeigt werden oder in Magazinen archiviert sind, und die im Dialog mit den anderen Bildern der Ausstellung plötzlich ganz neu erscheinen. Ermöglicht wurde diese Ausstellung durch die außergewöhnliche Unterstützung einer Vielzahl deutscher Museen. Dank ihrer Bereitschaft, sich zeitweise von herausragenden Meisterwerken zu trennen, kann ein komplexes Bild der kulturellen Blüte Frankreichs im 17. und 18. Jahrhundert vermittelt werden, die bis in zahlreiche deutsche Residenzstädte und Kulturzentren ausstrahlte.

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Mai in der Bundeskunsthalle zu sehen.

Poussin, Lorrain, Watteau, Fragonard...
Französische Meisterwerke des 17. und 18. Jahrhunderts aus deutschen Sammlungen

Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn

Montag: geschlossen
Dienstag und Mittwoch: 10 bis 21 Uhr
Donnerstag bis Sonntag
(und an allen Feiertagen, auch denen, die auf einen Montag fallen): 10 bis 19 Uhr

(Text: Dieter Roßbach )
(Bilder: Bundeskunsthalle )

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