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Mercedes-Benz C-Klasse: S-Klässle
22.01.2007
Die C-Klasse ist die volumenstärkste Mercedes-Baureihe. Gut zwei Millionen Fahrzeuge wurden von der letzten Generation verkauft, mehr als von jeder anderen Baureihe und trug damit entscheidend zum Umsatz und zum Gewinn bei. Entsprechend vorsichtig ging man in der Mercedes-Car-Group bei der Neuauflage der Mittelklasse-Limousine vor. Revolutionen waren nicht zu erwarten, auch wenn der neue Wagen laut Herrn Zetsche nun für alle Altersklassen passende Varianten im Angebot hat. Keine Experimente im Design, die Aufgabenstellung an die Gestalter der Außenhaut war wohl klar formuliert. Das neue Auto nimmt folglich die bei der S-Klasse eingeführte Linie auf. Sie wurde behutsam angepaßt, damit der Kleine nicht wie die geschrumpfte Ausgabe des Flaggschiffs aussieht. Das alte Vieraugengesicht wurde durch eine große Klarglas-Leuchteinheit abgelöst, die durch die Blinkleuchte, die wie ein Lidstrich über den Scheinwerfern liegt, etwas gesteckt wird. Auffälligste Neuerung ist der Lufteinlaß mit dem großen zentralen Stern, der bisher den Coupé-Modellen vorbehalten war – und schon beim 190er vom Zubehörhandel als Umrüstteil geliefert wurde. Zusammen mit einer speziellen Frontschürze, die die SLK-Handschrift trägt, soll so mehr Dynamik gezeigt werden. Daher ist diese Front-Variante auch der sportlichen Ausstattungslinie Avantgarde vorbehalten. Alle anderen Versionen dürfen den klassischen Kühlergrill tragen, der nun mit einer kräftigen Chromumrandung die Fahrzeugfront deutlich dominiert. Eine ausgeprägte Pfeilung gibt der Motorhaube Kontur, dieses Designelement kennt man auch schon von der B-Klasse. Alles ist wieder typisch C-Klasse: Die Front wirkt durchaus gediegen und auch elegant, aber irgendwie kennt man alles auch schon.
Von der Seite betrachtet, zeigt die neue C-Klasse Muskeln. Die Seitenansicht wird von den Radläufen und einer akzentuierten Lichtkante bestimmt. Wie bei der aktuellen S-Klasse sind die vorderen Radhäuser stark ausgestellt. Eine deutlich ausgeformte Kante im unteren Türbereich verbindet sie mit den hinteren Radläufen und läuft im hinteren Stoßfänger aus. Bei der Avantgarde-Variante sorgen konturierte Schweller für zusätzliche Spannung. Eine Sicke unterhalb der Türgriffe betont die ausgeprägte Pfeilung der Karosserie. Der Dachaufbau zieht sich weit nach hinten und streckt damit optisch die Motorhaube. Der lange Radstand und der kurze vordere Überhang sorgen mit dafür, dass die neue C-Klasse trotz gewachsener Außenmaße immer noch recht kompakt wirkt. Ohne Zweifel, die Seitenansicht ist die Schokoladenseite des neuen Modells.
Das Heck ist von der aktuellen Langeweile-Mode geprägt. Die Heckleuchten sind Mercedes-Einheitsdesign, das so auch schon bei der S-, E- und B-Klasse zu finden ist. Der Verlauf des Stoßfängers wird durch eine Linie nach oben gezogen und trifft dort auf eine klar definierte Abrisskante, die sich über die ganze Fahrbahnbreite zieht. Das sieht sportlicher aus als die Rucksack-Lösung bei der S-Klasse. Ein Blickfang ist die Rückansicht trotzdem nicht geworden. Der Innenraum gibt sich elegant-betulich, Qualität stand vor Innovation. Das hat durchaus seine Berechtigung, nicht jede Neuerung bringt auch Fortschritte in der Bedienbarkeit. Hier kann die C-Klasse punkten: Tasten mit klar definiertem Druckpunkt, eine perfekte Ergonomie, Materialanmutung und Haptik werden dem Premienanspruch gerecht. Das großes Zentraldisplay, direkt im Blickfeld des Fahrers plaziert, verbindet einen konventionellen Tacho mit einem großen Bildschirm, der für Ausgaben des Bordcomputers und der wichtigsten Informationen des Navigationssystems dient. Die Instrumente sind klar, schön gezeichnet und gut ablesbar. Etwas mehr Esprit hätte man dem Interieur allerdings gönnen können. Die Platzverhältnisse hinten bleiben eingeschränkt, obwohl der kleine Mercedes in allen Dimensionen zugelegt hat. Große Menschen müssen sich immer noch verbeugen, wenn sie auf den Rücksitzen Platz nehmen wollen und ob für sie der Fußraum reicht, hängt von den Bedürfnissen des Fahrers ab. Schiebt er seinen Sitz ganz nach hinten, wird es knapp.
Im Fahrbetrieb verspricht Mercedes Agilität und Komfort. Zwei Maßnahmen sollen entscheidend dazu beitragen. Das AGILITY-CONTROL-Fahrwerk wurde mit adaptiven Stoßdämpfern ausgestattet, die bei normaler Fahrweise für hohen Komfort, bei dynamischer Fahrweise durch hohe Dämpferkraft für eine straffere Abstimmung sorgen. Die Lenkübersetzung ist um sechs Prozent geringer als beim Vorgängermodell und die Gewichtszunahme konnte gestoppt werden, trotz größerer Abmessungen ist das neue Modell, bei vergleichbarer Ausstattung, nicht schwerer geworden. Von der S-Klasse wurde das Adaptive-Brake-System übernommen, eine Anfahrhilfe bei Steigungen und Trockenbremsungen bei Nässe sind nun auch in der C-Klasse serienmäßig.
Die Motorenpalette bietet fünf Benzinmotoren von 156 bis 272PS und drei Dieselmotoren von 136 bis 224PS , eine AMG-Version mit V8-Motor folgt bis zum Ende des Jahres. Sechsganggetriebe sind bis auf den C350 serienmäßig, letzterer erhält ein 7-Gang-Automatikgetriebe. Der Einstiegspreis bleibt gleicht – dafür wurde die Liste der Optionen um etliche S-Klasse-Merkmale erweitert, damit lassen sich der Preis und der Profit deutlich steigern. Mit einem Advanced-Agility-Paket läßt sich der Spielwert des Fahrzeugs bei Antrieb und Fahrwerk deutlich erhöhen, das Intelligent Light System liefert Kurvenlicht, Abbiegelicht und weitere Sonderprogramme je nach Strasse und Witterung, Sprachbedienung, Musikserver, DVD-Navigation – die Liste der aufpreispflichtigen Kleinigkeiten ist lang und teuer. Für sparsame Kunden bietet die Grundausstattung allerdings alles, was man zum sicheren und angenehmen Autofahren wirklich braucht. Da die Qualität der Mercedes-Fahrzeuge in den letzten Jahren etwas ins Gerede gekommen war, verspricht Mercedes-Benz Besserung – und hat die Anstrengungen deutlich erhöht. Ein digitaler Prototyp – das ganze Fahrzeug wurde als Datenmodell beschrieben und vorab virtuell getestet, soll den Reifegrad der ersten Versuchsfahrzeuge deutlich erhöht haben. Trotzdem hat man in der realen Erprobung noch rund 2,4 Millionen Fahrkilometer genutzt, dreimal so viel wie beim Vorgängermodell. Die neue C-Klasse ist zwar kein Trendsetter geworden, aber sie ist elegant, modisch-konservativ und damit vermutlich genau so, wie der typische Mercedes-Kunde sein Auto haben möchte. Wenn nun auch noch die Qualität an alte Mercedes-Traditionen anknüpft, sollte der Erfolg garantiert sein.
(Text: Dieter Roßbach )
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