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Rinspeed eXasis: Glasklar umweltfreundlich
19.02.2007
Frank M. Rinderknecht bringt das Kunststück zustande, jedes Jahr pünktlich zum Genfer Salon eine avantgardistische Studie auf die Räder zu stellen. Die Konzepte des Schweizers sind immer kontrovers, gleichzeitig aber originell und spannend. Wenn es im Automobilbau so etwas wie "Kunst" gibt, dann ist Rinderknecht ein Künstler weil er provoziert, zum Nachdenken anregt und eine polarisierende Ästhetik anbietet. Dieses Jahr zeigt er den eXasis, ein "gläsernes" Auto mit transparenter Karosserie und Fahrzeugboden. Die gelb schimmernde Karosserie mit den freistehenden Rädern soll wie ein Mix aus den Auto-Union-Rennfahrzeugen der Dreissiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sowie einem Off-Road-Fahrzeug wirken. Das Alu-Chassis mit der Anmutung eines Gitterrohrrahmens scheint aus dem Vollen gefräst, soll aber leicht wie eine Konstruktion aus Bambusrohr wirken. Zwei Insassen können hintereinander Platz auf Sitzen nehmen, die aus zwölf transparenten Makrolon-Rippen sowie einer Kopfstütze und Armlehne aus durchsichtigem Gel bestehen. Den Kontrast bilden Applikationen aus aluminiumbedampftem Glasfasermaterial im Rauten-Design etwa auf Felgen, Leisten, Querlenkern, dem Tank und den Scheinwerfern. Zwei transparente Anzeige- und Funktions-Displays scheinen beidseitig im Sichtfeld des Fahrers zu schweben. Per Berührung lassen sich darüber Fahrzeugfunktionen anzeigen und steuern. Jedes der Touchpanels besteht aus einem transparenten CD/DVD-Rohling, der mit einem elektrisch leitfähigen Material zur Auslösung der Schaltfunktionen beschichtet ist. Blickfang im Heck ist ein großer Ventilator, vor dem der komplett sichtbare Zweizylinder-Weber-Motor eingebaut ist. Für die als Heckmotor ausgelegte Maschine steht recht wenig Platz zur Verfügung, weshalb das Getriebe nach unten gewandert ist. Das Aggregat hat nur 750 ccm Hubraum, erreicht aber mittels Turboaufladung, Doppeldrosselklappen und Ladeluftkühlung eine Leistung von 150 PS bei 7000 U/min, was einer spezifischen Leistung von 200 PS je Liter Hubraum entspricht. Jede Pferdestärke muss nur fünf Kilogramm bewegen das ist echtes Sportwagen-Niveau.
Neben herkömmlichem Benzin kann als Treibstoff E85 verwendet werden. Dieses Gemisch besteht aus 15 Prozent Benzin und 85 Prozent Ethanol. Ethanol ist ein erneuerbarer Biotreibstoff und bei seiner Verbrennung weitgehend CO2-neutral. Durch seine hohe Oktanzahl kann E85 zusätzlich in einem Motor mit einem höheren Verdichtungsverhältnis genutzt werden, wodurch wiederum der Wirkungsgrad des Antriebs steigt. Bioethanol ist Ethylalkohol, der durch die Vergärung von Zucker aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen wird. Die chemische Formel für Bioethanol und herkömmliches Ethanol ist identisch (C2H5OH). Ethanol darf jedoch nur als Bioethanol bezeichnet werden, wenn es ausschliesslich aus pflanzlichen Rohstoffen wie z. B. Holz, Rüben, Getreide oder Gras produziert wird. Das Fahrwerk mit Gewindefederbeinen aus hochfestem Aluminium lässt sich mittels einer separaten Druck- und Zugstufen-Dämpfungskraftverstellung individuell einstellen. Der eXasis kann nur durch einen autorisierten Fahrer bedient werden. Per Berührung wird er identifiziert und persönlich begrüsst. Das ist an sich nichts Neues aber die Technik bietet mehr. Die Funktionen auf den transparenten Bedienkonsolen lassen sich für jeden Fahrer personalisieren. Das heisst, dass jeder „Knopf“ im Auto individuell auf die Benutzer programmierbar ist. Trotz aller technischen Finessen geht es am Ende aber ums Fahren und hier bietet der transparente Zweisitzer mit dem Blick durch den durchsichtigen Boden während der Fahrt einen ganz besonderen Kick.
(Text: Rainer Roßbach)
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