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GM Ecojet: Öko auf amerikanische Art
07.03.2007
Stellen Sie sich vor, Harald Schmidt wäre bekannt als Automobil- und Motorradsammler mit Hang zu Extremen und habe sich mit Volkswagen zusammengetan, um einen Öko-Sportwagen der Superlative zu bauen. In Deutschland ist eine solche Situation undenkbar, in Amerika ist das Äquivalent dagegen ohne großen Überraschungeffekt: Jay Leno ist nicht nur einer der großen Late-Nighter des amerikanischen Fernsehens, er ist von historischen Rennveranstaltungen, Auktionen und überhaupt Allem, was in den Vereinigten Staaten mit motorisierter Fortbewegung zu tun hat, nicht wegzudenken. Das neueste Projekt reanimiert ein Motorkonzept, das zu Anfang der Fünfziger Jahre mit großer Begeisterung aufgenommen wurde und zehn Jahre später glorreich gescheitert war, die Gasturbine. Öko wird in den USA immer noch deutlich anders buchstabiert als in Europa, folglich handelt es sich bei dem Projekt, das Leno gemeinsam mit der GM-Tochter Cadillac auf die Räder stellte, nicht um einen Extremsparer mit reichlich elektrischen Antriebskomponenten, sondern um einen Supersportwagen. Schon in den Sechziger Jahren war die Turbine am hohen Verbrauch und an den zu heißen Abgasen gescheitert. Seither hat es, zumindest für den Einsatz für Straßenfahrzeuge, keine nennenswerte Weiterentwicklung gegeben. Wie gut also, daß die Gasturbine geringe Ansprüche an die Treibstoffqualität stellt. Ersetzt man das übliche Kerosin durch Biodiesel, hat man in Amerika plötzlich fast schon den blauen Umweltengel gewonnen. Zumindest ist der Motor damit CO2-neutral, und gleichzeitig kann der Treibstoff von den mittelamerikanischen Farmern bezogen werden, statt Geld für Öl in den Nahen Osten überweisen zu müssen. Aus amerikanischer Sicht sind das zwei bedeutende Aspekte. Sicher, die gleichen Fahrleistungen hätte man auch mit einem großen konventionellen Dieselaggregat erreichen können, aber das hört sich für amerikanische Ohren wohl immer noch zu sehr nach Lastwagentechnik an – bleibt also eine Gasturbine. GMs erste Versuche mit diesem Antrieb gehen auf das Jahr 1953 zurück, als der Firebird XP-21, später Firebird I genannt, fertiggestellt ist. Das Entwicklungsteam hatte nicht nur den Antrieb, sondern auch das komplette Außendesign der Luftfahrt entnommen. Der XP-21 ähnelte mehr einem Kampfflieger, dem man die Flügel gestutzt hatte, als einem Auto. Immerhin war er fahrfertig und brachte es sogar zu einem Test auf dem Indianapolis Speedway. 370 PS hatten mit dem Fahrzeuggewicht von 1180kg recht leichtes Spiel. 650 Grad Abgastemperatur verboten allerdings den Einsatz auf öffentlichen Straßen.
Der Nachfolger Firebird II war optisch immer noch weit von einem möglichen Serienfahrzeug entfernt, bot aber schon vier Personen Platz. Die Leistung war auf 200PS reduziert, und, was im praktischen Betrieb noch wichtiger war, die Abgastemperatur sank auf moderate 120 Grad. Mit vier Scheibenbremsen, Einzelradaufhängung rundherum und einer Außenhaut aus Titanium war der Firebird II auch sonst seiner Zeit weit voraus. Als letztes Exemplar der Reihe wurde 1958 ein Zweisitzer vorgestellt, der mit 7 Finnen und Flügeln wie ein kleines Raumschiff auf Rädern aussah. Der Firebird III kaum schon nicht mehr nur mit einer Turbine aus, ein kleiner 10PS-Zweitaktmotor versorgte all die vielen kleinen Spielereien, die der Showcar sonst noch mitbrachte, mit Energie. Danach war erst einmal Schluss mit der Turbine im Personenwagen, bis GM auf der Detroit Motor Show den EV1 SerialHybrid vorstellte, bei dem eine hochdrehende Gasturbine einen Generator antreibt, der den Strom für die Elektroantriebsmotoren liefert. Jay Lenos Ansatz ist viel konventioneller. Die Leistungsdaten orientieren sich an aktuellen Supersportwagen, das Chassis liefert die neueste Corvette. Auch das Design hat wenig Revolutionäres. Die Ecken und Kanten, mit denen sich die Cadillacs zur Zeit ein eigenständiges Auftreten sichern, finden sich auch am EcoJet wieder. Statt einer aerodynamisch feingeschliffenen Aussenhaut stemmt sich ein mit groben Modellierwerkzeugen entworfenes 4674mm langes, gut 2m breites und 1180mm hohes Sportwagenkleid gegen den Wind. Macho statt Öko ist die Ansage. Die Honeywell LT-101 Turbine leistet 650PS und 540 Nm Drehmoment. Über Beschleunigungswerte, die Maximalgeschwindigkeit und die Verbrauchswerte schweigt man sich vorsorglich aus, unter der Hand werden rund 28 Liter auf 100km genannt. Allerdings handelt es sich um Ökosprit, der die lokalen Farmer unterstützt, was in US-Augen eher lobenswert ist.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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