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Aktualisiert am 31.12.2011
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Techno Classica: Feinstaub und Selbstinszenierung

11.04.2007

Techno Classica 2007
Volle Hallen und interessante Exponate - der Volkswagenkonzern belegt den größten Platz in Essen
Doppelpfeil

Wie jedes Jahr feierten die Hersteller auf der Techno Classica wieder ihre Jubiläen und sich selbst.

Das Hauptthema der BMW Ausstellung war das 90jährige Bestehen der Marke. Die ausgestellten Objekte waren eine gute Mischung aus bekanntem und neuem : BMW 303, der als erster die Niere trug und gleich die lange Tradition der BMW Reihensechszylinder begründete, ein BMW 327/328 Coupé, dem ersten echten Sportcoupé von BMW und die Ikone BMW 507 dokumentierten die sportliche Tradition. Die Neue Klasse, die Studie BMW Turbo, einen BMW 520, dessen Vierzylindermotor schon Ende der 70er Jahre mit Wasserstoff läuft und die Cabrio-Reihe von E30 bis zur aktuellen Bleckdeckelvariante, dazu aktuelle Formel-1-Technik sowie ein WTCC-Auto sorgten für Abwechslung. Wem das nicht reichte, der fand seinen Favoriten bei den im Stand integrierten Clubständen.

Die englische Verwandschaft zeigte einen Mini Cooper S 970 ccm, einen durch die Firma Wooding aufgebauten Mini Cooper S 1275 ccm und eine Rallyeversion, mit der sich Timo Mäkinen 1966 den Sieg bei der 1000-Seen-Rallye in Finnland sicherte.

Besonders ausgefallen war der Double-Ended Mini: Dieses Unikat wurde vom MINI Projektteam im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Gaydon, Warwickshire, entworfen und gebaut. Es besteht aus zwei zusammengeschweißten classic Mini Cooper-Vorderteilen und nur einem Motor. Das vier Meter lange Vehikel kann von allen vier Sitzen aus "gefahren" werden, wobei jeder einzelne "Fahrer" eine eigene Aufgabe zu bewältigen hat: einer bedient die Lenkung, während ein anderer die Schaltung betätigt umd so weiter. Zwei der vier Personen sitzen entgegen der Fahrtrichtung. Ziel war es, damit den Team-Entwicklungsprozess auf spielerische Weise zu fördern. In diesem Sinne wurde der Double-Ended Mini Cooper einige Jahre im Werk Oxford zur Schulung von Mitarbeitern eingesetzt.

BMW 328 Mille Miglia Coupé BMW 700RS Alfa 33
Der BMW 328 MM mit Kammheck baut auf einem filigranen Fachwerk auf
Doppelpfeil
Aus einer Zeit, als es noch Rennklassen für kleine Autos gab, stammt der BMW 700RS
Doppelpfeil
Autodelta zeigte vier Alfa 33
Doppelpfeil
 

Audi blickt auf 75 Jahre Geschichte zurück. 1932 erfolgte der Zusammenschluss der vier Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer zur Auto Union AG mit den vier Ringen als Firmensignet. Damit war die Auto Union in den 1930er Jahren der zweitgrößte Automobil- Hersteller in Deutschland. Das seinerzeit breit gefächerte Marken-Portfolio dokumentierten ein Horch 670 Sportcabriolet mit 12-Zylinder-Motor von 1932, ein zweisitziger DKW F5 Roadster von 1937, ein Wanderer W 25 K Roadster von 1938 und das Audi 920 Cabriolet mit 6-Zylinder Reihenmotor – ein Bestseller-Modell von 1939. An die große Motorrad-Ära von DKW erinnerte das UL 700 Seitenwagengespann von 1936: In diesem Jahr gewann dieses Gespann die Deutsche Meisterschaft, 1937 sogar die Deutsche - und Europa-Meisterschaft.

Audi Tradition präsentierte auch drei Motorsport-Fahrzeuge aus der Vor-Quattro-Zeit: den Rallye Europameister von 1954, einen DKW 3=6 Sonderklasse, Typ F 91 "Rallye Monte Carlo", den Audi 80 GLE Rallyeversion Gruppe 2 von 1979 sowie den Audi 80 GLE Tourenwagen-Europameister von 1980.

Hillman Imp Renault Mercedes O319
Hillman Imp beim Sunbeam-Club
Doppelpfeil
Ein einsamer Renault stand als Blickfang bei einem Teilehändler
Doppelpfeil
Das Angebot auf dem Außengelände reichte vom Käfer bis zum Bus
Doppelpfeil
 

Der DKW 3=6 Sonderklasse Typ F 91 errang nach einem Klassensieg in der Rallye Monte Carlo 1954 die "Europameisterschaft für serienmäßige Tourenwagen". Außerdem war dieser DKW Dreizylinder 1954 und 1955 auch bei der Mille Miglia, der bedeutendsten europäischen Langstrecken-Geschwindigkeits-Prüfung, außerordentlich erfolgreich: Als Schnellster in der Tourenwagen-Wertung bis 1000ccm war die DKW Sonderklasse Gewinner der "Coppa argento grandissima". Der in Essen von Audi Tradition ausgestellte Wagen ist anhand von Original-Unterlagen der Auto Union Rennsportabteilung als Rallye Monte Carlo-Wettbewerber neu aufgebaut worden.

Mit einem Audi 80 GLE Rallyeversion der zweiten Generation startete Audi 1979 bei insgesamt 10 Läufen der Rallye-Europameisterschaft sowie der Rallye-Weltmeisterschaft. Der auf der Techno Classica gezeigte Audi 80 in Rallye-Ausführung ist einer der von Harald Demuth und Freddy Kottulinsky bei den Rallye-EM und WM-Läufen gefahrenen Werkswagen.

Erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen war ein Audi 80 in Rundstreckenausführung: Dieser Audi 80 GLE von 1980 entspricht dem von Hans Joachim Nowak und Willi Bergmeister in der Tourenwagen-Europameisterschaft eingesetzten Fahrzeug. Der Wagen basiert auf einer jener originalen Karosserien, die seinerzeit speziell für den Rennsport bei Audi in Ingolstadt gefertigt wurden. Nach dem Vizemeistertitel 1979 gewannen er 1980 den Titelkampf und holten erstmals für Audi den Titel des Tourenwagen-Europameisters.

Lamborghini LP 400 Countach
Der Lamborghini LP400 im Urzustand - schlichte Schönheit statt Flügelwerk
Doppelpfeil

Bei Lamborghini feierte man das fünfunddreißigjährige Jubiläum des Lamborghini Countach. Die italienische Audi-Tochter präsentierte zu diesem Anlass zwei besondere Exemplare: Neben einem Countach LP400 war der Lamborghini Countach 25¡ zu sehen. Beide Fahrzeuge stammen aus der Lamborghini-Kollektion des Werksmuseums in Sant'Agata Bolognese.

Lamborghini und das Turiner Design-Haus Bertone stellten auf dem Genfer Salon 1971 eine extrem keilförmige Studie vor, das radikalste und futuristischste Design-Konzept eines Supersportwagens jener Zeit. Sein Name: Lamborghini Countach LP 500. Die Abkürzung hinter dem Namen stand für "longitudinale posteriore" und bezeichnete die Einbauart des Zwölfzylinder-Triebwerks: hinten längs. Die Zahl hingegen gab Aufschluss über den Hubraum des V12 mit 60 Grad Zylinderwinkel: Fünf Liter. Der Name selbst war ein Ausdruck aus dem piemontesischen Dialekt und bedeutet soviel wie großartig, wundervoll, unglaublich. Bertone soll dies ausgerufen haben, als er zum ersten Mal die fertigen Entwürfe Gandinis sah und der anwesende Ferruccio Lamborghini befand darauf, dass dies der richtige Name für das Auto sei. Die Resonanz auf die Studie war so gut, dass man sich in Sant'Agata entschloss, den Countach in Serie zu bauen. Während der Erprobungsphase in den Monaten nach dem Salon stellte sich heraus, dass Gandini in Hinblick auf die thermischen Bedingungen des Motors etwas zu optimistisch gewesen war. Neue, den Kühlluft-Haushalt verbessernde Einlässe in den Flanken und große Hutzen ließen den Countach noch martialischer aussehen und gaben ihm seine prägnante Linie. Aluminium statt Stahl senkte das Trockengewicht von 1130 kg auf 1060 kg. Der von sechs Weber 45 DCOE Vergasern befeuerte, nun vier Liter große Motor des Serienmodells leistete 375 PS und trieb den Countach auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h. Damit war der Lamborghini Countach LP 400 das schnellste Automobil seiner Zeit. Insgesamt verließen während 27 Produktionsjahre 1997 Countach die Werkshallen in Sant'Agata.

Volkswagens Autostadt plünderte wieder in gewohnter Weise den Fundus. Blickfang war in diesem Jahr ein Bugatti Royale Coupé de Ville. Vielleicht wollte man damit davon ablenken, daß schon die ersten Veyron als "Gebrauchtwagen" auf der Messe feilgeboten wurden.

Seat, längst Teil des Volkswagenkonzerns, bekannte sich zu seiner FIAT-geprägten Vergangenheit. Der SEAT 600 ist das Auto, das die Massenmotorisierung in Spanien einleite. In Essen war eines der letzten in der spanischen Fabrik von Barcelona produzierten Modelle aus dem Jahr 1973 ausgestellt. Auch das erste Sportcabriolet des Landes hatte Fiat-600-Wurzeln: Der SEAT 850 Sport Spider ist ein in Barcelona montierter Bertone-Spider.

VW T1 Art Bunker
Art Bunker hat sicher nie gedacht, einmal der Mittelpunkt des Interesses auf einer Oldtimermesse zu sein
Doppelpfeil

Alle Jahre wieder heißt das Zugpferd bei Mercedes 300SL. Irgendein Jubiläum findet sich immer – dieses Jahr waren es 50 Jahre 300SL-Roadster. Da auch die vielen Händler und Mercedes-Spezialisten das Thema begierig aufgriffen, gab es den 300er in allen Farben und Erhaltungszuständen bis hin zu Replikas. Nur den Porsche 911 gab es in Essen noch häufiger zu sehen.

Wer außergewöhnliche Porsche sehen wollte, musste wie in den letzten Jahren zu Benoit Couturier gehen. Ein 908/3 in 1971er Spezifikation sowie ein wunderschöner, perfekt wiederaufgebauter 356 Abarth bildeten den Rahmen für ein ganz besonderes Glanzstück: Ein nur nach Bildvorlagen rekonstruierter VW-T1-Renntransporter trug, wie in den Fünfziger Jahren, einen 550A. Auch das Original des verlängerten Pritschenwagen existiert noch, wie sich inzwischen heraustellte, in sehr schlechtem Zustand und der jetzige Besitzer wird als Käufer der fahrfertigen Replika gehandelt.

Porsche 907 Porsche Carrera Abarth Porsche 908/3 + 907
Porsche 907
Doppelpfeil
Porsche Carrera Abarth
Doppelpfeil
Porsche 908/3 und 907
Doppelpfeil
 

Ford zeigte in Zusammenarbeit mit den Clubs Ausschnitte aus der Motorsport-Historie. Escort 1300 GT, der Capri Turbo mit einem 1,4 Liter Motor, Gewinner der Deutschen Rennsport Meisterschaft von 1981, diverse Fiesta im Rallytrim, 200RS und US-Renntourenwagen zogen die Zuschauer genauso an wie die Carrerabahn, auf der GT40, Capris und andere Sportgeräte im Drift um die Ecken getrieben werden durften.

Von den deutschen Herstellern fehlte nur Opel und überließ es den Clubs, die Markenhistorie zu zeigen.

Ford
Ford kam mit Motorsport-Fahrzeugen aus Europa und den USA nach Essen
Doppelpfeil

Bei den Ausländern war Alfa Romeo mit einem Großaufgebot historischer Alfa Spider vertreten: Zur Markteinführung des neuen Spider-Modells zeigte man in Essen eine Reihe von offenen Sportwagen. Die Vorkriegszeit repräsentierte ein Alfa 8C 2300 Spider Corto des Jahres 1932, ab 1950 lieferte Pininfarina das Design der offenen Zweisitzer. Während das Alfa 6C 2500 Cabriolet aus dem Jahr 1950 in Preis und Stückzahlen noch an Vorkriegstraditionen anknüpft, startete 1955 mit dem Alfa Giulietta Spider die Eroberung des Massenmarkts. Deutlich größer und vom Charakter her eher ein Cabriolet ist der Alfa 2600 Spider des Jahres 1962. 1966 schließlich beginnt mit dem "Duetto" genannten Alfa Spider 1600 die eigentliche "Spider-Zeitrechnung". Den Schlusspunkt der heckgetriebenen Alfa Spider dokumentierte ein "Classio" von 1990.

Talbot Skoda Mercedes O319
Grand-Prix-Technik im Talbot
Doppelpfeil
Skoda und Motorsport? Aber sicher – im Ostblock war man Rallye-Seriensieger
Doppelpfeil
Bei Luca Hüni waren zwei Pegaso im Angebot
Doppelpfeil
 

Auf dem Stand von Autodelta, der Motorsportabteilung von Alfa Romeo, stand ein Rennwagenjubiläum im Mittelpunkt. Zum 40. Geburtstages des Alfa 33 stradale (1967) und dem 30. Jubiläums des Gewinns der Marken-Weltmeisterschaft für Rennsportwagen durch den Alfa 33 SC 12 (1977) gaben sich vier der legendären Boliden ein Stelldichein. Neben dem Alfa 33 stradale waren ein Alfa 33 Daytona sowie die 12-Zylinder-Versionen Alfa 33 TT 12 und Alfa SC 12 zu sehen.

Das man auch mit einem kleinen, einfachen Auftritt Spannendes bieten kann, bewies Citroën. Ein TUB von 1939 verwirklichte erstmals das moderne Kastenwagen-Konzept mit niedrigem Frontlenkeraufbau, seitlicher Schiebetüre in der selbsttragenden Karosserie und Frontantrieb. Nur 1749 wurden gebaut, der sehr seltene Überlebende, heute in der Werkssammlung und der letzte jemals produzierte H im fabrikneuen Zustand feierten den fünfzigsten Geburtstag dieses populärsten Transporters der Pariser Marke.

Wie üblich fehlten die Japaner und auch Renault verzichtete zum ersten Mal seit Jahren auf eine Präsenz. Dabei hätte man gerade in diesem Jahr einen Grund zum Feiern gehabt: 100 Jahre gibt es nun die Renault AG in Deutschland. Mit R4, R16 und Alpine fehlten in Essen wichtige Exponate.

Während die Hersteller also mal wieder nur sich selbst feierten, bemühten sich die Clubs und einige Händler, das Thema Feinstaub und Fahrverbote in den Vordergrund zu rücken. Unterstützt durch Flyer und Aufkleber der Initiative "Kulturgut Mobilität", die auch mit einen eigenen kleinen Infostand und engagierten Personal vertreten waren, wiesen viele kleine Stände darauf hin, daß diese Techno Classica die letzte ihrer Art sein könnte, wenn die oldtimer-feindlichen Pläne Wirklichkeit werden, die unter dem Deckmantel des Umweltschutzes Fahrverbotszonen einführen wollen. Dann nämlich wird kaum eines der Exponate noch auf eigener Achse zu den Messehallen in Essen gefahren werden können. Standplätze könnten im kommenden Jahr billig werden.

Krimskrams Tricycle Citroen TUB
Wer wollte, konnte wieder stundenlang stöbern
Doppelpfeil
Dieses Tricycle wartete auf einen mutigen Käufer
Doppelpfeil
Der TUB aus dem Werksmuseum war Blickfang auf dem kleinen Citroën-Stand
Doppelpfeil
 

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: Dieter Roßbach )

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