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35. ADAC-24-Stunden-Rennen: Ausnahmezustand in der Eifel
13.06.2007
230 Fahrzeuge, mehr als 700 Fahrer und 210.000 Fans verwandelten die wohl schönsten und spektakulärsten 25,378 Kilometer Asphalt des Nürburgrings zum Mekka für Freunde des Motorsports. Wenige Tage vor dem 80. Geburtstag des Nürburgrings feierte auch Deutschlands größtes Motorsportevent ein rundes Jubiläum. Zum 35. Mal seit 1970 wurde der Langstreckenklassiker in der Eifel ausgetragen. Bereits am Montag vor dem Rennen öffneten die provisorischen Campingplätze rund um die Nordschleife für die Fans. Während sich das motorsportbegeisterte Publikum häuslich einrichtete und von der Wohnzimmereinrichtung über Swimming Pools bis hin zu Unterhaltungselektronik alles aufbaute, fand auf der Strecke der Vorlehrgang 24h-Rennen statt. Hier wurden die Neulinge auf die besonderen Anforderungen bei der Hatz zweimal um die Uhr auf dem Nürburgring vorbereitet. Am Donnerstag startete die Veranstaltung der Superlative offiziell mit einem umfangreichen Rahmenprogramm. Formel Fahrzeuge, Tourenwagen und GT-Boliden trugen ihre Rennen teils auf der Grand- Prix Strecke, teils auf der Kombination von Grand-Prix-Strecke und Nordschleife aus. Neben den Rahmenrennen lockten aber auch eine Drift-Challenge und die Adenauer Racing Day die Zuschauer an. Auf der Hauptstraße von Adenau waren Fahrzeuge zum Greifen nah aufgereiht, die dazu gehörenden Fahrer schrieben fleißig Autogramme und gaben Interviews. Freitag vor dem Rennen wurde es dann ernst. Im ersten Qualifikationstraining sicherten sich Marcel Fässler, Klaus Ludwig, Robert Lechner und Sascha Bert mit dem Aston Martin DBRS 9/8 des Phoenix Racing Teams die vorläufige Pole Position. Während des vierstündigen Nachtqualifyings fielen sie jedoch auf den vierten Startplatz zurück. Schnellste waren die Vorjahressieger Marc Lieb, Timo Bernhard, Romain Dumas und Marcel Tiemann im Manthey-Porsche. Sie sicherten sich die Pole Position vor der Zakspeed Dodge Viper GTS-R und dem Porsche GT3 RSR von Land-Motorsport. Der mit Spannung erwartete Start des Rennens sollte am Samstag um 15:00 Uhr erfolgen. Die ersten Fahrzeuge, die nach diesem geplanten Startzeitpunkt die 25,378 Kilometer lange Strecke unter die Räder nahmen, waren allerdings Kehrmaschinen der Nürburgring GmbH. Unmittelbar vor dem Start war ein schweres Unwetter über die Eifel herein gebrochen. Sturzbäche liefen über die Strecke, stellenweise stand das schlammige Regenwasser zentimeterhoch auf der Nordschleife. Während die meisten Zuschauer entlang der Nordschleife diese unfreiwillige Verzögerung mit Humor nahmen, wurden einige Opfer eines Blitzschlages, der unweit ihres Campingplatzes einschlug. Insgesamt mussten 13 von ihnen mit leichten Herz-Kreislauf Beschwerden ambulant behandelt oder in das Adenauer Krankenhaus gebracht werden. Nach der wetterbedingten Startverschiebung und der notwendigen Streckenreinigung konnte das 220 Fahrzeuge umfassende Feld dann um 16:51 Uhr auf die Reise geschickt werden. Altmeister Klaus Ludwig setzte sich mit dem Aston Martin an die Spitze. Auf abtrocknender Piste begann ein Reifenpoker. Mit einem frühen Boxenstopp konnten sich die Gebrüder Jürgen und Uwe Alzen, Christian Menzel und Chris Mamerow in ihrem Porsche Cayman an die Spitze setzen, nach der ersten Stunde führten sie vor Land-Motorsport und Manthey-Racing die Gesamtwertung an.
Wenig später waren Bernhard/Lieb/Dumas/Tiemann auf dem Vormarsch und am Alzen-Cayman dran. Rund um die Strecke wurde das packende Duell um die Spitze von 210.000 Fans beobachtet. Diese erlebten das Team um Olaf Manthey in Bestform und somit nach zwei Stunden auch in Führung liegend vor Zakspeed-Racing, Land-Motorsport und Phoenix Racing. Der Alzen-Porsche lag zu diesem Zeitpunkt auf Position fünf, hatte aber nur etwa drei Minuten Rückstand auf die Spitze. Jeder Boxenstopp brachte das Klassement durcheinander. Durch unterschiedliche Tankgrößen und damit längere Fahrzeiten rechneten sich auch Vater und Sohn Hans-Joachim und Johannes Stuck im BMW Z4 M Coupé von Schubert Motors gute Chancen aus. Unterstützt wurden sie dabei von Claudia Hürtgen und Richard Görannson. Von Platz neun aus in das Rennen gestartet, konnte sich das Team aus Oschersleben auch aufgrund des größeren Tankvolumens nach vorne arbeiten und so lag Johannes Stuck nach fünf Stunden auf Platz sechs in Schlagdistanz zur Spitze. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wurde das Rennen für viele Fans rund um die Nordschleife zur Nebensache, der Grill sowie zahlreiche Partys bestimmten das Geschehen an den markanten Zuschauerplätzen rund um die Nordschleife. Der vormals führende Porsche Cayman der Alzen-Brüder verlor durch eine notwendige Reparaturpause einige Zeit und Positionen an der Box, konnte das Rennen aber wenig später wieder aufnehmen. Im Verlauf der Nacht bildete sich dann zunehmend dichter Nebel, der den Sichtkontakt der Streckenposten untereinander unmöglich machte. Rennleiter Hans Schnock traf die mutige und im Interesse der Sicherheit richtige Entscheidung, das Rennen um 3:54Uhr zu unterbrechen. Bei den Teilnehmern traf dies auf breite Zustimmung, so auch bei Wolfgang Land: „Der Abbruch geht völlig in Ordnung für meinen Geschmack hätte er sogar noch etwas früher kommen können. Was hätte die Rennleitung anderes machen sollen! Es war eben eine schwierige Situation.“ Nachdem das Feld angehalten und geschlossen in die Boxengasse geführt wurde, gab es aber auch kritische Stimmen gegen die Aufhebung der Parc-Fermé-Bestimmungen. Überall wurde an den Fahrzeugen gearbeitet, vereinzelt sogar ganze Motoren gewechselt und die Spuren der zurückliegenden elf Rennstunden beseitigt. Um 9:31 Uhr erfolgte der Neustart. Das Klassement zum Zeitpunkt der Unterbrechung galt dabei als Startaufstellung. Die Teams von Manthey, Land, Zakspeed und Schubert-BMW bildeten so die ersten beiden Startreihen. Marc Basseng wollte im Land-Porsche die Gunst der Stunde nutzen und in Führung gehen. Bei einer Kollision zwischen ihm und den vor ihm fahrenden Marcel Tiemann beschädigte er den Wasserkühler seines Porsche. Die Reparatur dauerte fast 20 Minuten und somit konnten Zakspeed und Schubert Motors vorbeiziehen.
Der Neustart brachte auch Ludwig/Fässler/Bert/Lechner kein Glück. Um kurz nach 11 Uhr rollte der Phoenix Aston Martin DBRS 9/8 auf der Grand-Prix-Strecke im Bereich Rheinland-Pfalz-Bogen mit Motorschaden aus. Auch Hans-Joachim Stuck hatte Pech. Nach einem schweren Unfall im zweiten Lauf zur BF-Goodrich-Langstreckenmeisterschaft war „Striezel“ Stuck gerade rechtzeitig in das Cockpit des BMW Z4 M Coupé zurückgekehrt und hoffte auf einen Podiumsplatz zusammen mit seinem Sohn Johannes. Eine Kollision in der Fuchsröhre mit anschließendem Dreher kostete den dritten Gesamtrang, inklusive der Reparaturdauer verlor die Truppe aus der Magdeburger Börde fünf Runden und musste sich am Ende mit Rang fünf begnügen. Timo Bernhard, Marc Lieb, Romain Dumas und Marcel Tiemann fuhren nach 112 Rennrunden schließlich den zweiten Sieg in Folge für das Team Manthey Racing sicher nach Hause. Dahinter wurde es noch einmal spannend, als sich die Zakspeed Viper und der Land-Porsche auf der Strecke einen offenen Schlagabtausch lieferten. Die Addition der beiden Rennhälften sprach aber eindeutig zu Gunsten von Zakspeed Racing. Rang vier sichern sich Jürgen und Uwe Alzen sowie Christian Menzel und Chris Mamerow in ihrem Porsche Cayman. So endete die 35. Auflage des ADAC-Zürich-24-Stunden Rennens auf dem Nürburgring nach einem um fast zwei Stunden verzögerten Start und einer tatsächlichen Renndauer von „nur“ 18:01:30.009 Stunden. Wie sollte es anders sein, auch im Jubiläumsjahr schrieb das Eifelwetter erneut eigene Rennsportgeschichte.
(Text: Michael Behrndt/Matthias Behrndt)
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