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Fiat 1.4 16V T-Jet: Bravo für Punto
09.08.2007
Angesichts zur Neige gehender fossiler Brennstoffe und Feinstaubdiskussionen sind Benzinmotoren in den Fokus der Motorenentwickler geraten. Während heutige Dieseltriebwerke mit reichlich High Tech-Zutaten aufgerüstet sind, gibt es beim Otto-Motor noch grosse Entwicklungspotentiale. "Downsizing" die Verkleinerung der Hubräume ist ein Thema der Zeit und Fiat einer der Vorreiter dieser Entwicklung. Die Italiener haben die komplette Motorenentwicklung des Konzerns in der neuen Fiat Powertrain Technologies-Division zusammengefasst: Von Hochleistungstriebwerken für Ferrarri bis zu genügsamen Antrieben für Brot- und Butter-Autos reicht das Spektrum. Auch die neuen T-Jet-Motoren, die auf dem bekannten 1.4 16V Fire-Triebwerk basieren, entstanden hier. Um die Entwicklungsziele zu erreichen Wirtschaftlichkeit, gute Fahrbarkeit und Fahrspaß wurde der Sauger für den Turbo-Einsatz aufwendig überarbeitet und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Es entstanden zwei Motoren mit unterschiedlicher Leistungs-Charakteristik, die im Fiat Grande Punto (mit 120 PS) und im Fiat Bravo (mit 150 PS) eingesetzt werden. Obwohl man auf Zutaten wie eine Benzindirekteinspritzung verzichtet hat und mit einer Saugrohreinspritzung arbeitet, erreichen die kleinen Kraftwerke beeindruckende Leistungs- und Verbrauchswerte. Das Mehr an Kraft entsteht durch die Verwendung eines recht groß dimensionierten Abgasturboladers.
Der Turbolader mit Ladeluftkühlung hat je nach Leistungsstufe einen ganz anderen Charakter. Beim stärkeren Motor sorgt die Geometrie des Turbinenrads dafür, dass bei hohem Ladedruck ein besonders hohes Drehmoment aufgebaut wird: Ein so genannter Overboost erlaubt kurzfristig einen Drehmomentanstieg von 206 Newtonmetern auf 230 Newtonmeter. Beim T-Jet mit 120 PS dagegen ist die Form des Turbinenrades so gestaltet, dass schon bei niedrigen Drehzahlen hohe Drehmomente anliegen und die Kraftentfaltung möglichst sanft über die Bühne geht. Der 120-PS-Motor wird in den Grande Punto eingebaut. Das hohe Drehmoment von 206 Newtonmetern liegt bei 1.750 Umdrehungen an und steht im Gegensatz zu einem Turbodiesel auch noch bei höheren Drehzahlen zur Verfügung. Zwischen 1.800 und 4.500 Touren liefert der Turbo 90 Prozent des Maximaldrehmoments und der angegebene Verbrauch von 6,6 Liter auf 100 Kilometer ist moderat. In 8,9 Sekunden beschleunigt es den kompakten Italiener auf 100 Stundenkilometer und bringt ihn auf eine Spitze von 195.
In Verbindung mit der Sport-Ausstattung macht das Triebwerk besonders viel Freude. Die keilförmige Karosserie aus der Feder von Giugaro hat vorne überraschend große Fensterflächen, die den Grande Punto übersichtlich machen und die Straße dem Blick öffnen. Eine gute Voraussetzung, um auf kurvigen Landstrassen präzise und schnell zu fahren. Für Spontanität und Haftung sorgt ein Sportfahrwerk, das drei Zentimeter tiefer liegt und straffer ausgelegt ist. Es ist nicht besonders hart, sondern offeriert einen guten Mix aus Sportlichkeit und Komfort genau wie die Sitze, die bequem sind und einen besonders guten Seitenhalt bieten. Auch die Bremsen arbeiten tadellos und passen in ihrem Ansprechverhalten gut zum Layout, während das gut abgestufte, aber recht unpräzise Fünfgang-Getriebe den Fahrspaß etwas beeinträchtigt. Die Innenraumgestaltung ist auch nicht perfekt: Vor allem die weiß hinterlegten und rot gerahmten Rundinstrumente wirken ein wenig manieristisch. Gelungen ist der Fiat Grande Punto 1.4 16V T-Jet Sport trotzdem: Zeitgemäße Sparsamkeit und vergnügliche Sportlichkeit verbinden sich hier zu einem Paket von besonderem Reiz.
Gediegener, aber nicht weniger dynamisch, geht es im Fiat Bravo Sport zu. Hier kommt die 150 PS starke Variante zum Einsatz: Ein Druck auf die „Sport“-Taste aktiviert den Overboost des 1.4 16V T-Jet und schon sprintet er in 8,2 Sekunden auf die 100 Kilometer-Marke. Mit dem kleinvolumigen Turbo ist die Limousine 212 Stundenkilometer schnell und zu dessen sportlicher Abstimmung passen das knackige Sechsganggetriebe, die direkte Lenkung und das straffe Fahrwerk ausgezeichnet. Das maximale Drehmoment der Sport-Version beträgt 230 Newtonmeter und wird über die Overboost-Taste aktiviert. Dann steigt das Drehmoment von 206 auf die genannten 230 Newtonmeter, die schon bei 3.000 U/min anliegen. Als Verbrauch nennt Fiat gemittelte 7,1 Liter auf 100 Kilometer. Die gefällige, konservativ-sportliche Linie der Karosserie hat Fiat schon einigen Applaus beschert. Dabei hat die coupéhafte Form durchaus einige praktische Nachteile, wie etwa die schlechte Übersicht nach hinten oder die hohe Ladekante des Kofferraums.
Insgesamt aber ist der Bravo eine angenehme Erscheinung: Armaturenbrett und Verkleidungen wirken hochwertig, ebenso Schalter und Drucktasten. Tacho und Drehzahlmesser sind geschmackvoll gezeichnet und die straffen Sitze sind untadelig. Das Fahrwerk besteht vorne aus einer Einzelradaufhängung mit Teleskopstoßdämpfern und einer Halbverbundlenkerachse hinten mit straffer Abstimmung. Dazu kommt eine elektromechanische Servolenkung, die einen akzeptablen Fahrbahnkontakt vermittelt. Beide Fiat-Modelle sind überzeugende Beispiele für das sogenannte „Downsizing“ in der Motorenentwicklung. Die Triebwerke sind elastisch und drehfreudig, verfügen über einen großen nutzbaren Drehzahlbereich sowie eine angenehme Leistungscharakteristik. In Verbindung mit den gelungenen Fahrzeugkonzepten stehen sie sowohl für die Renaissance des italienischen Traditionsunternehmens wie auch für die Entwicklungspotentiale des Otto-Motors.
(Text: Rainer Roßbach) |
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