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Toyota IQ: Kunst-Stoff
16.10.2007
Nach "L-Finese", der "Design-Sprache" für Lexus jetzt also "Vibrant Clarity" für Toyota. Sprachliche Nulllösungen wie diese verstellen leicht den Blick auf das interessanteste Design, das zur Zeit in der Automobilindustrie zu finden ist. Schon mit dem Hybridsportler FT-HS zeigten die Japaner, dass sie das Spiel mit komplexen Linien und dem Kontrast von scharfen Akzenten und weichen Formen meisterhaft beherrschen - Zukunftsgerichtetes und innovatives japanisches Design vom Besten. Das südfranzösische Toyota-Studio ED2 zeigt jetzt die nächste Entwicklung: Die Kleinwagenstudie IQ will auf kleinster Fläche viel Raum und Luxus apart und intelligent verpacken. Das Konzept will das kleinste viersitzige Premium-Automobil der Welt sein. Bei einer Gesamtlänge von 2.980 Millimetern ist er kleiner als ein Aygo. In Breite und Höhe dagegen ist er mit dem Yaris vergleichbar (1.680 Millimeter und 1.480 Millimeter), so dass sich hinter den kompakten Abmessungen ein relativ geräumiger Innenraum verbirgt. So finden auf vier Sitzen drei Erwachsene und ein Kind Platz, wobei sich der Rücksitz geteilt umklappen und damit als zusätzlicher Gepäckraum nutzen lässt. Dazu entwickelte Toyota ein 3+1-Sitzkonzept mit einer vor dem Beifahrersitz ausgesparten Armaturentafel. Um einem dritten Erwachsenen zusätzlich Platz zu bieten, lässt sich der Beifahrersitz nun weiter nach vorn verschieben, so dass man im hinteren Bereich zsätzlichen Raum gewinnt. Der hintere Sitz ist im Verhältnis 60:40 geteilt, so dass hier entweder ein Erwachsener und ein Kind oder ein Erwachsener plus Gepäck untergebracht werden können. Wahlweise lässt sich auch der gesamte hintere Bereich des Innenraums für das Gepäck nutzen. Darüber hinaus tragen Lösungen wie die Platz sparende Innenraumgestaltung oder der Einsatz miniaturisierter Technologie dazu bei, das Platzangebot im Innenraum zu vegrößern. So wurde beispielsweise die Heizungs- und Lüftungseinheit besonders kompakt konstruiert, wodurch vor dem Beifahrersitz zusätzlicher Raum entstehen konnte.
Innen will die geometrische Struktur des Armaturenträgers dem Innenraum Offenheit und Weite geben. Die Mittelkonsole, eine schlichte, aber zugleich fließend geformte Struktur, umschließt die Instrumente. Luftauslässe in zylindrischer Grundform suchen in ihrer Form einen direkten Bezug zu ihrer Funktion. Die Türverkleidungen nehmen die Linie der Mittelkonsole auf. Weiche, berührungsfreundliche Oberflächen erzeugen ein angenehmes und wohnliches Ambiente. Ein zentral angeordnetes Einzel-Instrument dient mit seiner unmittelbar im Blickfeld des Fahrers angeordneten Anzeige der Bedienung von Heizung und Lüftung. Oberhalb der Lenksäule gibt es eine dreidimensionale 3-in-1-Anzeige für Geschwindigkeit, Drehzahl und vorhandener Benzinmenge, während die Bedienung von Audiosystem und Navigation in das Lenkrad integriert sind. Zusätzlich gibt es ein freistehendes, im inaktiven Zustand durchsichtiges Head-up-Display im zentralen Blickfeld des Fahrers. Ein transparentes Panorama-Dach sorgt für ein luftiges Raumgefühl im Fahrgastraum. Insoweit interpretiert die Studie den Stand der Dinge, wenn auch auf geschickte Weise. Wirklich interessant jedoch ist das Design der Karosse. Fließende und schwingende Linien, Lampen wie geschliffene Steine, deutlich abgesetzte Lichtkanten und stramm gespannte Bögen machen den kleinen Toyota zu einem formalen Erlebnis. Kurze Überhänge sowie ein ausgeprägtes Cab-forward-Design bieten ein Maximum an Karosserieraumvolumen. Die weiße Lackierung lässt den IQ wie aus Kunststoff geformt wirken - ein Eindruck, der durch die expressive Linienführung verstärkt wird. Und das wirkt nicht billig, sondern echt und stark und ausdrucksvoll. Das gilt im übrigen auch für die reduziert-schwungvolle Gestaltung des Innenraums. Ein Auto also, das man auf der Straße sehen will. Aber abgesehen davon, dass es den Markt für Mini-Premium-Viersitzer so gut wie nicht gibt - Lancia versucht schon seit Jahren eher erfolglos dieses Segment zu bedienen - dürfte ein Entwurf wie dieser an Toyota eigenen Bedingungen scheitern. Die Japaner zeigen viele kluge Studien, aber auf den Bändern landet uninspirierte Konfektion wie der Auris. "Vibrant Clarity" ist das nicht, und auch bei der Luxustochter Lexus führen die konsequenten "L-Finesse"-Studien immer zu Asien-Barock wie etwa beim LS 600.
(Text: Rainer Roßbach )
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