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Startech Starster: Ein Muscle Car für das dritten Jahrtausend
10.11.2007
Henne oder Ei? Angesichts so mancher erfrischenden Designstudie der jüngsten Zeit stellt sich die Frage, wer da bei wem abkupfert? Die ganz offenbar herrlich durchgeknallten Designer von Mattels "Hot-Wheels"-Spielzeugautos oder die Kollegen von der eher seriösen Fraktion, die die großen Autos machen? Die den Dodge Avenger entworfen haben, sind zwar keineswegs die drögesten Vertreter ihrer Zunft, aber das Potenzial ihres Entwurfes haben sie kaum angerührt, geschweige denn ausgereizt. Eine Möglichkeit, aus dem eher biederen "Rächer" etwas Offensiveres zu machen, ist der jüngste Streich von Startech. Starster haben die Veredelungsschmiede aus Bottrop ihren jüngsten Streich genannt, der erstmals auf der IAA in Frankfurt zu sehen war. Über Geschmacksfragen lässt sich nicht streiten, und man darf den Starster ganz bestimmt genauso gern hässlich finden wie er sich preisen lässt. Eins gilt jedoch in jedem Fall: Das Ding ist unbestreitbar konsequent. Da bleibt es völlig unerheblich, ob der Designer Objekt und Entwurf sowie sich selbst nicht ganz ernst genommen hat oder ob die unterschwellige Ironie unfreiwillig mit hineingerutscht ist. Jedenfalls kommt der Starster derart spektakulär daher, dass ihn auch ein Filmdesigner für eine Science-Fiction-Farce entworfen haben könnte.
Im schwülen Klima der vielen Retro-Sünden obwohl vor allem der Camaro-Wiedergänger ein gelungenes Stück Zweitverwertung darstellt samt schlecht kaschierter Midlife-Crisis ist der Starster eine veritable Erfrischung. Da müht sich niemand ums möglichst fehlerfreie Zitat längst vergangenen Glanzes, da versuchen sich keine unvereinbaren Elemente von einst und von jetzt krampfhaft in erzwungener Harmonie. Spielt auch alles keine Rolle, denn der Starster ist ein Halbstarker. Und deshalb darf er auch auftreten als Muscle-Car mit allen möglichen Elementen aus der großen bunten Hot-Wheels-Kiste. Als da wären: Feiste Niederquerschnittreifen auf bösartig schwarzen Fünfsternfelgen, elfenbeinfarbene Lackierung mit Kontrastfarbe huh! Pfirsich, Böser-Blick-Scheinwerfer mit eiskalten LED plus leuchtendem Dodge-Fadenkreuz, eine herrliche Hutze auf der Haube, unter der in der Tat ein Turbo heult, und am Ende rotglimmende Leuchten unter einer durchgehenden Acrylglasplatte.
Startech hat außerdem den Avenger besser begriffen als die Dodge-Leute selbst und weise auf den hässlichen Heckspoiler verzichtet. Seiner bedarf es ganz offensichtlich ohnehin nicht immerhin bringt der aufgeladene 2,4-Liter-Vierzylinder satte 340 PS auf die Straße. Ein komplett einstellbares Sportwagenfahrwerk plus Hochleistungsbremsen sollen dem Startech-Avenger jene Manieren beibringen, die seine Muscle-Car-Ahnen nie besessen haben. Rasant schicke hochkant gestellte Blinker, Edelstahl-Auspuffmündungen als Gestaltungselement der hinteren Stoßstangen und das Pfirsich-Sahne-Interieur à la Beverly Hills machen die Sache schließlich rund. Startech wirbt ganz stolz mit 1,2 Kilometern Faden, die den ledernen Bodenbelag im Waffelmuster halten. Das ist aber am Ende alles Wurst, weil komplett Geschmacksache. Die Behauptung ist wohl nicht gewagt, dass der Starster nur hemmungslos kindliche Begeisterung oder aber fassungsloses Entsetzen ernten wird. Aber seien wir ehrlich: Trotz noch so gekonnter Werksnachbauten mit moderner Technik eigentlich muss ein Muscle-Car im Jahr 2007 so aussehen wie der Starster, und nicht wie ein echter 70er Mustang oder so etwas.
(Text: Jost Neßhöver)
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