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BMW 120i Dreitürer: Aus Freude am Sparen
11.03.2007
Bisher war der BMW 1er ein Einzelkind und das ist im BMW-Programm außergewöhnlich. Mit einer Modellüberarbeitung weitet BMW das Programm des Einstiegsmodells nun aus, eine dreitürige Variante ergänzt die Palette. Die Änderungen sind bei dem neuen Modell gering, der Effekt aber überraschend groß: Die deutlich größere Fahrertür streckt den Wagen optisch erheblich, das die B-Säule überdeckende hintere Fenster und die rahmenlose Scheibe in der Tür sorgt für ein aufgeräumtes Design der Glasflächen. Mit dem neuen Layout wirkt der Wagen deutlich ausbalancierter, das Motorenabteil verliert seine Dominanz. Dieser 1er hieße sicherlich Coupé, wenn da nicht noch eine weitere Variante mit geänderter Dachform geplant wäre. Die weiteren Änderungen kommen auch dem Fünftürer zu Gute: die größere Niere, ein breiterer Lufteinlass in der Frontschürze, eine größere Spoilerlippe und die leicht geänderten Scheinwerfer verbreitern das Gesicht optisch. Auch der Innenraum wurde überarbeitet und wirkt nun deutlich wohnlicher und hochwertiger. Der größte Fortschritt findet allerdings unter der Motorhaube statt. Passend zur aktuellen Klimadiskussion zeigt sich der 1er nun als Musterknabe, zumindest im BMW-Angebot. Alle Modelle sind ab sofort mit einer ersten Stufe der Energie-Rückgewinnung ausgerüstet. Im Fahrbetrieb wird die Batterie nur bis auf 80% der Kapazität aufgeladen, die restlichen zwanzig Prozent werden durch die Nutzung der Bremsenergie des Motors gewonnen. In Lastphasen kann der Generator ganz abgekoppelt werden, was der Dynamik und der Leistungscharakteristik entgegenkommt. Da diese Methodik zu deutlich mehr Ladezyklen führt, werden die 1er mit Batterien des Typs AGM ausgestattet, die robuster als herkömmliche Blei-Akkus sind.
Mit diesen Maßnahmen alleine lassen sich allerdings noch keine Verbrauchswunder erreichen. Ein neuer Zweiliter-Motor löst das alte Benzin-Aggregat ab. Der neue Vierzylindermotor ist mit einer Direkteinspritzung der zweiten Generation ausgestattet. Piezo-Injektoren übernehmen die Versorgung des Brennraums mit Treibstoff. Die Ausformung der Injektoren und ihre Positionierung direkt neben der Zündkerze erlauben es, die Gemischaufbereitung mit hoher Präzision über einen breiten Betriebsbereich zu steuern. So ist ein bezinsparender Magerbetrieb auch in hohen Drehzahl- und Lastbereichen möglich. Dazu kommt ein intelligentes Management der Nebenaggregate, dass Energiefresser wie die Kühlpumpe, nun elektrisch betrieben, oder den Kompressor der Klimaanlage, nur dann arbeiten läßt, wenn die Komponenten wirklich gebraucht werden. Die Summe dieser Maßnahmen soll zu einer deutlichen Verbrauchsreduzierung führen. Daß gleichzeitig die Leistung beim 120i um 20PS gesteigert wurde, wird der 1er-Kunde gerne mitnehmen. Während alle diese Maßnahmen ohne das Zutun des Fahrers wirken, erfordert eine weitere Neuerung vorausschauendes Fahren und Mitdenken: Die Vierzylindermodelle werden ab sofort mit einer Start-Stop-Funktion ausgeliefert. Sobald das Fahrzeug steht und ausgekuppelt wird, stoppt der Motor – und startet automatisch wieder, wenn zum Einlegen des Gangs die Kupplung getreten wird. Das System arbeitet narrensicher, der Motor startet, unterstützt durch einen verstärkten Anlasser, schnell. Man gewöhnt sich leicht daran und beginnt besonders in der Stadt nach Gelegenheiten zu suchen, das Sparpotential dieser Funktion auszunutzen. Der Spareffekt ist beträchtlich: Im großstädtischen Feierabendverkehr, wenn man von Ampel zu Ampel schleicht, bleibt der Verbrauch unter 9 Liter auf 100km. Dabei könnte der Benzinverbrauch noch geringer sein, wenn man auf intensive Stromverbraucher wie die Klimaanlage verzichten würde. So wird manchmal das mögliche Abschaltintervall nicht voll genutzt, da das Energiemanagement den Motor selbst wieder startet, da der Ladezustand der Batterie unter die, sehr hoch angesetzte, Sicherheitsschwelle fällt.
Auch im Überlandverkehr bleibt der 1er genügsam. Rollt man im fünften oder sechsten Gang im Verkehr mit, kann durchaus eine 6 vor dem Komma des Verbrauchswerts stehen. Wer auf jeden Fahrspaß verzichtet und extrem auf Sparen aus ist, kann, ohne den Verkehr zu behindern, sogar unter die Sechs-Liter-Grenze kommen. Dann allerdings hat man sich das falsche Auto gekauft, denn der neue Zweiliter-Motor geht ausgesprochen gut. Schon bei niedrigen Drehzahlen läuft er angenehm und hängt gut am Gas, nach oben hin legt er kräftig zu. Zusammen mit dem kurvengierigen Fahrwerk und der direkten, sehr präzisen und gefühlvollen Lenkung ist die Verführung groß, doch einmal öfter das Potential des Autos auszuloten. Aber auch dann bleibt der Verbrauch in Grenzen, wer an die 10-Liter-Grenze herankommen will, muß den Motor immer an der Drehzahlgrenze betreiben. Laufruhe und Komfort sind für ein eher sportlich positioniertes Auto gut, die Platzverhältnisse orientieren sich am Bedarf zweier Erwachsener, die Ladekapazität im Gepäckraum und der Raum in der zweiten Reihe beschränken die Möglichkeiten wie beim Fünftürer. Eigentlich ist der Dreitürer sogar konsequenter, weil er von vornherein klar macht, daß mehr als zwei Erwachsene nur in Ausnahmefällen transportiert werden sollten. Damit kommt er dem alten Vorbild 2002 sehr nahe, nun fehlt nur noch das Stufenheck. Und in Fahrfreude und Verbrauchswerten schlägt er den Urvater bei weitem. Mit 152g/km CO2-Emmission kann er auch in der aktuellen Klimadiskussion punkten .
(Text: Dieter Roßbach )
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