|
|
|
|
Citroën Grand C4 Picasso: 1,8l V16 Tendance
10.06.2007
Mit dem Grand C4 Picasso füllt Citroën die große Lücke, die sich bisher zwischen dem Xsara Picasso und dem C8 auftat. Der C4-Minivan bietet Platz für bis zu sieben Personen und kompakte Abmessungen, Grundvoraussetzungen für den Erfolg gegen Touran, Zafira und Grand Scenic. Nachdem sich Citroën nun wieder ein eigenständiges Design erlaubt, hebt sich der Grand Picasso wohltuend von dem biederen Auftritt der deutschen Konkurrenten ab. Mit den Minivan kann man sich sehen lassen. Die getestete Version Tendance mit dem 1,8-Liter-Benzinmotor positioniert sich als gut ausgestattetes Mittelklassemodell in der Baureihe. Statt Leder und Ambiente-Beleuchtung gibt es Kunststoff, die Hinterachse muss auf die Luftfederung der teueren Modellvarianten verzichten, aber mit einem farbigen Zentraldisplay, höhenverstellbaren Vordersitzen, Zentralverriegenung mit Fernbedienung, einer Klimaanlage mit vollautomatischer Regelung und seitlichen Bedienelementen und Displays für Fahrer- und Beifahrer, Sonnenstandssensor, Pollen- und Geruchsfilter und REST-Funktion ist die Ausstattung bemerkenswert vollständig. Die Basismotorisierung hält den Preis niedrig, 23.750 Euro sind dem Händler zu überweisen - wenn nicht gerade wieder eine der Citroën-Preisaktionen läuft. Der erste Eindruck ist positiv: der Grand C4 Picasso fühlt sich auch ohne Leder und farblich gestaltetem Interieur nach Qualität an. Die Oberflächen haben eine angenehme Narbung, Stoffeinlagen und Kunststoffteile mit Chromeffekten schaffen eine wohnliche Atmosphäre. Die Verarbeitungsqualität ist weit von dem "Laissez-faire" früherer Jahre, alles ist sauber eingepaßt und wirkt stabil. Ein Siebensitzer muss sich besonders am Komfort der dritten Sitzreihe messen lassen. Hier kann der Grand C4 Picasso punkten: die beiden Sitzplätze bieten genug Kopffreiheit und Ellenbogenraum für Erwachsene. Nur wenn die Beine allzu lang sind, wird es auch langen Strecken unbequem. Der Zugang nach hinten erfordert Beweglichkeit. Dazu kommt, daß die straffe Hinterradfederung auf sehr schlechten Strecken Stöße durchreicht, die besonders die Hinterbänkler treffen.
Richtig angenehm reist es sich in der ersten Reihe. Die extrem große Windschutzscheibe erlaubt nicht nur einen ungehinderten Blick auf die Ampeln, wenn man an der Kreuzung auf der Pole Position steht, sie läßt beim Reisen ein ganz neue Blickwinkel zu. Zusammen mit den sehr schmalen A-Säulen, die zusätzlich noch ein weiteres kleines Fenster enthalten, kommt Licht ins Auto. Das ist Busfahren in der schönsten Form. Sollte die Sonne einmal zu stark scheinen, kann der obere Teil der Frontscheibe mit Rollos abgedeckt werden. Die zweite Reihe bietet drei Mitfahrern Platz. Drei gleich große Sitze diskriminieren keinen der Mitreisenden. Sie sind schmaler als die Vordersitze, bieten aber durchaus Platz für drei Erwachsene. Für Kinder ist allemal genug Platz. Überhaupt, der Grand C4 Picasso ist der Freund der Kinder. Die hohe Sitzposition, die üppige Verglasung, die vergleichsweise niedrige Gürtellinie, die Ablagetische an den Rückseiten der Vordersitze garantieren geduldige kleine Passagiere, auch wenn es in einem Rutsch in den Urlaub gehen sollte. Dann allerdings dürfen nicht mehr als drei von ihnen dabei sein. Nutzt man die volle Passagierkapazität aus, bleibt kaum noch Kofferraumvolumen übrig. Die Siebensitzer-Option ist also eher für den Kurztransport zur Schule oder zum Fußballtraining gedacht. Für diese Gelegenheiten gibt es reichlich Ablagen und kleinere Staufächer. Als Fünfsitzer ist das Ladevolumen immer ausreichend, mindestes 576 Liter schluckt der Gepäckraum, verzichtet man auf die Mitnahme von Passagieren, können es auch 1951 Liter sein. Auch die Zuladung setzt dem keine Grenzen, 615kg dürfen gepackt werden. Der vorhandene Platz ist gut zu nutzen, leicht zu beladen und einfach zu variieren. Mit wenigen Handgriffen lassen sich die Sitze wegklappen. Aber Warum hat man bei Citroen einen kratzempfindlichen Kunststoff für die Seitenverkleidung des Kofferraums gewählt? Die Bedienung des Grand C4 Picasso erfordert etwas Eingewöhnungszeit. Das Handbuch zu lesen, ist notwendig, wenn man alle kleinen Spielereien des Autos nutzen will. Das viele Funktionen auf der feststehenden Nabe plaziert sind, ist erst einmal ungewohnt, aber nach kurzer Zeit beginnt man, die Vorteile des Konzepts zu verstehen: nichts wichtiges ist auf Multifunktionshebeln, die sich hinter dem Lenkrad verstecken, untergebracht, sondern nur einen Daumendruck entfernt. Die wichtigsten Informationen werden direkt im Sichtfeld des Fahrers auf einem kleinen Display in der Lenkradnabe dargestellt, den Rest findet man auf einem großen Zentralbildschirm in der Mitte des Armaturenbretts. Wer mehr auf die klassischen Rundinstrumente steht, wird nicht so begeistert sein, im Alltagsbetrieb kann man mit der Lösung allerdings gut leben. Vor dem Losfahren muss erst einmal die Parkbremse gelöst werden. Automatisch geht die Hand zwischen die Sitze und greift ins Leere. Auch der Blick nach links unten in den Fußraum, wo eine Fußfeststellbremse sein könnte, hilft nicht weiter, denn der Grand C4 Picasso ist mit einer elektronische Feststellbremse ausgestattet. Einfach losfahren löst das Problem, beim Abstellen des Motors wird die Bremse dann automatisch wieder festgestellt. Wem das zu viel Automatismus ist, für den gibt es einen Schalter in der Mitte des Armaturenbretts, mit dem die Bremse manuell bedient werden kann. Die Rundumsicht ist durch die großen Fensterflächen ausgezeichnet, die Kastenform gibt beim Einparken nach hinten keine Rätsel auf, nach vorne muss geraten werden, wie bei allen Autos dieses Formats.
Im Fahrbetrieb zeigen sich die Stärken und Schwächen des kleinen Personentransporters. Die Lenkung ist angenehm direkt, aber der Wendekreis ist ausgesprochen groß. Geht es einmal etwas schneller durch die Kurven, bleiben Wankbewegungen weitgehend aus. Das ist auf die recht straffe Abstimmung des Fahrwerks zurückzuführen, die den Wagen bei niedrigen Geschwindigkeiten und schlechter Straßenqualität etwas hart auf der Hinterachse wirken lassen. Die Luftfederung der teureren Varianten gibt sich da deutlich gelassener. Trotzdem bleibt der Komfort in der Summe angenehm, lange Autobahndistanzen lassen sich stressfrei durchstehen - wenn man nicht Wert auf hohe Geschwindigkeiten legt. Selbst die Mitreisenden in der letzten Reihe können in normaler Lautstärke an der Unterhaltung teilnehmen. Auch darüber könnte der Grand C4 Picasso angenehm sein, denn die leise Lüftung ist lauter als die Windgeräusche. Das hilft allerdings wenig, da der Motor über 4000 1/min laut wird. Der Mangel an Drehmoment macht sich nicht nur bei hohen Autobahngeschwindigkeiten bemerkbar, auch an wenn es den Berg hinauf geht, sind hohe Drehzahlen erforderlich. Insgesamt ist der 1,8-Liter-Motor schnell mit dem Gewicht und dem Fahrzeugformat überfordert, wenn man mit Familie und Gepäck die Stadt verläßt, besonders die großen Motoren passen viel besser zum Charakter des Fahrzeugs. Die Fahrleistungen bestätigen den subjektiven Eindruck: die Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h klingt zwar noch respektabel, aber 13,4 Sekunden vergehen, bis aus dem Stand die 100km/h erreicht sind. Das ist recht unsportlich. Immerhin läßt sich das Getriebe leicht und sauber schalten, und der Benzinverbrauch bleibt im Rahmen, der Testverbrauch lag bei 8,1 Liter auf 100km, der C02-Ausstoß liegt bei 190g/km. Die Sicherheitsaustattung des Grand Picasso ist hoch. Standfeste und gut dosierbare Bremsen, Airbags in jeder Ecke, ABS und ESP ergeben 5 Sterne im NCAP-Test. Isofix-Befestigungen gibt es auf allen Sitzen – bis auf den Fahrersitz natürlich. Der Citroën Grand C4 Picasso Tendence ist eine interessante Option unter den Mittelklasse-Vans, wer wirklich Spaß mit dem Auto haben will, sollte allerdings in einen größeren Motor investieren.
(Text: Dieter Roßbach )
Verwandte Themen:
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||