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Aktualisiert am 31.12.2011
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Mazda MX-5: Blechhut oder Stoffmütze?

28.06.2007

pfeil  Technische Daten  

Mazda MX-5
Kompakt, klar, offen - der MX-5 folgt dem klassischen Roadster-Muster
Lupe

BMW hat mit dem Prototypen den Z1 Ende der Achziger Jahre den Roadster aus der Versenkung geholt, doch Mazda hatte als erster den Mut, das Fahrzeugformat in Großserie wiederzubeleben. In einem Segment, dem man vor 30 Jahren kaum eine größere Stückzahl zugestanden hatte, wurden alleine vom MX-5 inzwischen über 800.000 Einheiten verkauft. Die Zutaten waren wohl gewählt: ein klassischer Roadster, der wie eine moderen Auflage des Lotus Elan wirkt, ein leicht zu bedienendes manuelles Stoffverdeck, ein vergleichsweise niedriges Gewicht japanische Verarbeitungsqualität und ein niedriger Preis summierten sich zu einer interessanten Mischung.

Mit der zweiten Auflage des Roadsters versucht Mazda nun, seine Vormachtstellung im Segment zu halten, indem man den kleinen Zweisitzer breiter aufstellt. Ausgestellte Radhäuser lassen den kleinen Sportwagen satt auf der Straße liegen, die gestrafften Linien werden den Anteil männlicher Käufer vergrößern. Die gerade erst vorgestellte Varinate mit verseckbaren Blechdach spricht nun auch die Interessenten an, die sonst möglicherweise mit einem der neuen Klappdachcoupé geliebäugelt hätten. Sonst hat sich allerdings wenig geändert, der kleine Mazda ist ein klassischer Roadster.

Mazda MX-5
Das Blechdach ist praktisch, aber die Stoffmütze steht dem kleinen Roadster einfach besser
Lupe

Der Innenraum ist knapp geschnitten. Großgewachsene Personen müssen sich erst einmal auf die relative Enge des Innenraums einstellen, aber bald stellt sich ein Wohlgefühl ein, alles passt und sitzt. Ab Einsfünfundachzig reichtes allerdings der Kopfraum nur im offenen Zustand. Der Innenraum gibt sich schlicht und funktional. Etwas Lack, hochwertige Materialien in bester Verarbeitung und eine vorbildliche Ergonomie lassen keine Wünsche offen. Die fünf Rundinstrumente, die den Fahrer über alle wichtigen Daten informieren, sind im klassischen Schwarz mit weißen Ziffern, bestens abzulesen und klar gezeichnet. Überhaupt ist die Bedienung narrensicher: reinsetzen und losfahren. Ein Studium der Betriebsanleitung erübrigt sich. Auch Leute mit langen Beinen finden leicht eine gute Sitzposition. Die Sitze bietet, unterstützt vom breiten Mitteltunnel und der schmalen Innenbreite, guten Seitenhalt, nur in der Höhe können sie leider nicht verstellt werden. Dazu gibt es reichlich Ablagen und ein echtes Handschuhfach, das mehr als ein paar dünne Lederhandschuhe aufnehmen kann. Die braucht man ohnehin nicht, denn das kleine Sportlenkrad ist nicht nur schön, sondern auch griffig, und den Weg von dort zum kurzen Schalthebel findet die Hand fast von selbst. Also runter mit der Mütze und losgefahren. Das Stoffverdeck ist mit einem Handgriff entriegelt und kann im Sitzen nach hinten geklappt werden. Wenige Sekunden vergehen für diese Prozedur, ein elektrisches Verdeck ist daher vollkommen unnötig, und passt nicht zum Charakter des Autos. Von daher ist die Blechkappe, die man gegen Auspreis bekommen kann, zum Glück auch nur eine Option in der Aufpreisliste. Auch wenn sie, im Gegensatz zu den Hüten der Klappdachcoupés, in den Verdeckschacht der Stoffvariante passt und so das Kofferraumvolumen nicht schmälert, fragt sich der Roadster-Fahrer, wo der Reiz dieser Variante liegt. Die Windgeräusche sind, ist das Dach geschlossen, natürlich niedriger, aber dieser Betriebszustand sollte doch eher die Ausnahme sein. Mit dem Blechdach wird der Wagen schwerer, das Dach öffnet und schließt kaum schneller, und es fehlt der Zeltcharakter, der zu einem Roadster einfach dazugehört. Aber scheinbar gibt es genug Leute, die auf das besondere Flair eines Stoffdachs verzichten wollen, denn dreißig Prozent aller zur Zeit verkauften MX-5 sind Roadster-Coupés. Sei es ihnen gegönnt, solange die puristische Version nicht aus dem Programm gestrichen wird. Wer allerdings bisher im Winter ein Hardtop montierte, für den ist die Roadster-Coupé Variante eine interessante Alternative.

Mazda MX-5
Offen sind beide Varianten gleich schön
Lupe

Nun aber los, die Landstraße lockt. 1,8l Hubraum und 126PS klingen nicht nach Sportwagen, aber der MX-5 glänzt mit einer inzwischen aus der Mode gekommenen Tugend: er ist leicht. 1155kg, beim Roadster-Coupé 1193 kg, müssen bewegt werden, dafür reicht der Motor vollkommen aus. Er hängt gut am Gas, dreht leicht hoch und klingt passabel. Mit dem optionalen Zweilitermotor geht es dann schon richtig zur Sache, mit 160 PS ist der MX-5 üppig motorisiert. Schon der Kleine erledigt den Sprint von 0 bis 100km/h in 9,4 Sekunden und ist 196km/h schnell, der große nimmt sich gerade einmal 7,9 Sekunden Zeit und erreicht 210 km/h. Das Roadster-Coupé läßt sich beim Sprint etwas mehr Zeit, kommt dann aber auf eine Spitze von 210 km/h.

Heckantrieb, die direkte und präzise Lenkung und das recht weich abgestimmte Fahrwerk lassen alte Zeiten wieder aufleben. Läßt man den Kleinen auf der Landstraße von der Leine, neigt der Wagen auf Bodenwellen dazu, leicht zu versetzen, und wenn es zu schnell um die Kurven geht, greift die Stabilitätskontrolle schlagartig ein, so daß der Wagen mit einem Kick ums Eck geht. Das fühlt sich dann fast wie ein alter Brite mit Starrachse an.

Mazda MX-5
Auch der Innenraum ist frei von Mode-Einflüssen: Schwarze Instrumente, weiße Ziffern, was kann man da noch verbessern?
Lupe

Im Gegensatz zu seinen englischen vorbildern sind die Fahrwerksreserven des MX-5 aber auf dem aktuellen Stand, die scheinbare Unruhe bei sportlicher Fahrweise ist letztlich nur ein Showeffekt, der den Spaß fördert. Dazu ist der MX-5 auch komfortabel, bei ruhiger Fahrweise, im Stadtverkehr oder bei angemessener Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn fühlt man sich immer wohl. Ja, der kleine Roadster ist fernreisetauglich: der Kofferraum, 190 Liter groß, nimmt das Gepäck für zwei Personen auf, die Zuladung von 173kg beim Roadster-Coupé und 210 kg beim 2,0 MZR nach EU reichen locker aus. Der Benzinverbrauch liegt bei 7 bis 9 Liter auf 100 km/h, bei einem Tankinhalt von 50 Litern kommt man als mehr als 500km weit.

Mehr Roadster braucht kein Mensch. Ab 21.800 Euro gibt es die Stoffdachvariante, ab 26.250 Euro das Roadster-Coupé, das allerdings auch mit zusätzlichen Ausstattungselemente wie Klimaautomatik, CR-Radio, Zierblenden und größeren Rädern ausgestattet ist.

(Text: Dieter Roßbach )
(Bild: Dieter Roßbach, Mazda )

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