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Honda FR-V 2,2i CDTi: zwei mal drei
08.11.2007
Die Wahl des richtigen Familienautos ist nicht leicht. Vier Türen und eine große Heckklappe sind Pflicht. Der Kofferraum muss den wöchentlichen Einkäufen und dem jährlichen Sommerurlaub gewachsen sein. Da Kinder heute viel Geld kosten, ist zudem meist nicht allzuviel für ein Auto übrig, es muss also preiswert bei der Anschaffung und den laufenden Kosten sein. Mit dem Scenic hat Renault vor Jahren für diese Zielgruppe eine neue Fahrzeuggattung geschaffen, die inzwischen eine breite Palette an Varianten quer über alle Hersteller bietet. Dass die Auswahl so groß ist, liegt nicht zuletzt daran, dass das ideale, für Alle passende Format, nicht zu finden ist. Vier Personen lassen sich überall unterbringen, aber wenn dann doch der Sohn der Nachbarn mit zum Fußball genommen werden soll, wird es schnell eng. Der Wochenendausflug mit Oma und Opa schränkt bei den Siebensitzern Opel Zaphira und Citroen Grand Picasso die Transportkapazität so ein, dass die Kühlbox nicht mehr im Kofferraum untergebracht werden kann, das Picknick muss also ausfallen. Die richtig großen Vans haben Platz genug, passen aber oft nicht in die Garage. Wer da nach weiteren Fahrzeuglayouts sucht, wird früher oder später auf die US-Limousinen der späten Fünfziger treffen. Die Breite macht's, drei in einer Reihe ist eine Lösung. Fiat ließ diese Idee mit der Multipla wieder aufleben, auf zwei Sitzreihen haben sechs Personen ausreichend Platz, ohne dass die Gesamtlänge über das Maß einer Kompaktlimousine anwächst und das Kofferraumvolumen leidet. Allerdings spricht dieser Minivan in der ersten Version nur besonders mutige Zeitgenossen an, während die zweite jeden Charme vermissen läßt.
Der Honda FR-V folgt der gleichen Grundidee. Auf Basis des CR-V entwarfen die japanischen Ingenieure eine intelligente Schachtel, die trotz des recht quaderförmigen Grundgerüstes gut in die Fahrzeugfamilie passt: Der FR-V hat ein typisches Honda-Gesicht, und sogar eine Spur Sportlichkeit. Die Ausstattungsvariante Executive bietet dabei mehr als nur Transportraum für Kinder und Gepäck. Im Grundpaket sind neben den Standards wie elektrischen Fensterhebern rundum ein Glas-Hub-Schiebedach, die Klimaautomatik, Tempomat, CD-Radio, Sitzheizung, Regensensor, Privacy Glass, Dachreling und Leichtmetallräder enthalten. Die Aufpreisliste ist entsprechend kurz, sie enthält ein Navigationssystem, Lederausstattung, Metallic-Lackierung, Xenon-Licht, ein Soundsystem und Carbon-Applikationen am Armaturenbrett. Voll ausgestattet, kostet der FR-V 2.2i CDTi rund 36.000 Euro. Damit verläßt er den Bereich der preiswerten Familientransporter – und erhält ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal: Die Kombination von Luxus, Platz und kompakten Außenmaßen machen den Honda zu einem interessanten Allrounder. Die Verarbeitung ist tadellos, die verwendeten Materialien sind hochwertig, das Innenraum-Design ist geradlinig, ohne dabei langweilig zu wirken. Die abgedunkelten hinteren Scheiben, neudeutsch Privacy Glass, passen zwar gut zum Luxus-Ambiente des FR-V, verstärken einen Nachteil des Designs aber sehr. Durch die ansteigende Gürtellinie sind die hinteren Seitenscheiben ohnehin schon sehr klein geraten. Die Abdunkelung der Scheiben läßt noch weniger Licht in die hintere Hälfte, es ist, besonders im Herbst und Winter, ausgesprochen dunkel. Zudem leidet die Übersichtlichkeit. Auch der Blick zurück ist getrübt. Die stark gewölbte Heckscheibe verzerrt das Bild. Die steilen Seitenwände und das gerade Heck ermöglichen eine gute Raumausnutzung. Mit nur 4.285 mm Länge und Breite 1.810 mm ist der Van sogar ausgesprochen kompakt geraten, enge Parkhäuser und schmale Spuren auf Autobahnbaustellen verlieren ihren Schrecken. Trotzdem ist Platz für Drei in einer Reihe. Sollen es Erwachsene sein, dann bietet der FR-V zwei Optionen: Entweder man mag sich und hat keine Probleme mit Körperkontakten – oder man verschiebt die mittleren Sitze nach hinten. Das gibt Schulterraum und Beinfreiheit, kostet allerdings etwas Gepäckraum und ganz ohne Kontakt zum Nachbarn bleibt man auch dann nicht. Für zwei Erwachsene und bis zu vier Kindern ist das Konzept perfekt.
Die Sitze sind etwas schmaler als das Standardgestühl in einer Limousine, aber nach kurzer Gewöhnung zeigt sich, dass sie gut passen. Dazu sind sie recht gut konturiert und bieten ausreichend Seitenführung. Mit der serienmäßigen Sitzhöhenverstellung finden kleine wie große Fahrer eine passende Einstellung, sie müssen sich aber auf die Van-typische aufrechte Haltung einlassen, wer vom Sportwagen umsteigt, fühlt sich wie im Bus. Der mittlere Sitz in der Vorderreihe hat, wie alle hinteren, ISO-FIX-Anschlüsse, Junior kann also zwischen Papa und Mama die beste Aussicht genießen. Dieser Sitz hat allerdings auch das größte Konfliktpotential, wenn man mehr als ein Kind hat – die Diskussionen darüber, wer nun an der Reihe ist und wer wie lange schon dort gesessen hat, können endlos sein. Bei uns hat es sich bewährt, diesen Sitz gegen besondere Dienstleistungen zu vergeben. Fährt man alleine, lassen sich die mittleren Sitze zu einer Ablage umklappen. Die hintere Sitzreihe lässt sich natürlich auch komplett mit einem Griff in den Boden versenken und erweitert das Gepäckabteil erheblich, von 439 Litern auf rund 1600 Liter. Dann passt auch ein Kühlschrank durch die große Ladeklappe in den FR-V, oder zwei Fahrräder, für deren aufrechte Montage Honda ein spezielles Befestigungssystem anbietet. Die maximale Zuladung beträgt 475 kg, bei sechs Erwachsenen bleiben noch fast 100 kg für Gepäck.
Auch im Fahrbetrieb kann der Honda punkten. Hat man sich erst einmal an die Van-Sitzposition gewöhnt, sitzt man bequem. Alle Schalter sind logisch verteilt und gut zu erreichen, der im Armaturenbrett positionierte Schalthebel erlaubt einen freien Durchstieg. Die Instrumente sind klar gegliedert und gut ablesbar, auf optische Spielereien hat man bei Honda verzichtet. Mit gut 1,6 t Leergewicht ist der FR-V durchschnittlich schwer geraten, der 140 PS-starke 2,2-Liter-Diesel kommt gut mit dem Fahrzeug zurecht. Er hängt gut am Gas, dreht leicht bis über 4.000 min-1 , 340 Nm garantieren Leistung in allen Drehzahlbereichen. Von 0 bis 100 km/h sprintet der Van in 10,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h wird im 5. Gang erreicht. Der Honda ist kein Sprinter, aber für den Alltagsbetrieb gut gerüstet. Die angegebenen 6,4 Liter Diesel lassen sich mit einer zurückhaltenden Fahrweise erreichen, schnelle Autobahnetappen kosten ungefähr zwei Liter mehr. Auf der Autobahn schätzt man den sechsten Gang des gut schaltbaren manuellen Getriebes, das bei Richtgeschwindigkeit ein entspanntes und ruhiges Gleiten erlaubt. Wer mehr Antriebskomfort möchte, wird leider enttäuscht. Ein Automatikgetriebe ist für den FR-V nicht lieferbar. Es würde gut zur Executive-Ausstattung passen. Denn insgesamt ist der FR-V ein sehr angenehmes Reiseauto. Die Abstimmung des von CR-V übernommenen Fahrwerks mit Einzelradaufhängung rundherum ist weich, sportliche Härte ist dem Honda fremd, Komfort stand ganz oben im Lastenheft. Trotzdem liegt das Fahrverhalten auf einem hohen Niveau. Selbst wenn man es etwas schneller angehen läßt, wankt und schaukelt der Van nicht mehr als seine Konkurrenz und am Ende setzt das serienmäßige ESP Grenzen. Die Lenkung ist leichtgängig und präzise. Der Honda 2,2 CDTi ist ein echte Alternative zu Zaphira, Touran und Scenic. Er ist gut ausgestattet, sehr kompakt, bietet 6 Personen Platz, ohne dass Abstriche am Gepäckraum gemacht werden müssen und ist langstreckentauglich. Das alles läßt sich Honda gut bezahlen, ein Sonderangebot ist der kleine Van nicht.
(Text: Dieter Roßbach )
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