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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Opel GT: Amerikaner mit Biss

21.09.2007

pfeil  Technische Daten  

Opel GT
Mit Ecken und Kanten: Der neue GT ist sehr maskulin geraten.
Lupe

Der erste Opel GT war ein Paukenschlag. Zwar hatte man in Rüsselsheim und Bochum schon begonnen, der Produktpalette etwas mehr Sex-Appeal zu geben, indem man in den eher biederen Kadett einen 1,9l-Motor einbaute, der das leichte Auto damit plötzlich zu einem ernstzunehmenden Breitensportler machte, aber optisch beschränkte sich der neue Kurs auf Rallye-Streifen, mattschwarze Motorhauben, sportlich gestaltete Stahlräder und Konsolen mit Zusatzinstrumenten. Dann kam die kleine Flunder, zweisitzig, kompromisslos, schön und mit einem Hauch von Corvette und preiswert, da unter der Sportwagenhaut viel vom Kadett steckte. "Nur Fliegen ist schöner" dichteten die Opel-Werbetexter und formten einen zeitlosen Slogan.

Der Opel GT ist inzwischen Geschichte, längst schon mit dem H-Kennzeichen als Oldtimer geadelt und die rüsselsheimer GM-Tochter hat eine schwere Zeit hinter sich, mit Absatzsorgen und Lopez-bedingten Qualitätsmängeln, die erst in jüngster Zeit abgestellt werden konnten. Da ist ein Imageträger gerne gesehen. Man erinnerte sich an das Prinzip "GT" und hoffte, den Effekt wiederholen zu können: Ein neuer GT soll den Absatz der Corsas, Astras und Zaphiras stützen und das Markenbild auf der Straße sportlicher werden lassen.

Opel GT
Die Seitenansicht zeigt einen klassischen Roadster: lange Motorhaube, kurzes Heck, kurze Überhänge.
Lupe

Wie bei der Erstausgabe des GT teilt sich der Neue seine Plattform mit anderen Fahrzeugen des GM-Konzerns, heute allerdings sind es nur Sportwagen. Das ergab sich zwangsläufig, da Hinterrad-Plattformen rar geworden sind. Daher ist das Fundament des GT auch eine komplette Neuentwicklung. Erstes Fahrzeug der darauf aufsetzenden Reihe war der Pontiac Solstice, ein zweisitziger Roadster wie alle weiteren Derivate auch. Die allerdings unterschieden sich deutlich vom Pontiac. Saturn Sky, Vauxhall GT und Opel GT bauen auf der Studie Vaxhall VX Lightning auf und sind typische Beispiele für das im England der Sechziger so gerne genutzte Badge Engineering: Man ersetze die Markenembleme und tausche einige billige Anbauteile aus und schon hat man ein Modell für eine weitere Marke.

Ganz so einfach haben es sich die Opel-Ingenieure dann doch nicht gemacht. Die US-Ausgaben unterscheiden sich besonders in der Fahrwerksabstimmung deutlich von der Europa-Variante. Was in Amerika als sportliche Auslegung verkauft wird, ist bei uns die Komfortabstimmung, die sportliche Europa-Version ist deutlich härter und auf schnelles Kurvenfahren ausgelegt. Verkehrte Welt: Während der Ur-GT in Europa entwickelt und gebaut wurde, um dann in großen Stückzahlen in den USA verkauft zu werden, ist der neue eine US-Schöpfung, die auch dort gebaut wird und dann nach Osten verschifft wird. Auch sonst sind die Gemeinsamkeiten eher gering: Mehr als zwei Sitzplätze gibt es nicht und der Kofferraum ist klein und schlecht erreichbar. Mußte man beim GT der Sechziger den Koffer noch durch die Tür hinter die Sitze wuchten, gibt es beim GT immerhin schon eine Klappe. Die allerdings ist in erster Linie für die Aufnahme des Daches gedacht, öffnet falsch herum und gibt bei heruntergeklapptem Dach den Blick auf die Stoffhaut frei. Der kleine Durchlass zum Stauraum ist zu eng für einen Koffer – was man erst bedauert, bei näherem Hinsehen allerdings als konsequente Reaktion auf den bereitgestellten Stauraum begreift. Bei geöffnetem Dach passt kein Koffer in das Heck - wozu also Durchlass für einen solchen schaffen? Eine Reisetasche und die Beschränkung auf die notwendigsten Utensilien machen den neuen GT schließlich doch reisetauglich, ein Rasierapparat, etwas Unterwäsche, ein Hemd und Rei in der Tube passen jedenfalls locker in die 85 Liter, die bleiben, wenn das Dach heruntergeklappt ist. Damit ist der GT in guter Gesellschaft, denn viel mehr nehmen manche Klappdach-Coupés im offenen Zustand ja auch nicht auf. Was an Platz für Kleider und Schuhe fehlt, bekommen auch die Passagiere nicht zugestanden: Der Opel GT ist zwar so breit wie die aktuelle Corvette, ein sehr breiter Mitteltunnel reduziert den nutzbaren Raum allerdings deutlich. Trotzdem sitzt man im GT ordentlich, die Seitenführung der Sitze ist gut, Verstellbereich und Komfort stimmen auch. Man setzt sich hinein und denkt: passt! Was allerdings fehlt, sind Ablagen. Die kleinen Türtaschen, ein Mini-Handschuhfach und ein Fach hinter den Sitzen über dem Mitteltunnel reichen nur für Kleinteile aus.

Die Ernonomie orientiert sich an allgemeinen Standards, man kann den GT benutzen, ohne vorher die Bedienungsanleitung gelesen zu haben. Für den Charakter erlaubt er sich einige wenige skurrile Details: Was haben sich die Innenraumdesigner dabei gedacht, den Zigarettenanzünder in der Fahrertür zu platzieren? Die Instrumente sind verspielt und nicht besonders gut ablesbar. Wenn die Sonne ins Auto scheint, kann man auf dem Display des Bordkomputers und des Radios nichts mehr erkennen. Das ist bei einem Roadster ein schwerwiegender Mangel. Offensichtlich sind die Innenraumdesigner nicht sehr viel offen gefahren.

Opel GT
Der Innenraum ist klar und übersichtlich, skurril ist der Zigarettenanzünder in der Fahrertür.
Lupe

Die Innenraumverarbeitung orientiert sich an US-Standards, Materialien, Spaltmaße und Passgenauigkeiten darf man nicht an den Vorgaben eines BMW Z4 oder Audi TT messen, aber insgesamt wirkt der GT nicht billig. Es ginge aber besser: Das Dach sitzt schlecht, es wirft hinter den Seitenfenstern Falten und es produziert bei höheren Geschwindigkeiten Windgeräusche. Zudem muss man es manuell öffnen, was für ein Anachronismus! Dabei geht es kaum langsamer als mit elektrischer Hilfe: Die Entriegelung an der Windschutzscheibe öffnen, das Dach hinten mit der Fernbedienung entriegeln, die Klappe öffnen, und dann das Zelt im Kofferraum verschwinden lassen – wer schnell ums Heck des Autos herum kommt, wird die Aktion in unter 20 Sekunden schaffen. Was den Neuwagenkäufer noch abschreckt, wird der Gebrauchtwagenkäufer später als zusätzliches Plus sehen: Bei der manuellen Dachbetätigung kann wenig kaputt gehen und alles ist recht einfach zu reparieren. Wie bei allen neuen Autos stört die hohe Gürtellinie. Man versinkt im Auto, wer einmal Morgan, Fiat Spider, Alfa Duetto oder Z1 gefahren ist, wird sich mit dem GT schwertun.

Die Grundausstattung ist recht vollständig. Klimaanlage, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und elektrische Fensterheber gibt es serienmäßig, Leder, Radio und Metallic-Lack sind Optionen. Leider wird keine Sitzheizung angeboten, Offenfahren im Winter ist also nur den echten Windgesichtern möglich.

Die Sicht aus dem Auto ist gut – solange das Dach geöffnet ist. Schließt man es, bleibt nach hinten ein kleiner Sehschlitz, die breiten Verdeck-Seitenteile lassen alles, was sich schräg neben dem Fahrzeug befindet, nur erahnen und die kleinen Seitenscheiben lassen wenig Licht ins Auto.

Opel GT
Der Aero GT blieb ein Ausstellungsstück
Lupe

Ein Roadster kann sich viele Schwächen leisten, solange die Fahrleistungen und das Fahrverhalten für Spaß sorgen. 264PS und ein Drehmoment-Tafelberg, der 353Nm zwischen 2000 und 5200 1/min bereitstellt, sind gute Werte. Auf der Landstraße kommt auch kein Mangelgefühl auf, es geht immer flott voran, mit 5.9 Sekunden von 0 bis 100km/h darf man schon mit den Großen spielen. Erst auf der Autobahn zeigen sich leichte Schwächen. Ab 200 km/h nimmt der Vortrieb deutlich ab, mehr als 229 km/h werden es nicht. Der GT sieht zwar recht dynamisch und sportlich aus, leistet sich aber mit einem Cw-Wert von 0,44 den Luftwiderstand eines SUVs. Aber egal, ein Roadster ist ohnehin nicht für Hochgeschwindigkeitsorgien gebaut. Beschränkt man sich aufs Cruisen, ist der GT ein angenehmer Zeitgenosse. Der Motor läuft geschmeidig rund, hängt gut am Gas und bleibt akustisch angenehm, nur an das Zwitschergeräusch des Waste-Gates muß man sich erst gewöhnen. Die Motorcharakteristik kommt auch dem Getriebe entgegen. Der kurze Schalthebel sieht recht sportlich aus, aber Gangwechsel machen nicht richtig Freude, es hackelt manchmal. Immerhin ist die Getriebeabstufung gut und das Drehmoment des Motors zwingt nicht zum Schalten.

Auch das Fahrwerk ist der Leistung locker gewachsen. Selbst in der Europa-Abstimmung, härter als alles, was den Amerikanern zugemutet wird, bleibt der GT komfortabel. Heckantrieb, Turbo und Drehmoment lassen auf Drifts hoffen, aber die Amerikaner gehen auf Nummer sicher: Das sehr früh und deutlich eingreifende ESP verhindert ein heraushängendes Heck – und mögliche Produkthaftungsklagen. Die Bremsen sind den Leistungen angemessen, aber in Sportwagen wünscht man sich doch etwas mehr Biss.

Der Opel GT ist ein nach Europa ausgwanderter Amerikaner mit Roadstergenen und einer maskulinen Ausstrahlung. Leider nimmt ihm der fehlende Kofferraum die Reise- und Einkaufstauglichkeit, für die Fahrt zur Arbeit, mit der Notebooktasche und dem Aktenkoffer auf dem Beifahrersitz ist er allerdings gut geeignet – da beginnt der Feierabend schon auf dem Parkplatz vor der Firma. Stärkstes Argument für das Auto ist der Preis, mit 32.180 € liegt er deutlich unter vergleichbar starken Modellen der Konkurrenz.

(Text: Dieter Roßbach )
(Bild: Dieter Roßbach,Opel )

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