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Aktualisiert am 31.12.2011
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Ägyptens versunkene Schätze: Unterwasserarchäologie in Alexandria und Abukir

11.04.2007

Hapi
Franck Goddio und Taucher seines Teams betrachten die kolossale Statue des Fruchtbarkeits-Gottes Hapi, die nahe des Tempels der versunkenen Stadt Heraklion gefunden wurde. Sie stammt aus dem 4. – 3. J. v. Chr. und ist mit 5,40 Metern Höhe einschließlich des Sockels die größte freistehende Statue eines ägyptischen Gottes, die je entdeckt wurde.

Die Ausstellung „Ägyptens versunkene Schätze” in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland präsentiert Funde von Unterwasserexpeditionen des Institut Européen d’Archéologie Sous-Marine (IEASM) unter Leitung von Franck Goddio in Kooperation mit dem Supreme Council of Antiquities Egypt, die seit 1992 in Alexandria und in der Bucht von Abukir durchgeführt werden. Etwa 500 Objekte werden nun in Bonn ausgestellt.

Goddios Ausgrabungen brachten die versunkene antike Stadt Thonis-Heraklion und Teile der Stadt Kanopus sowie den versunkenen Teil des antiken Hafens von Alexandria mit seinem Königsviertel nach über 1000 Jahren wieder ans Tageslicht. Anhand der Funde können Rückschlüsse auf die Geschichte dieser Städte und zugleich auf die Geschichte Ägyptens über einen Zeitraum von fast 15 Jahrhunderten gezogen werden: die Zeit der letzten pharaonischen Dynastien in der kanopischen Region, der Aufstieg der ptolemäischen Könige nach dem Tod Alexanders des Großen, die Zeit Ägyptens als römische Provinz bis hin zur christlichen Spätantike.

Kanopus ist berühmt für seine Tempel, insbesondere die des Gottes Osiris. Der ägyptischen Mythologie zufolge fand die Göttin Isis hier in Kanopus den vierzehnten Teil des von Seth zerstückelten und über ganz Ägypten verteilten Leibes ihres Gatten Osiris wieder. Der Gott Osiris, der auch das Hochwasser herbeirief, wurde seitdem häufig in der Form einer Vase mit einem gekrönten Haupt dargestellt. Neben ihrer Stellung als religiöses Zentrum war die Stadt Kanopus zu römischer Zeit auch als Amüsierviertel berühmt, in der freizügige Feste gefeiert wurden. In der christlichen Ära entstand dort ein bedeutendes Kloster. Zeugnisse dieser Zeit sind unter anderem Gold- und Edelsteinschmuck, Kreuze, ein Ehering und offizielle Siegel des Klosters. Die letzten Belege für die Existenz von Kanopus gehen auf das 8. Jahrhundert n. Chr. zurück: Bei den Ausgrabungen im versunkenen Kanopus wurden arabische Goldstücke aus dieser Zeit gefunden.

Ring aus Kanope
Ring mit Aufsatz in Form eines Öllämpchens. Spätes 6. - frühes 8. Jh. n. Chr., Kanopus-Ost. Der goldene Ring aus byzantinischer Zeit trägt ein Öllämpchen als Aufsatz, der Reif ist mit einer wellenartigen Ranke dekoriert.

Eines der spektakulärsten Ausstellungsstücke ist der „Naos der Dekaden“, auf dem einer der ersten bekannten astrologischen Kalender dargestellt ist. Ein Fragment dieses einzigartigen Monuments wurde bereits im 19. Jahrhundert in der Bucht von Abukir entdeckt und war seither im Pariser Louvre ausgestellt. Zusammen mit Goddios Funden und einer Leihgabe aus dem Griechisch-Römischen Museum von Alexandria wird der „Naos der Dekaden“ in Bonn nun wieder fast vollständig präsentiert.

Bis zu ihrer Wiederentdeckung im Jahr 2000 schien die Stadt Thonis-Heraklion spurlos verschwunden, ihr Name aus dem Gedächtnis der Menschheit fast gelöscht – nur antike Texte und einige Inschriften, die Archäologen an Land gefunden hatten, erinnerten noch an sie. Thonis-Heraklion war eine pulsierende Stadt mit einer hohen griechischen Einwohnerdichte schon mehrere Jahrhunderte bevor Alexander der Große nach Ägypten kam. Sie galt als eine der größten Handelsmetropolen in der Mittelmeerregion vor der Gründung Alexandrias. Ihre Lage an der Nilmündung bot ideale Voraussetzungen zur Kontrolle der Handelsschiffe, bevor diese flussaufwärts nach Naukratis fuhren.

Statuen
Nach ihrer Bergung aus dem Meer bei der versunkenen Stadt Heraklion liegen zwei rund fünf Meter hohe Kolossalstatuen einer ptolemäischen Königin (links) und des Nilgottes Hapi (rechts) auf einer großen Schute.

Die archäologischen Ausgrabungen an einem großen Tempel, der später als Amun-Gereb-(bzw. Herakles-) Tempel identifiziert wurde, und in der versunkenen Stadt selbst haben Tausende von Objekten ans Licht gebracht, die ein genaues Bild der Topographie der Stadt und ihrer Umgebung, sowie eine klare Vorstellung über die typischen Merkmale von Thonis-Heraklion liefern. Die Ausstellung bietet Einblicke in die antike Lagunenstadt und präsentiert einige der bedeutendsten Funde. Kolossalstatuen aus rotem Granit eines Königs, einer Königin und des Gottes Hapi, des Gottes der Fruchtbarkeit, des Überflusses und der Nilflut, sind eindrucksvolle Zeugen der Bedeutung des von Wasser umgebenen Tempels. Kunstvoll gefertigte Statuen von Göttern und Königen, zahlreiche Bronzestatuetten von Gottheiten sowie Kultgeräte runden das Bild ab. Ein monolithischer Schrein aus rotem Granit, der dem Gott Amun-Gereb gewidmet ist, lieferte bei seiner Entdeckung den Beweis dafür, dass es sich bei den Trümmern im Meer tatsächlich um die verschollene Stadt Thonis-Heraklion handelte. Der Fund einer völlig intakten Stele aus schwarzem Granit aus der Zeit des Pharaos Nektanebos I. macht darüber hinaus den Spekulationen, ob die in antiken Schriften erwähnten Städtenamen Thonis und Heraklion ein und denselben Ort bezeichneten, ein Ende: Thonis war für die Ägypter die Stadt, die die Griechen Heraklion nannten.

Alexandria ist bis heute berühmt als eine der bedeutendsten Metropolen der Antike. Große Tempel, Paläste, Säulengänge und Statuen säumten zu jener Zeit die Straßenzüge. Mit dem 130 m hohen Leuchtturm entstand hier eines der antiken Weltwunder. Weltberühmt war auch die gewaltige Bibliothek mit fast einer halben Million Papyrusrollen. Im Hafenbereich von Alexandria lag das prunkvolle Königsviertel mit seinen Tempeln, Palästen und luxuriösen Parkanlagen, in denen sich einst Julius Caesar, Marcus Antonius und Kleopatra aufhielten. Anhand der überlieferten Texte wurde mehrmals versucht, den Großen Hafen und seine Anlagen sowie die bekannten Gebäude kartographisch zu fixieren, was jedoch nicht den antiken Gegebenheiten entsprach.
Erst die zwölf Jahre andauernden Untersuchungen und Ausgrabungen Franck Goddios ermöglichten die Erstellung einer wirklichkeitsgetreuen Karte des berühmten Großen Hafens. Es wurde wichtiges archäologisches Material geborgen, das die überwältigende Pracht des versunkenen Königsviertels veranschaulicht: Meisterwerke der Bildhauerkunst, wie der Isis-Priester aus schwarzem Granit, der eine Osiris-Vase in den Händen hält, ein Sphinx, dessen Gesicht vermutlich Ptolemaios XII., den Vater der berühmten Kleopatra, zeigt, zahlreiche Architekturelemente mit Inschriften sowie Töpferwaren, Schmuck und Münzen zeugen von dem Luxus, der an diesem berühmten Ort einst herrschte.

Caesarion
Kolossalporträt des Caesarion aus Alexandria. Dieser Kopf aus Granit wird Caesarion, dem Sohn Kleopatras und Julius Caesars, zugeschrieben. Er gehörte zu einer etwa fünf Meter großen Statue, stammt aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. und wurde im antiken Hafen von Alexandria entdeckt.

Allen drei Städten kam in der Antike große Bedeutung zu, sowohl in religiöser und wissenschaftlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Alle drei erblühten in einer Periode ägyptischer Herrschaft, die von Eroberungen durch fremde Kulturen geprägt war. Dies führte zur Verschmelzung von religiösen und kulturellen Vorstellungen aus Griechenland und Rom, was sich in vielen Aspekten des täglichen Lebens niederschlug. Die Verehrung des Gottes Sarapis liefert ein Beispiel für die Verschmelzung griechischer und ägyptischer Gottheiten und damit für die Annäherung unterschiedlicher Kulturen. Die Ausstellung präsentiert einen fast 60 cm großen Marmorkopf dieses Gottes, der bei Ausgrabungen in Kanopus entdeckt wurde. Antiken Schriften zufolge soll in Kanopus einst ein bedeutender Sarapis-Tempel gestanden haben. Die Ausstellung zeigt zudem Statuen ptolemäischer Herrscherinnen, die sich als die Göttin Isis in ägyptischem Gewand, jedoch mit griechischer Frisur präsentieren.

Die Städte Kanopus, Thonis-Heraklion und das Hafenviertel von Alexandria verbindet ein tragisches Schicksal: Nach verheerenden Naturkatastrophen versanken alle drei Orte im Meer, wo sie mehr als 1000 Jahre unberührt und von der Menschheit unerkannt auf dem Meeresgrund ruhten. Die Ausstellung „Ägyptens versunkene Schätze“ holt sie zurück ans Tageslicht. Dabei bewahren die Ausstellungsstücke jene mystische Aura, die sie in Tausenden von Jahren – gezeichnet von Ruhm und Reichtum, von Krieg und Zerstörung – umgeben hat.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. Januar 2008 in der Bundeskunsthalle zu sehen.

Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland

Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn

Montag: geschlossen
Dienstag und Mittwoch: 10 bis 21 Uhr
Donnerstag bis Sonntag
(und an allen Feiertagen, auch denen, die auf einen Montag fallen): 10 bis 19 Uhr
Tickets im Vorverkauf 0800/1752750 (in Deutschland)
+49(0)2287/9171-491 (vom Ausland)
und unter www.bundeskunsthalle.de

(Text: Bundeskunsthalle)
(Fotos: Bundeskunsthalle)

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