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28. Januar 1938: Bernd Rosemeyer stirbt bei Rekordversuchen
28.01.2008
Rekordfahrten sind eigentlich nur im Sommer und im Herbst möglich, da für derart hohe Geschwindigkeiten auf den Autobahnen perfekte Witterungsverhältnisse herrschen müssen. Aber Mercedes will nicht so lange warten und läßt alle Beziehungen zu den NS-Machthaber spielen, bis man die Genehmigung für einen erneuten Anlauf im Januar 1938 erhält. Als die Auto Union Wind von der Sache bekommt, entschließt man sich in Chemnitz, am gleichen Tag einen Konterversuch zu unternehmen. Das Wetter ist in den Tagen vor dem 28. Januar 1938 denkbar ungeeignet für derlei Spielereien. Seit Tagen sorgt ein kalter Wind für reichlich Glatteis auf dem Autobahnstück zwischen Frankfurt und Darmstadt. Dazu kommen Windböen, die das Risiko unkalkulierbar machen. Ein Föneinbruch in der Nacht vor dem 28.1. sorgt für eine eisfreie Strecke, die Böschungen und der Wald links und rechts der Trasse schattet den Wind ab. Nur die Schneise bei Langen-Mörfelden bleibt riskant.
Mercedes hat über den Winter die Aerodyanmikprobleme in den Griff bekommen und und nutzt die Gunst der Stunde, als gegen 7 Uhr die Strecke frei von Eis ist. Das Zeitfenster ist knapp, schon gegen 9 Uhr soll der Wind wieder auffrischen und weitere Versuche unmöglich machen. Caracciola nutzt die Gunst der Stunde und schraubt den Rekord auf 432 km/h. Mit einer geänderten Übersetzung wären auch 450 km/h möglich, aber auf einen weiteren Versuch verzichtet man bei Mercedes wegen der Wettervorhersage. Als die Stuttgarter Mannschaft die Bahn räumt, beginnt die Auto-Union-Mannschaft mit den Vorbereitungen. Auch in Chemnitz hat man intensiv weiterentwickelt und ist zuversichtlich: 545 PS leistet der 16-Zylinder-Motor, Karosserie und Fahrwerk wurden deutlich verbessert. Rosemeyer fährt einen ersten Probelauf und bestätigt den Optimismus der Techniker. Mit Leichtigkeit erreicht er 430 km/h, bei einem ernsthaften Versuch wird Caracciolas Rekord nur wenige Stunden bestehen. Damit ist die Entscheidung gefallen, der Rekord soll zurück nach Sachsen geholt werden. Rosemeyer wischt alle Bedenken, die Wetterlage könnte für einen Rekordversuch zu gefährlich sein, beiseite. Er vertraut auf sein Können. Kurz vor 12 Uhr sind die Vorbereitungen abgeschlossen, Bernd Rosemeyer startet seinen Versuch. Er kommt nicht weit. Bei Kilometer 9,2, an der Schneise bei Langen-Mörfelden, kommt er von der Staße ab. Der Wagen wird vollkommen zerstört, Rosemeyer aus dem Auto geschleudert, er stirbt sofort. Der Grund für den Unfall bleibt bis heute ungeklärt, von einer Windboe bis zu aerodynamischen Problemen reichen die Spekulationen, die Auto Union beteiligt sich nie wieder an Rekordfahrten, Caracciolas Weltrekord bleibt bis heute ungebrochen. Deutschland hatte einen begnadeten Rennfahrer verloren und ein Idol. Seit 1935 besaß Bernd Rosemeyer einen Vertrag als Werksfahrer bei der Auto Union, in den Jahren zuvor hatte er als Motorradrennfahrer große Erfolge erzielt. Seinen ersten Grand Prix Sieg in einem Rennwagen mit den Vier Ringen hatte er im September des gleichen Jahres auf dem Masrykring bei Brünn gefeiert. 1936 wurde dann sein Jahr in der legendären Silberpfeil-Ära. Sieben Mal stand er auf dem Podest ganz oben, davon allein nach drei Siegen bei Großen Preisen! Mit dem Auto Union Typ C 16-Zylinder wurde er Europameister, Deutscher Straßenmeister und Deutscher Bergmeister.
(Text: Dieter Roßbach )
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