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Aktualisiert am 31.12.2011
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Südschleife: Der vergessene Nürburgring

06.05.2010

Suedschleife
Keine Sicherheitsvorkehrungen: Szene vom Eifelrennen auf der Südschleife aus dem Jahr 1964
Doppelpfeil

Beim Bau des Nürburgrings wurde die 7,747 Kilometer lange Südschleife sowohl als Teil des ganzen Kurses als auch als kürzere Streckenvariante konzipiert. In den Anfangsjahren der Rennen auf dem Eifelkurs wurden zunächst auch beide Optionen genutzt. Die Großen Preise von Deutschland der Jahre 1927 bis 1929 führten über den gesamten Nürburgring, also über Nord- und Südschleife. 18 Runden waren damals zu absolvieren, die zurückzulegende Distanz betrug 509,4 Kilometer, die Rennen dauerten jeweils knapp fünf Stunden.

Das Eifel-Rennen, 1922 zunächst auf der Strecke Nideggen - Wollersheim - Vlatten - Rheinbach - Hasenfeld - Schmitt - Nideggen ausgetragen, fand nach der Eröffnung des Nürburgrings dort seine neue Heimat. 1928 und 1931 wurde es auf der Südschleife ausgetragen, aber 1932, anläßlich des 10-jährigen Jubiläums auf die Nordschleife verlegt. So wurde es bald still auf der Südschleife, nur Auto Union führte 1933 und 1934 hier noch Testfahrten durch.

Wer den Ring aus der Zeit vor dem Krieg kannte, war entsetzt über den Anblick, der sich dem Besucher 1945 und 1946 bot. Das Sporthotel war fast völlig ausgeraubt. Die Fahrbahn wies starke Beschädigungen auf, mehrere technische Anlagen bei Start und Ziel waren demontiert, ein Verwaltungsgebäude durch Feuer fast vollständig verloren gegangen.

Die Hoffnung, auf dem Nürburgring bald wieder Sportveranstaltungen durchführen zu können, war zu diesem Zeitpunkt gleich Null. Und doch plante die französische Militärregierung, den Nürburgring für ein am 27. Juli 1947 geplantes Rennen wieder flott zu machen. Rund 300 Handwerker und Arbeiter waren mit dem Wiederaufbau der Südschleife beschäftigt. Die Strecke war größtenteils instandgesetzt, das Sporthotel stand bedingt zur Verfügung, da wurde das Rennen im letzten Augenblick abgesagt. Eine Ursache waren wohl die bis zuletzt ungeklärten Finanzierungsfragen.

Aber die Arbeit war nicht vergebens, knapp einen Monat später wurde das „Eifelpokal-Rennen für Motorräder mit und ohne Seitenwagen“ auf der Südschleife gestartet. Jeder Rennbesucher erhielt zu seiner Eintrittskarte einen Gutschein für Kartoffeln, Wurst und Wein, was dem Zuschauerzuspruch gerade in diesen Jahren nicht abträglich war. Auch die Nordschleife wurde wieder hergerichtet und damit erneut Hauptschauplatz der Rennen dieser Zeit. Die Südschleife wurde in den folgenden Jahren nur gelegentlich für kleinere Rennen genutzt. Erst 1958 fand das Eifelrennen zum erstenmal seit 1931 wieder auf dem kleinen Nürburgring statt und sollte für die nächsten zehn Jahre Austragungsort dieser Veranstaltung bleiben. 1959 ließ der ADAC das Eifelpokal-Rennen wieder aufleben, das ebenfalls bis 1970 auf der Südschleife ausgetragen wurde.

Südschleife
Eine Fliegeraufnahme der Südschleife aus den 30er Jahren
Doppelpfeil

Den Höhepunkt ihrer Geschichte erlebte der kleine Nürburgring im Jahr 1960, er wurde Austragungsort des Großen Preises von Deutschland. Der Automobilclub von Deutschland hatte auf die Formel 1 und den Weltmeisterschaftsstatus verzichtet und schrieb das Rennen für Formel-2-Rennwagen aus. Porsche hatte in dieser Rennwagenkategorie konkurrenzfähige Rennwagen am Start und der Veranstalter versprach sich daher eine größeres Zuschauerinteresse. Die Rennwagen aus Stuttgart-Zuffenhausen gewannen auch zum ersten Mal den Großen Preis von Deutschland, aber extrem schlechtes Wetter beeinträchtigte die Veranstaltung und das Zuschauerinteresse. Den Doppelsieg für Porsche stellten der Schwede Joakim Bonnier und Wolfgang Graf Berghe von Trips sicher.

In den sechziger Jahren wurde die Südschleife intensiver genutzt, 1965 und 1968 wurde sogar der Deutsche Grand Prix für Motorräder dort veranstaltet.

Dies änderte sich zu Beginn der siebziger Jahre. Zunehmend war die Nordschleife aufgrund fehlender Sicherheitsvorkehrungen in die Kritik geraten. 1970 kam es zum Boykott der Formel-1-Rennfaher und der Große Preis von Deutschland wurde in Hockenheim ausgetragen. In der Folge wurden umfangreiche Veränderungen an der Nordschleife vorgenommen und der Kurs auf den zur damaligen Zeit aktuellen Sicherheitsstandard gebracht, zumindest soweit es die Gegebenheiten auf und vor allen Dingen neben der Strecke zuließen.

Wo immer möglich, wurden die Randstreifen auf drei Meter verbreitert, entlang der ganzen Nordschleife wurden Leitplanken montiert, dazu auf einer Länge von insgesamt sechs Kilometern Fangzäune, teilweise in mehreren Reihen gestaffelt. Der Kurs erhielt einen neuen Belag aus einer Spezial-Asphaltdecke mit aufgerauhter Oberfläche. Gräben wurden kanalisiert, um Aquaplaning entgegenzuwirken, die Kurveninnenränder mit abgeflachten Randsteinen, sogenannten Curbs, versehen. Eine einschneidende Maßnahme war zudem die Beseitigung der Sprunghügel im Kesselchen, im Brünnchen und am Schwalbenschwanz. Die insbesondere am Brünnchen spektakulär durch die Luft fliegenden Rennwagen gehörten der Vergangenheit an, nur am Pflanzgarten hoben sie auch nach dem Umbau noch ab.

Angesichts der hohen Kosten von ca. 20 Millionen Mark plädierten weitsichtige Kenner der Szene schon damals für den Bau eines verkürzten Rings mit ca. sieben Kilometer Länge, aber noch wurde der Nordschleife Priorität eingeräumt.

Die Modernisierung der Nordschleife bedeutete im Grunde das Ende der Südschleife. Sie blieb eine kurvige Strecke ohne geeignete Sicherheitsmaßnahmen, ohne Auslaufzonen, ohne Rettungswege oder Leitplanken.

Ende des Jahres 1976 führte ein Teil der Rallye Köln, der Vorläufer der heutigen Rallye Köln-Ahrweiler, über den kleinen Ring. Es war das letzte Mal, dass die Südschleife für eine Motorsportveranstaltung genutzt wurde.

Südschleife
Auch die in den Sechziger Jahren populäre Formel Vau startete auf der Südschleife
Doppelpfeil

Das ab 1976 entwickelte Konzept eines neuen Rennkurses führte zu der Forderung zum Bau einer kurzen Strecke unter gleichzeitiger Beibehaltung der Nordschleife. Als beste der geprüften Möglichkeiten galt schließlich der Bau der neuen Strecke im Bereich der ehemaligen Südschleife. Auch wenn die Umsetzung dieser Idee noch Jahre in Anspruch nehmen sollte, das Ende der Südschleife war damit besiegelt.

Auf Teilen ihrer Trasse wurden öffentliche Straßen gebaut. So die K72 nach Müllenbach und die Straße mit Namen Südschleife im Gewerbepark von Müllenbach. Weitere Abschnitte sind noch im Bereich der Parkplätze der 1984 eröffneten Grand-Prix-Strecke zu finden, der Rest musste dem Neubau weichen.

Sie stand meist im Schatten der größeren Streckenvariante und dennoch wurden auf der Südschleife ebenso sportliche Glanzleistungen vollbracht. Helmut Kelleners hält seit 1970 den bis heute nicht übertroffenen Rekord auf der Südschleife. 2:38,6 Minuten bedeuteten einen Durchschnitt von 175,8 km/h auf einer Südschleife, die er heute so beschreibt: "Sie war eng und schwierig und ohne Leitplanken."

(Text: Michael Behrndt)
(Fotos: Archiv Michael Behrndt)

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