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Techno Classica: Volles Haus und Jubiläen
09.04.2008
War das in Essen nun das Hoffen auf den Aufschwung oder ein Spiegel der wirtschaftlichen Erholung? Für den Normalverdiener erschwingliche Autos waren in den Hallen schwer zu finden und das Angebot auf dem Freigelände war einer Oldtimermesse nicht angemessen. Wer allerdings Geld mitbrachte, konnte aus dem Vollen schöpfen, die Hallen in Essen waren bis auf den letzten Platz belegt, und die Auswahl an teuerer Ware war groß wie nie. Allerdings konnte man einige der Exponate auch schon bei der Bonhams-Versteigerung während des letzten Oldtimer-GP auf dem Nürburgring oder auf der Retromobile Anfang Februar in Paris sehen. Aber auch für alle anderen, die ohne Kaufabsichten nach Essen gekommen waren, bot die Messe einiges. Wie jedes Jahr, bildete eine Reihe von Jubiläen das Grundgerüst der Techno-Classica. 25 Jahre alt wurden der Audi Sport Quattro, der Peugeot 205 und der BMW 524 TD Diesel. Schon 30 Jahre alt und damit reif für das H-Kennzeichen sind der BMW M1 sowie der VW Scirocco, der in diesem Jahr zudem seine Wiedergeburt erlebt. Vor 40 Jahren kamen so unterschiedliche Autos wie der VW 411 Typ 4, der Audi 100, der Ford Escort, BMWs E3-Serie und der Ferrari 365GTB4 Daytona auf den Markt, der 2CV feiert 60 Jahre und Fords Einstieg in die Massenmotorisierung mit dem Model T ist genau 100 Jahre her.
Alle diese Jubiläen wurden ausgiebig gefeiert, wobei man bei den Herstellern feine Nuancen gesetzt hat. Volkswagen widmete sich seinem sportlichen Fronttriebler, die letzte Version der Heckmotorlimousinen konnte man dagegen nur im Obergeschoss der hintersten Halle beim Typ-4-Club sehen. BMW hatte den Messeauftritt sogar vollkommen in die Hand der Markenclubs gelegt und nur einige wenige Exponate beigesteuert. Dafür glänzte Mercedes mit einem gegen 2007 noch einmal erweiterten Auftritt, der einem kleinen Museum glich. 25 Jahre ist der Audi Sport quattro alt: 1983 wurde der "Kurze" als leistungsstärkstes Serienauto Deutschlands in Kleinserie verkauft. Von den 214 Serien Sport quattros gibt es noch etwa 140 Stück. Die fünf ausgestellten Serien Sport quattros dokumentierten die vier Originalfarben von damals: Tornadorot, Kopenhagenblau, Malachitgrün, Alpinweiß sowie eine schwarzen Sonderlackierung. Als besonderen Höhepunkt präsentierte Audi Tradition den neuesten Zugang der eigenen historischen Sammlung: Den Audi Sport quattro Rallye Gruppe B. 22 Autos wurden damals von Audi Sport aufgebaut, ganze fünf existieren heute noch weltweit.
Porsche stellte seinen Le-Mans-Siegerwagen von 1971 in den Mittelpunkt des Stands. Wer daraufhin Appetit bekommen hatte, der konnte aus einem großen Angebot wählen. Je ein 917 Coupé und ein CanAm-Spider sowie ein 908/2 und ein 908/3 standen zum Verkauf. Ford hatte zwei besonders wichtige Jubiläen zu feiern. Mit dem Model T begann vor 100 Jahren die Massenmotorisierung, zumindest in den USA und vor 40 Jahren begann der Escort seine beispiellose Motorsport-Karriere – und nebenbei auch die als Millionenseller. Beides dokumentierten die Kölner mit sehr schönen Exponaten. Während die deutschen Hersteller und ihre internationalen Beteiligungen alle vertreten sind, verzichten die meisten Ausländer auf einen eigenen Stand, bis aus Ferrari, Alfa, Peugeot und die traditionell sehr geschichtsbewußte deutsche Citroën-Vertretung, die wie immer ganz besondere Ausstellungsstücke aus dem Museumsfundus in Frankreich nach Essen brachte. Zwei frühe Exemplare des 2CV dokumentierten den Beginn – und die früh einsetzende Weiterentwicklung der "Ente".
Das Händler-Angebot dominierte teuere und hochwertige Ware. Dass das nicht unbedingt auch perfekt restaurierte Fahrzeuge sein müssen, zeigte ein Horch-Cabriolet, das so langsam aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Nach über 40 Jahren in einer belgischen Scheune präsentierte sich das Fahrzeug mit einer unglaublichen Patina. Verblichene Originalaufkleber und eine alte Leder-Kühlermaske dokumentierten ein reiches Auto-Leben. Die Vollständigkeit der Zierteile und der Mechanik lassen Restauratorenaugen funkeln. Horch-Classic aus Stuttgart stellte ein Coupé mit Erdmann-und-Rossi-Aufbau aus, eine Replika – und als solche auch klar ausgewiesen. Dieses Auto ist ein Abfallprodukt einer aufwändigen Restaurierungsgeschichte. Das Originalfahrzeug wurde vor einiger Zeit in Osteuropa wiederentdeckt, umgebaut zum Pickup. Da für den Wiederaufbau des Karosserie ohnehin Lehren erstellt werden mussten, konnte man in Stuttgart, quasi als Fingerübung, eine Kopie auf einem anderen Horch-Chassis erstehen lassen, die die Eleganz des Originalfahrzeugs erahnen läßt. Dessen Wiederaufbau steht natürlich auch an.
In diesem Jahr ging das Angebot deutlich über die typischen Techno-Classica-Mercedes und -Porsche hinaus. Facel-Vega, Bugatti, Rolls-Royce, Bentley und über 20 Alvis boten eine ungewohnte Bandbreite. Wem das alles noch nicht genügte, der konnte bei den Markenclubs auf Entdeckungsreise gehen. Der Citroën-2CV-Stand präsentierte einen frühen Panhard Break in gutem Originalzustand mit reichlich Patina. Auch der Glas Club hatte ein Kombi ausgestellt, neben dem Isar mit Heckklappe gab es gleich auch noch ein Sondermodell mit Stoffdach zu sehen. Sogar einige Teile-Händler gab es, aber die waren wohl nur zur Auflockerung der Atmosphäre gedacht.
(Text: Dieter Roßbach)
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