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Villa d'Este: Wiederentdeckungen
02.05.2008
Es ist immer wieder überraschend, wie es dem Concorso-Team gelingt, nie Gesehenes an den Comer See zu holen. Dieses Jahr gab es einiges zu sehen: Dass der Mercedes-Benz Autobahnkurier als der Letzte seiner Art von nur zwei Gebauten und Sieger des Pebble-Beach-Wettbewerbs irgendwann auch bei der Villa d’Este auftauchen würde, war zu erwarten. Die Reise hat sich gelohnt. Der erste Auftritt des Wagens in Europa nach vielen Jahrzehnten wurde auch gleich mit dem Preis des Publikums belohnt. Der Wagen war von 1934 bis 2004 im Familienbesitz. Der Preis der Jury und der Klassensieg für den besten Rennwagen der Zeit ging an den Siegerwagen der Mille Miglia 1950, einem Ferrari 166 MM, der von Touring eine aerodynamische Coupé Carrosserie in Touring Superleggera-Bauweise erhalten hatte. Das Fahrzeug war am Genfer Salon 1950 ausgestellt worden. Der Ferrari erhielt Anfang 1950 einen neuen V-12 Colombo Motor des Typs 195 mit dem Mazotto das 1000-Meilen-Rennen gewann. In den späten Fünfziger Jahren kam der Ferrari bei kleineren Rennen in den USA zum Einsatz, bevor er 1965 zusammen mit dem Originalmotor von 1949 an einen amerikanischen Sammler verkauft wurde, der ihn bis zum Jahr 2001 behielt. Der heutige Besitzer, John Croul, erwarb den Wagen 2003 und ließ ihn komplett in den Originalzustand restaurieren. Neben einem perfekten Auftritt, der sicher besser war als zu seiner aktiven Zeit, konnte der blaue Ferrari mit dem echten Siegerpokal von 1950 punkten. Ebensogut wäre der Alfa 6C 2300 preiswürdig gewesen, alleine des Seltenheitswerts und des Überraschungseffekts wegen. Der Erfolg der Autounion-Rennwagen Mitte der Dreißiger Jahre hatte die aus Ungarn stammenden Brüder Jankovits zu einem Mittelmotorrennwagen auf Alfa-Basis inspiriert. Der Wagen wurde 1946 an einen amerikanischen Soldaten verkauft, tauchte 1978 in Irland wieder auf und wurde bis 2002 in Italien restauriert. Es war sein erster Auftritt in der Öffentlichkeit seit der Wiederentdeckung.
Gleiches gilt für den Alfa Romeo 6C 2500 SS mit Pininfarina-Karosserie von 1940. Der Wagen baut auf einem Rennfahrzeug der späten Dreißiger Jahre auf und erhielt nach Ablauf seiner aktiven Karriere einen eleganten stromlinienförmigen Roadsteraufbau. Während diese Fahrzeuge alle durch einen perfekten Auftritt glänzten, konnte der ATS 2500 GT von 1963 mit Patina glänzen, als Einziger der angetretenen Konkurrenten. Bei einer Gesamtlaufleistung von nur 1.300km, seit er das Werk verliess, ist der Wagen weit weg von der Concours-Qualität, dokumentiert aber ganz besonders die Fertigungs- und Materialqualitäten der "Supersportwagen"-Liga dieser Zeit. Was aus dem DeTomaso Pantera in der zweiten Generation hätte werden können, präsentierte Tom Tjaarda mit seinem Entwurf, den er 1973 bei Ghia erarbeitete. Die Ölkrise verhinderte die Produktion.
Die Auswahl des aktuellen Designs gab wieder einen Überblick über die Auto-Shows des letzten Jahres, mit allem Bemerkenswerten, Kuriosen und Skurrilem, was in Frankfurt, Tokio, Detroit oder Genf gezeigt wurde. Zwar müssen alle Showcars fahrbereit sein, um am Comer See teilnehmen zu dürfen, aber auf eine Demonstration der Schwimm- und Tauchfähigkeiten wurde leider verzichtet. Da 2008 kein Ferrari unter den Exponaten war, konnte man auf das Ergebnis gespannt sein, aber es reihte sich dann in die Tradition der letzten Jahre ein, die die konservativen Ansätze als Sieger sahen. In diesem Jahr gewann der Bugatti Veyron fbg, dessen einzige Besonderheit die von Hermes entworfene Innenausstattung war. Zukunftweisendes wie der Mercedes F700 mit DiesOtto-Motor. Selbst der Morgan LifeCar, der das hier so gerne gesehene Retro-Design mit moderner Brennstoffzellentechnik kombinierte, blieb unbeachtet. Der zweite Tag war wie immer dem zahlenden Publikum vorbehalten, und er brachte noch einige weitere Höhepunkte. Touring stellte, mit Hilfe einiger Clubs und Sammler, eine durchaus ansehnliche Zusammenstellung der Produkte aus der klassischen Aera aus, dessen Publikumsmagnet die Weltpremiere eines Maserati-Coupés war, während der Insider eher vom Cabriolet auf Fiat 124-Basis fasziniert gewesen sein wird. BMW feierte den dreißigsten Geburtstag des M1 mit einer Sammlung der Baureihe und hatte neben verschiedenen Straßenversionen auch das Warhol-Auto und Rennversionen mitgebracht. Als Krönung der Geburtstagsfeier gab es zudem noch den Turbo von Paul Braq und eine neue, M1 Hommage-Studie genannte, Interpretation des Themas.
(Text: Dieter Roßbach )
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