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ADAC-24-Stunden-Rennen: Hattrick mit Hindernissen
30.05.2008
Mit einem totalen Porsche Erfolg endete das 36. ADAC-24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Vor 220.000 Zuschauern entlang des 25,378 km langen Kurses aus Nürburgring-Nordschleife und Grand-Prix-Strecke sicherten Timo Bernhard, Marc Lieb, Romain Dumas und Marcel Tiemann dem Manthey-Racing-Team auf einem Porsche 911 GT3-RSR den dritten Erfolg nach 2006 und 2007. Auch der zweite Platz ging an die Mannschaft des früheren DTM-Piloten Olaf Manthey. Armin Hahne, Christian Haarmann, Jochen Krumbach und Pierre Kaffer setzten sich mit dem Vorjahreswagen gegenüber dem drittplatzierten Porsche 997 von Sabine Schmitz, Klaus Abbelen, Dr. Edgar Althoff und Kenneth Heyer durch. Der Manthey-Porsche ging am Samstag um 15:00 Uhr von der Pole-Position ins Rennen, aber schon nach wenigen Metern zwang eine heftige Rauchentwicklung im Heck des Wagens zu einem Boxenstopp. Ein Befestigungsteil im Wassersystem war abgesprungen, dadurch trat Kühlwasser aus. Die fällige Reparatur dauerte 15 Minuten und warf das Team weit zurück. Ohne den Favoriten gab es in der Folge viel Spannung an der Spitze, die insgesamt 17 Mal wechselte. Den Sprint zur ersten Kurve gewann das von Position zwei gestartete Team Hankook / H&R Spezialfedern. Jürgen Alzen führte das Teilnehmerfeld in die erste Runde auf die Nürburgring-Nordschleife. Dahinter sortierte sich die Zakspeed Dodge Viper GTSR von Sascha Bert, Christophe Bouchut, Tom Coronel und Duncan Huisman vor dem Porsche 997 GT3 RSR mit Marc Basseng, Johannes Stuck und Patrick Simon ein. Startfahrer Marc Basseng hatte ebenfalls schon in der ersten Runde mit Problemen zu kämpfen. Ein Reifenschaden hinten links zwang den Porsche des Teams von Wolfgang Land zu einer langsamen Runde über die Nordschleife und einem frühen ersten Boxenstopp. Nach der dritten Runde kam auch die Zakseed Viper zu einem unplanmäßigen ersten Stopp an die Box. Probleme an der Fahrzeugelektronik machten den Austausch der Lichtmaschine notwendig.
Nach einer Stunde führte der Turbo-Porsche von Jürgen Alzen vor dem Wochenspiegel-Porsche 911 GT3 von Georg Weiss, Peter-Paul Pietsch Michael Jacobs und Dieter Schornstein. Auf Rang drei vorgearbeitet hatte sich das HISAQ Competition Team von Emmanuel Collard, Marino Franchitti, Frank Stippler und Richard Westbrook. Zu Beginn des ersten Zeittrainings am Freitagmorgen war der Porsche 997 GT3 RSR durch ein Feuer im Heck stark beschädigt und den Tag über in den Hallen von Konkurrent Olaf Manthey wieder repariert worden. Im Verlauf des Nachttrainings am Freitag konnte der Wagen seine ersten Runden drehen und sich für die elfte Startposition qualifizieren. Während an der Spitze die planmäßigen Boxenstopps die Reihenfolge ein wenig durcheinander mischten, arbeiteten sich die favorisierten Porsche von Manthey und Land wieder nach vorne. Nach drei Stunden lag die Land-Mannschaft schon auf Rang sechs, während das Team von Olaf Manthey über 100 Positionen gutgemacht hatte und zu diesem Zeitpunkt auf Rang 76 lag.
Bei Einbruch der Dämmerung kämpften HISAQ Competition, Land Motorsport und der Schubert BMW Z4 M-Coupé von Claudia Hürtgen, Stian Sorlie, Jörg Viebahn und Richard Göransson um die Führung. Der Wochenspiegel-Porsche war nach einer Kollision im Bereich Schwalbenschwanz zurückgefallen. Während der Nacht machte wechselhafte Witterung mit Regenfällen den Teams das Leben schwer. Die nötigen Stopps zum Reifenwechsel sorgten für lebhaften Betrieb in der Boxengasse. Um 23:23 Uhr kam das Aus für den zu diesem Zeitpunkt drittplazierten Schubert-BMW-Z4. Im Streckenabschnitt Hatzenbach überschlug sich Stian Sorlie und musste zur medizinischen Untersuchung ins Krankenhaus nach Adenau gebracht werden. Kurz nach Mitternacht war auch das Rennen für die Zakspeed-Viper zu Ende, der amerikanische Bolide blieb mit Defekt in der Eschbachkurve stehen. Nach etwas mehr als der Hälfte der Distanz, um 3:30 Uhr, fiel die Vorentscheidung in diesem Rennen, der Manthey-Porsche übernahm die Führung, die er bis ins Ziel nicht mehr abgeben sollte. Dahinter war ein weiterer Porsche 997 RSR nach vorne gefahren. Klaus Frers, Patrick Bernhardt, Jörg Hardt und Pierre Kaffer fuhren für die Paragon AG auf Rang zwei. Position drei hielte der zweite Manthey Porsche von Armin Hahne, Christian Haarmann, Jochen Krumbach und Pierre Kaffer. Gegen 5 Uhr schoben sich Sabine Schmitz, Klaus Abbelen, Dr. Edgar Althoff und Kenneth Heyer im Porsche 997 auf Rang drei, da der Paragon-Porsche in einen Unfall am Schwalbenschwanz verwickelt wurde. Von nun an sahen die Fans an der Spitze das aus den Vorjahren gewohnte Bild, dafür aber gab es im Feld der 214 gestarteten Fahrzeuge interessante Neuentwicklungen zu sehen.
So stellte sich Volkswagen mit dem Start beim 24-Stunden-Rennen einer echten Herausforderung. Die Wolfsburger schickten noch vor der europaweiten Markteinführung drei Rennversionen des neuen VW-Scirocco mit ehrgeizigen Zielen ins Rennen. Dr. Ulrich Hackenberg, Volkswagen Vorstand für technische Entwicklung: „Ziel sollte es sein, dass eines der drei Teams den Klassensieg des Golf GTI von 2007 wiederholt. Das wäre eine exzellente Unterstützung für den Verkaufsstart des Serienmodells." 34 Jahre nach der Präsentation des ersten Scirocco-Modells wurde das aktuelle Nachfolgemodell erst Anfang März auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt und soll ab August dieses Jahres zu haben sein. Am Steuer der drei Werkswagen präsentierte VW unter anderem Hans-Joachim Stuck, seit Jahresbeginn Motorsport-Repräsentant des Konzerns, und den zweimaligen Rallye-Weltmeister Carlos Sainz. Der Roll-Out des Renn-Scirocco erfolgte erst am 14. April 2008 auf dem Spreewaldring in der Nähe von Cottbus. Ende April folgten erste Testfahrten in Oschersleben, Anfang Mai auf der Nürburgring-Nordschleife. Volkswagen-Motorsport-Direktor Kris Nissen konnte mit dem Abschneiden der 325-PS-starken Neukonstruktion mehr als zufrieden sein. Als Elfte im Gesamtklassement sicherten sich Hans-Joachim Stuck, Jimmy Johansson Jimmy, Florian Gruber und Thomas Mutsch den Klassensieg. Die beiden anderen Werks-Scirocco beendeten das Rennen als Zweit- bzw. Fünftplazierte in ihrer Klasse erfolgreich und unterstrichen die Zuverlässigkeit der Wolfsburger Neukonstruktion. „Wir haben dem Volkswagen Scirocco mit dem Klassensieg ein wirklich tolles Renndebüt beschert“, freute sich Stuck nach dem Rennen. „Es war ein einzigartiges Erlebnis mit einzigartigen Teamkollegen. Denn mit Weltstars wie Carlos Sainz vor dieser tollen Kulisse das härteste Rennen der Welt erfolgreich abzuschließen, hat unglaublich viel Spaß gemacht.“
Der ehemalige Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen ging mit einem von ihm selbst konzipierten Hybrid-Rennwagen ins Rennen. Mit der Technologie, die in der Formel 1 ab 2009 eingesetzt werden soll, sammelte das private Team von Hybrid Racing erste Rennerfahrungen. Als Basisfahrzeug diente der Sportwagen Gumpert Apollo, der mit einem 3,3-Uter-V8-Biturbo-Motor angetrieben wurde. Mittels Rückgewinnung der sonst bei jedem Bremsvorgang vernichteten Energie wurde ein zusätzlich eingebauter Elektromotor angetrieben. Beide Antriebsquellen verhalfen dem Apollo zu einer Leistung von bis zu 630 PS. „Der Motorsport darf die Notwendigkeit, Energie zu sparen, nicht ignorieren. Ich sehe vielmehr die Chance, dass unser Sport wieder zum Vorreiter einer technischen Entwicklung werden kann, die unsere Autos auch abseits der Rennstrecke deutlich energieeffizienter macht“, begründete Heinz-Harald Frentzen sein Engagement. Der Mönchengladbacher fungierte nicht nur als Fahrer, sondern ist vielmehr die treibende Kraft bis hin zur Finanzierung der nicht unerheblichen Aufwendungen. Zahlreiche technische Probleme verhinderten jedoch ein zählbares Ergebnis. Defekte an konventionellen Bauteilen des Wagens zwangen zu längeren Boxenstopps. Während der letzten eineinhalb Rennstunden wurde der Apollo aber noch einmal auf die Piste geschickt, das Team wollte sich mit Ehrenrunden bei Fans und Veranstalter bedanken.
(Text: Matthias Behrndt/Michael Behrndt ) |
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