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Bugatti EB 112: Grenzen des Wachstums
22.08.2008
Der italienische Industrielle Romano Artioli, beseelt von der Idee, das blasse Juwel Bugatti erneut zum funkeln zu bringen, stellte 1991 auf dem Pariser Salon den Mittelmotor-Supersportler EB 110 vor. Dieser sollte gegen die etablierte Konkurrenz Porsche 959, Jaguar XJ 220, McLaren F1, und Ferrari F40 antreten. Aber Artioli hatte nicht nur den Bau von Zweisitzern im Sinn, sondern wollte auch eine repräsentative Limousine mit den mechanischen Komponenten des EB 110. Eine Luxuslimousine von charaktervoller Optik sollte es sein, in der sich die historischen Formen der in aller Welt berühmten Automobillegende wieder finden sollten. Der Auftrag zur Formfindung ging 1993 an Giugiaro. Bezugsmodelle waren die kleinen Bugatti-Limousinen aus den 20er und 30er Jahren. Allen voran der legendäre Atlantic und der Zweitürer Typ 55. Ganz im Sinne der traditionellen Bugatti-Formen hat Giugiaro bei diesem Prototypen einer Fließheck-Limousine Wert auf einen sportlichen Charakter gelegt. Der Prototyp ist mehr als fünf Meter lang, auch wenn die verjüngten Enden und die Abschrägungen am Karosseriekörper ihn optisch kürzer wirken lassen. Dazu tragen auch die dynamische, kompakte Linienführung bei sowie das flache und abfallende Profil. Das dominierende Stilelement am Frontteil ist der für Bugatti-Klassiker typische, hufeisenförmige Kühlergrill. Von diesem Kühlergrill aus verlaufen drei Linien über das gesamte Fahrzeug bis zum Heck. Insbesondere eine Mittelrippe, die Heckscheibe und Kofferraumdeckel in der Mitte durchschneidet, erinnert an den genieteten Kamm des Atlantic. Auch die Stoßstangen sind von der Bugatti-Historie inspiriert.
Die stark geneigte Windschutzscheibe und der Ansatz der A-Säule an der Haube erinnern an den Stil des Typs 55. Dasselbe Fahrzeug beeinflußte auch die Form derSeitenfenster und die Rundung der Schlussleuchten sowie die Form des Kotflügels, der in seiner Abwärtsbewegung zum Heck hin wie ein kräftiger Muskel wirkt. Auch das ganz in Leder und Wurzelholz gehaltene Interieur spiegelt mit seinen warmen Farben und komfortablen Formen klassische Vorbilder wider: die vier lederbezogenen Sitze sind gut profiliert und geben dem Körper Halt. Sportlich ist auch das Armaturenbrett mit seinen runden Formen und die mit Schaltern reich bestückte Mittelkonsole. Der Sechsliter-Motor mit zwölf Zylindern in V-Anordnung und fünf Ventilen je Zylinderkopf befindet sich vorn hinter der Vorderachse. Das erzeugt ein perfektes Gegengewicht zu den hinteren Lasten und sorgt für einen stabilen Geradeauslauf. Die Karosserie ist aus Aluminium, der Rahmen wurde, erstmals bei einem Fahrzeug dieser Größe, aus CFK gefertigt. Artioli war finanziell nicht in der Lage, seine ambitionierten Ziele zu erreichen und musste Ende der 1990er Jahre sine Fabrik schließen. So blieb der EB 112 ein Einzelstück, das exemplarisch zeigt, wie eine Bugatti-Limousine hätte aussehen können.
(Text: Rainer Roßbach) |
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