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BMW Siebener: brave Neuauflage
09.07.2008
Die Reaktionen auf die letzte Ausgabe der Siebener-Limousine war schärfer, als man es bei BMW wohl erwartet hatte. Während Design-Fachleute eher positiv über den mutigen Schritt urteilten, mit dem man in München den notwendigen Wechsel in der Formensprache vollzog, war die Kundschaft eher geschockt von dem sehr präsenten Auftritt der großen Limousine und die Überarbeitung zur Mitte der Lebenszeit der Baureihe konnte die grundsätzlichen Vorbehalte allenfalls lindern. Dass das Auto doch gekauft wurde, lang an seinen fahrdynamischen Qualitäten, an der breiten Motorpalette, die alle Kundenwünsche abdeckte und an der Loyalität der BMW-Kundschaft. Das mögliche Stückzahl-Potential wurde in Deutschland aber sicher nicht ausgeschöpft.
Bei der Neuauflage hat man in München sehr darauf geachtet, dass der Entwurf der Kundschaft nicht zu viel zugemutet wurde – Ergebnis ist ein deutlich konservativerer Entwurf, der trotz allem Grundzüge des Vorgängers trägt, von der Radikalität und Aggressivität der CS-Studie ist nicht allerdings nichts zu sehen. Die Niere ist wieder einmal größer geworden und kaschiert gut die höhere vordere Haubenkante, die durch die Forderungen des Fußgängerschutzes zwingend erforderlich ist. Zwei große, klar gezeichnete Frontscheinwerfer enthalten die üblichen Doppelscheinwerfer mit Leuchtringen und geben der Front ein wenig Charakter. Eine stark ausgestaltete Schulterlinie streckt den Wagenkörper, die Radhäuser und die in bis in die Türen reichenden Schweller und der weit in das Wagenheck reichende Dach für einen sportlich-eleganten und für das Wagenformat leichten Auftritt.
Das Heck wird von zwei großen Leuchteinheiten geprägt, die in die Heckklappe verlängert sind.Wie beim Vorgänger E65 sind die Rückfahrscheinwerfer in der quer verlaufenden Chromleiste untergebracht. Lichtbänder sorgen für das BMW-typische Erscheinungsbild, aber den runden und sehr weichen Linien der Heckleuchten fehlt die Prägnanz und Unverwechselbarkeit eines Fünfers oder eines Z4, so könnte auch eine große Limousine aus Japan oder Korea aussehen. Innen feiert BMW die Wiederauferstehung des fahrerorientierten Cockpits: Die Mittelkonsole dreht sich leicht zum Fahrersitz hin und erleichtert zu den Zugriff auf die dort untergebrachten Instrumente und Informationen. Auch die Rückkehr zum Schalthebel in der Mittelkonsole wird die Kundschaft gerne sehen: auch wenn ergonomisch und technisch nichts gegen die Lenkradschalter-Lösung beim Vorgänger sprach, passt die konventionelle Anordung besser zum Anspruch der Kunden an ein Fahrerauto. Die Zahl der elektronischen Helfer, die serienmaäßig oder optional angeboten werden, ist endlos, selbst im Internet kann man während der Fahrt surfen.
Technisch bietet BMW gewohnt feine Kost: Für die Erstausgabe stehen zwei Benzin- und ein Dieselmotor zur Auswahl. Beide Benziner sind Twin-Turbo-Motoren, der große V8-Direkteinspritzer mit 4,4 Litern Hubraum leistet 300 kW/407 PS bei 5.500 bis 6.400 1/min, und stellt zwischen 1,750 und 4.500 1/min 600 Nm Drehmoment bereit. Das reicht für Beschleunigungswerte auf Porsche-Niveau. Der kleine 3-Liter-Benziner, ein Sechszylinder-Reihenmotor, liefert 240 kW/326 PS bei 5.800 1/min und 450 Nm bei 1.500 bis 4.500 1/min und ist mit kaum langsamer. Der Dreiliter-Diesel bringt es immer noch auf 245 PS und 540 Nm, braucht aber nur 7,2 l auf 100km (Normverbrauch, 750i: 11,4l - 740i: 9,9l). Als Getriebe wird grundsätzlich ein Sechsgang-Automat verbaut. Die Kombination eines Aluminiumdachs mit einer Stahlkarosserie verringert das Gewicht gegenüber einem konventionellen Stahldach um rund 7 Kilogramm. Außerdem bestehen auch die Motorhaube, die Türen, die vorderen Seitenwändesowie die vorderen Federstützen an der Karosserie aus Aluminium. Allein mit der Verwendung von Aluminium-Türen konnte das Gewicht um weitere 22 Kilogramm reduziert werden und so das Leergewicht unter der 2-Tonnen-Grenze halten. BMW hat gelernt – und mit der fünften Generation des Siebeners eine Synthese geschaffen, die ihre Kunden finden wird. Etwas mehr Mut hatte der F01-Baureihe allerdings nicht geschadet, wie der aktuelle Dreier setzt sie kein Zeichen für die Weiterentwicklung der Marke.
(Text: Dieter Roßbach )
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