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Petit LeMans: Revanche misslungen
06.10.2008
Sollte das die Revanche für Le Mans werden, dann ging Peugeot die Sache halbherzig an, man brachte nur ein Auto nach Road Altanta, um dem Dauersieger Audi endlich in einem der großen Rennen ein Bein zu stellen. Porsche/Penske waren da konsequenter: Nach den Niederlagen gegen Acura in den letzten Rennen meldete man gleich drei der LMP2-Renner und setzte auf das dritte Auto die Starmannschaft des Penske-IRL-Teams, Castromeves und Brisoe. Das Qualifikationstraining wurde dann auch entsprechend abwechslungsreich. Wieder einmal zeigte der 908HDI, dass er auf einer Runde extrem schnell ist. Zunächst gab Audi im 20-minütigen Qualifying das Tempo vor. McNish steigerte sich in seiner vierten fliegenden Runde auf eine Zeit von 1.06,327 Minuten, mit der er den Streckenrekord aus dem Vorjahr um 2,579 Sekunden unterbot.
Peugeot-Pilot Stéphane Sarrazin brauchte 16 Runden, um an die Bestzeit von McNish heranzukommen. Fünf Minuten vor Ende des Qualifyings verdrängte er den Schotten mit seiner letzten fliegenden Runde knapp auf den zweiten Startplatz. Marco Werner, der im Vorjahr in Road Atlanta die Pole Position geholt hatte, benötigte etwas länger als McNish, um seine Vorderreifen auf Temperatur zu bringen. Anschließend lief er mehrmals auf langsamere Fahrzeuge auf. Trotzdem gelang es ihm, alle LM P2-Fahrzeuge hinter sich zu lassen und Audi den dritten Startplatz zu sichern. Porsche erzielte in der kleinen Klasse ein Traumergebnis: Die drei Porsche RS Spyder des Teams Penske Racing belegten die Startplätze eins, zwei und drei in der LMP2-Klasse. Am schnellsten umrundete Penske-Pilot Ryan Briscoe (Australien) die Berg- und Talbahn vor den Toren Atlantas. Nur 88 Tausendstelsekunden langsamer war der in der Meisterschaft führende Romain Dumas (Frankreich) unterwegs. Die drittschnellste Zeit erzielte in letzter Minute Sascha Maassen (Aachen) und verdrängte damit den besten Acura auf die vierte Position. "Man fährt nur selten eine optimale Runde. Aber heute fällt mir nichts ein, was ich noch hätte besser machen können", freute sich Briscoe über die schnellste jemals auf dem Kurs von Road Atlanta gefahrene Runde eines LMP2-Fahrzeugs. Romain Dumas beteiligte sich bewusst nicht mehr an der Zeitenjagd in den letzten Minuten. "Als wir gemerkt haben, dass die Acura unser Tempo heute nicht mitgehen können, haben wir uns die Reifen für das Rennen aufgespart", erklärte der Franzose. Frank Montagny und Simon Pagenaud stellten ihre Acura ARX-01B mit rund 0,4s und 0,6s Rückstand auf Briscoe auf die Plätze 7 und 8 der Startaufstellung, noch vor den nächsten LMP1-Rennern.
Für Audi begann das Rennen mit einem Desaster. Auf dem Weg zur Startaufstellung verlor Allan McNish auf kalten Reifen die Kontrolle über den Audi R10 TDI und kreiselte in die Mauer. In einem Kraftakt gelang es dem Team Audi Sport North America, das rundum stark beschädigte Fahrzeug wieder neu aufzubauen. Mit zwei Runden Rückstand jagte Allan McNish dem Feld hinterher. Inzwischen entwickelte sich das Rennen an der Spitze zu einem offenen Schlagabtausch zwischen Peugeot, Audi und Porsche. Im ersten Drittel bestimmten die Franzosen das Tempo und konnten zwischenzeitlich sogar einen Vorsprung von rund 8 Sekunden herausfahren, aber das Feld wurde durch einige Gelbphasen immer wieder zusammengeschoben, und man sah sogar zwischendurch die LMP2-Porsche für einige Runden an der Spitze, bis es Marco Werner gelang, den Peugeot beim Boxenstop zu überholen und sich nachfolgend fast 30 Sekunden von der Konkurrenz abzusetzen. 135 Führungsrunden reichten allerdings am Ende nicht zum Sieg.
Konstant schnelle Rundenzeiten, eine gute Strategie und perfekte Boxenstopps, die Audi durchweg besser gelangen als Peugeot, ermöglichten es dem Audi R10 TDI mit der Startnummer 1, wieder in die Führungsrunde zu kommen. Ein Reifenproblem und ein durch Gummiabrieb verstopfter Kühler kosteten zwischenzeitlich jedoch wieder eine Runde. Erneut gelang es dem Team, eine der insgesamt elf Safety-Car-Phasen optimal zu nutzen und auch diese verlorene Runde wieder wettzumachen. Entscheidend war schließlich, dass Allan McNish beim letzten Tankstopp noch einmal die Reifen wechselte. Auf den frischeren Reifen konnte er zunächst seinen Teamkollegen Marco Werner überholen. In der 364. von 394 Runden bremste er auch den zu diesem Zeitpunkt führenden Peugeot aus. Dieser versuchte zu kontern, doch McNish behielt in einem atemberaubenden Rad-an-Rad-Duell bei Tempo 300 die Oberhand. Mit 4,512 Sekunden Vorsprung überquerte Mc Nish die Ziellinie als Sieger. Marco Werner setzte in den letzten Runden Christian Klien im Peugeot unter Druck, konnte jedoch nicht mehr überholen. Am Ende fehlten dem Audi R10 TDI mit der Startnummer 2 lediglich 3,053 Sekunden zum zweiten Platz. Der dritte Platz sicherte Werner und Luhr vorzeitig den LMP2-Fahrertitel.
Auch für Porsche lief es in der LMP2 nach Plan. Die Gelbphasen verhinderten zwar, dass sich das Penske-Trio deutlich von den Acuras absetzen konnte, aber der Sieg war zu keiner Zeit in Gefahr. Der schärfste Verfolger, sowohl im Rennen als auch in der Fahrermeisterschaft, war schon früh draußen. Nachdem Patrón Highcroft Racing den Brabham/ Sharp/ Franchitti-Acura ARX-01b nach einem Crash am Donnerstag mühsam wieder aufgebaut hatte, drehte Sharp den Wagen in der ersten Stunde in die Betonmauer und beschädigte ihn irreparabel. Damit konnten Timo Bernhard und Romains Dumas den Rest des Rennens gelassen angehen und Helio Castroneves and Ryan Briscoe den Sieg in der LMP2 überlassen. Ein Platz auf dem Podest reichte, um sich vorzeitig den Fahrertitel zu sichern. Dritter wurden Long, Maassen, und Collard, Vierter der Dyson-Porsche von Leitzinger, Lally und Franchitti. Die ersten zwei der LMP2 kamen in der gleichen Runde wie die drei LMP1 vor ihnen ins Ziel. In den GT-Klassen fielen auch die ersten Entscheidungen: Johnny O'Connell, Jan Magnussen und Ron Fellows gewannen die GT1 for Corvette Racing und damit den Titel 2008. Mit Platz zwei in ihrer Klasse sicherten sich Jörg Bergmeister und Wolf Henzler im Porsche GT3 RSR vorzeitig den Fahrertitel in der GT2 und bescherten Flying Lizard Motorsports den Sieg in der Teammeisterschaft. "Das Rennen hätte ruhig noch eine Stunde länger dauern können, denn ganz zum Schluss im Dunkeln bin ich meine schnellste Runde gefahren. Aber Hauptsache wir haben den Titel", sagte Jörg Bergmeister. Das letzte Rennen der Saison wird am 18.10. auf der Rennstrecke von Laguna Seca ausgetragen.
(Text: Dieter Roßbach )
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