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Mercedes GLK in Las Vegas: Pimp my Merc
15.11.2008
Den deutschen Beitrag liefert Brabus, in bekannter Form und Qualität. Wie üblich in schwarz gehalten, wie üblich ohne optische Überraschungen. In Bottrop liebt man den Macho-Auftritt. Entsprechend wurde der GLK bearbeitet: Dicke Kotflügelverbreiterungen lassen die Fahrzeugbreite um 50 mm wachsen und machen 21-Zoll-Rädern Platz. Damit der Wagen trotz der schwarzen Farbe auffällt, gibt es reichlich zusätzliche LEDs – als Tagesfahrlicht in der Frontschürze, als Positionslicht im Dachspoiler und als Aufsatz oberhalb der Frontscheibe. Leider ist keines der Leuchtbänder als Lauflicht ausgelegt, und auf Farbwechsel hat man im Blick auf die Straßenzulassung auch verzichtet, sicher zum Bedauern der anvisierten Kundschaft. Die durch die großen Räder gewonnene Bodenfreiheit wird durch eine Tieferlegung um 30 mm kompensiert. Klar, dass der dunkle Ritter auch Leistung braucht, also wurde dem 3,2-Liter-V6-Diesel etwas auf die Beine geholfen, ein Tuningkit erhöht die Leistung auf 190 kW/258 PS und liefert ein Drehmoment von 610 Newtonmetern, von 0 bis 100km/h sprintet der Brabus-GLK in 6,9 Sekunden, und maximal erreicht er 240 km/h, bei ca 8,4 l/100 km. Der Motor erfüllt sowohl die Euro-5 als auch die USA BIN 5/ULEV, der Brabus wird also, bis auf die Beleuchtungsspielereien, bald zu kaufen sein. Deutlich mehr Stil hat die Gestaltung des Innenraums. Die 50 Quadratmeter Handschuh-weiches Mastik-Leder bedecken unter anderem diagonal abgesteppte Sitzmittelteile, Türmittelverkleidungen und den kompletten Fahrzeugboden in der Farbe Cognac, passende Hausschuhe fehlen allerdings. Um Blendungen in den Scheiben zu vermeiden, sind die Oberteile der Armaturentafel und Türverkleidungen in schwarzem Leder ausgeführt. Der Fahrzeughimmel ist vollflächig mit Alcantara bezogen, Holzzierteile in Klavierlack, ein Sportlenkrad und die in Aluminium gehaltene Sportpedalerie komplettieren das Ensemble.
Im Gegensatz zur seriös-langweiligen Konkurrenz haben sich die Amerikaner dem Spieltrieb hingegeben und Autos fernab jeder Realisierbarkeit zusammengebaut. Zudem haben sie den Dieselmotor verschmäht. Boulevard Customs aus St. Petersburg in Florida hatte wohl die Großstädte im Süden der amerikanischen Ost- und Westküste im Blick und versuchte, ein Fahrzeug für den Weg aus dem (Großstadt-)Dschungel zum Strand zu schaffen. Weniger ist dabei mehr, und deshalb hat man dem Urban Whip erst einmal das Dach entfernt. Damit hat man sich gleich auch die Freiheit genommen, die Ausschreibungsunterlagen als reine Empfehlung zu verstehen, denn eigentlich sollte die Originalkarosserie nur durch Anbauten verändert werden dürfen. Aber Freiheit hat nun mal ihren Preis, unter unterhalb der Gürtellinie wurde die Vorgabe ja auch eingehalten. Immerhin hat man so etwas ganz Neues geschaffen, den SUV-Roadster, und dann auch gleich noch viertürig, eine bisher unbesetzte Nische! Nichts stört den Blick nach oben: Die B- und C-Säulen wurden mit radikalem Schnitt entfernt, die A-Säule und die Windschutzscheibe so weit verkleinert, dass bei 115 Grad Fahrenheit Kühlluft ins Auto geblasen wird. Verstärkungen sollen das Eigenleben des Aufbaus in Grenzen halten. Boulevard Customs gestaltete gemeinsam mit Superior Auto Body die Stoßfänger, Kotflügel und ausgestellten Radhäuser glattflächig wie bei einem Mercedes-Serienprodukt, der Serienkühlergrill wurde stark erweitert und von den Künstlern von STRUT mit einem neuen Gitter und Akzenten aus Chrom versehen. Die Frontscheinwerfer beleuchten die Umgebung nun mit – klar! - LED-Technik, die Heckleuchten bekamen Rauchglaseinsätze. Die Bodenfreiheit wurde durch einen speziell angefertigten Tieferlegungssatz um 64 mm reduziert, und gleich wieder mit Rädern im Basstrommelformat auf Normalmaß zurückgesetzt: Auf die 26-Zoll-Asanti AF 150 Chromräder sind Pirelli Scorpion Reifen der Größe 295/25 ZR 26 montiert. Die Bremskraft wird durch eine massive Brembo Performance-Bremsanlage an Vorder- und Hinterrädern übertragen. Vorn übernimmt dies eine 8-Kolben-Festsattelbremse mit gelochten 381-Millimeter-Scheiben, hinten eine 4-Kolben-Festsattelbremse mit 344-Millimeter-Bremsscheiben. Gemeinsam mit Mark Kraus und John Lancaster entwarf Boulevard einen Innenraum in auffallendem schwarz-weißem Design, Vordersitze mit perforiertem Leder und speziellen Diamantnähten, die Fondpassagiere ruhen in handgefertigten Schalensitzen. Holzapplikationen in Klavierlack sowie ein handgefertigtes Lenkrad und Wählhebel. Aber man will ja nicht nur gesehen werden werden: Unter der Verdeckklappe des Roadsters lauern statt eines Verdecks – wer braucht so etwas schon in Kalifornien, 5.700 Watt Audiopower von JL Audio, genug für ein hausgemachtes Erdbeben. Da kann der Motor gut ohne Leistungsspritze auskommen.
RENNtech aus Lake Parc, Florida, versucht es mit einer Sportversion. Nun lassen sich SUVs nur schwer zu Sportwagen umwandeln, aber es gibt durchaus Einsatzgebiete, wo es etwas rauer zugeht. In den USA ist das neben der Baja California der Ritt in den Himmel, auch unter dem Namen Pikes Peak Hill Climb bekannt. An diesem Berg hat schon Walter Röhrl im Audi Quattro Sport sein Qualität bewiesen – und RENNtech hat an dieser Vorgabe abgekupfert: Der Pikes Peak Rally Racer trägt deutliche Züge des Quattro, ergänzt mit Elementen des Lancia Delta S: Übergroße Flügel an Front und Heck, hinten am Dach montiert, dazu das kantige Grunddesign, - der GLK steht optisch klar in der Tradition der alten Gruppe B. Aber Retro alleine wäre dann doch zu wenig, Leistung schadet im Rennsport nie und etwas Positives für die Umwelt ist auch politisch sehr korrekt: Da passt ein Hybridantrieb ideal ins Konzept. Auch, weil der Platz für die Batterien und den Elektroantrieb bei einem Rennwagen ungenutzer Raum wäre. Da es am Pikes Peak hoch hinaus geht, wäre die Elektrifizierung der Königsweg – Leistungsverluste durch die immer dünner werdende Luft kennt der E-Antrieb im Gegensatz zu konventionellen Saugmotoren nicht. Der Elektromotor steigert das Drehmoment des GLK um 54 Newtonmeter und erhöht so deutlich auch seine Beschleunigungswerte aus dem Stand und aus engen Kurven heraus. Trotzdem kann ein Tunigspezialist auf traditionelle Leisstungsspritzen natürlich nicht verzichten. Durch Verwendung von Bauteilen des aktuellen Mercedes-Benz 3,5-Liter-V6-Sportmotors – spezielle Ansaugkrümmer, Nockenwelle und Zylinderköpfe – sowie von RENNtech selbst entwickelten ultralangen Saugrohren, einem Lufteinlass aus Verbundwerkstoff und einer eigenen RENNtech-Motorsteuerungssoftware wird die Motorleistung auf 350 PS erhöht. Der Elektromotor des Hybrid-Antriebs steigert diese Leistung noch darüber hinaus. Der elektrische 72-Volt-Zusatzantrieb holt sich seine Energie aus 12-Volt-Plug-in-Batterien. RENNtech arbeitet derzeit auch an einer Nickel-Hydrid-Version, die dank Energierückgewinnung eine noch größere Reichweite ermöglicht. Und man mag es nicht glauben, durch die Optimierung des Antriebs und eine drastische Gewichtsreduzierung ist sogar der Spritverbrauch niedriger! Dafür leiden Komfort und Zuladung; keine Geräuschisolierungen schirmen von der Umwelt ab, ultraleichte Kohlefaserschalensitze bieten harten Platz für zwei Passagiere. Ein Überrollkäfig sorgt für die notwendige Stabilität, die Verlagerung einiger Komponenten in das Heck das Fahrzeugs liefert eine nahezu perfekte Gewichtsverteilung von 50 : 50 für ein besseres Handling auf den engen und anspruchsvollen Rallyeprüfungen. Mit dem von Zulieferer KW entwickelten Gewindefahrwerk, bei dem Bodenfreiheit, Sturz, Dämpferrate und -winkel eingestellt werden können, lassen sich deutliche Verbesserungen des Handlings erzielen. Für die Verzögerung sorgt die RENNtech-Bremsanlage mit zweiteiligen 412-Millimeter-Scheiben und 8-Kolben-Festsattelbremsen vorn sowie 356-Millimeter-Scheiben mit 4-Kolben-Sattelbremsen hinten. An einen Einsatz des Showcars beim Pikes Peak denk allerdings niemand.
Legendary Motors aus dem kanadischen Ontario restauriert eigentlich Oldtimer und baut Rennwagen. Für die GLK-Studie "Rock Crawler" bediente man sich eines besonderen Know-How-Trägers: Ryan Klutt, passionierter Skateboarder, 14 Jahre alt und Sohn des LMC Unter-nehmensgründers Peter Klutt, schlug ein inter-aktives Snowboarding Car vor. Also entwickelte man ein Fahrzeug, das nicht nur die Fans von Extremsportarten zu ihren Locations bringen kann, sondern ein aktiver Teil dieses Sports wird. Ein elementarer Bestandteil der Arbeiten am GLK ist die sogenannte „Grinch Winch“, eine benzinbetriebene Winde, eingebaut im Heck des GLK. Sie kann vorne oder hinten am Fahrzeug in Betrieb genommen werden und ist in der Lage, Sportler auf Boards beinahe jeder Art mit Geschwindigkeiten bis zu 48 km/h zu ziehen. Sie verfügt über eine Handgaseinstellung für die Geschwindigkeit und erfreut sich unter „Boardern“ immer größerer Beliebtheit. Was ist einem Skateboarder sonst noch wichtig: Die Halfpipe? – im vorderen Stoßfänger integriert, Grinding Rails? gibt es an den Seiten, ein Push Bar? ist auf dem Dach des Fahrzeugs. Wo der GLK ist, ist der Kinderspielplatz: Die auf dem Dach und an den Fahrzeugseiten angebrachten Grinding Rails stellte Legendary aus Edelstahl her. Von Winde und Rampe in die Luft befördert, „grinden“ oder „jiben“ sich die Boarder entlang des Fahrzeugs, bevor sie am anderen Ende den Boden, Schnee oder das Wasser berühren. Ein Plexiglaspanel auf dem Dach des Rock Crawler schützt das Panorama-Glasschiebedach des GLK vor Beschädigungen durch umherfliegendes Geröll oder gar durch einen „falschfahrenden“ Boarder. Eine auf dem Dach angebrachte Leuchtenleiste erlaubt der Rock Crawler Crew, ihren Sport auch im Dunkeln auszuüben. Während die anderen Wettbewerber die Bodenfreiheit des GLK reduziert und die Räder vergrößert haben, ging Legendary einen anderen Weg. Da man statt Showeffekten extreme Offroad-Tauglichkeit erzielen wollte, wurde die Bodenfreiheit des GLK um 38 mm erhöht und die Radgröße verringert, auf den Einbau von Portalachsen aus dem Unimog-Programm hat man allerdings verzichtet. Statt dessen ersetzte Legendary mit Partner National Four Wheel Drive die serienmäßigen 19-Zoll-Räder durch 18 Zoll Jesse James Black Widow Räder. Im Zusammenspiel mit den Geländereifen Toyo Open Country AT Mudder Tires mit höherer Seitenwand ergibt das eine optimale Geländegängigkeit. Die Bodenfreiheit wurde an der Vorderachse durch Abstandshalter aus Aluminium und hinten durch eigens angefertigte Abstandshalter an den unteren Lenkern erhöht. Den Innenraum und den Antrieb des GLK 350 ließ Legendary unangetastet.
(Text: Dieter Roßbach )
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