|
|
|
|
Jetstream SC250: Power-Soapbox
08.11.2008
Skurrile Sportwagen, gern auch als Kitcars, sind eine Domäne der Briten, wer sonst hätte einen Daimler Dart oder einen Dutton in Serie produziert und sogar in Stückzahlen verkaufen können. Ganz in dieser Tradition versucht sich ein neuer Hersteller an einem Herausforderer für die Lotus Elise und einem Nachfolger für den Opel/Vauxhall Speedster. Die Basisdaten versprechen reichlich Spaß. Dem Mittelmotorsportler reichen die 250PS des 2.0-Liter Ecotec-Turbo-Motor des Opel Astra für ordentlichen Vortrieb. Dafür reicht reguläres Bleifrei-Super, wird er mit Bio-Ethanol betankt, gibt es neben einem besseren Umweltgewissen einen Leistungszuschlag von 10%. Über ein Sechsganggetriebe geht das alles ganz klassisch an die Hinterräder, der Antrieb hat mit den 700kg Leergewicht leichtes Spiel. Von 0 bis 100km sprintet der SC250 in weniger als 4 Sekunden, bei 265km/h halten sich Vortrieb und Luftwiderstand die Waage. Die Aussenhaut sieht selbstgebastelt aus, wie eine Kreuzung aus Seifenkiste und Formelrennwagen. Sie wurde aber von einem renommierten Designer gestaltet. Brian Rossi, vormals bei Ford beschäftigt, war dort für den "Retro" Ford Thunderbird verantwortlich, der 2002 in Serie ging. Schönheit war offensichtlich nicht das wichtigste Ziel; Aerodynamik für gute Haftung, Balance, Vortrieb und guter Geradeauslauf formten ein sehr eckiges Gehäuse. Man muss es mögen, eine Verwechslungsgefahr mit anderen Autos der Klasse besteht sicher nicht. Die Composite-Karosserieteile, alle handgefertigt, werden auf ein Aluminium-Monocoque montiert, Stahl-Rahmenteile an der Front und am Heck nehmen die Radträger und den Antrieb auf. Seitenteile in Wabenstruktur verbessern den Aufprallschutz und versteifen das Chassis.
Die Radträger bilden verschieden lange Dreieckslenker. Die Stoßdämpfer werden von Intrax aus Holland geliefert. Henk Tius, der Eigentümer dieser Firma, war bei Benetton für die Fahrwerkskomponenten an Michael Schumachers Formel-1-Rennwagen verantwortlich. Die Bremsanlage bietet einige weitere Spielelemente: So kann die Bremsbalance manuell verstellt werden, für den Kampf gegen die Nordschleife gibt es optional eine 4-Stempel-Rennbremse von AP Racing. Bei den Rädern opfert Jetstream den Showeffekt für die Effizienz. 16-Zöller an der Vorderachse und 17-Zöller an der Hinterachse machen vor der Diskothek nicht sehr viel her, sorgen aber für geringen Rollwiderstand und gutes Handling. Wer den Grenzbereich auf dem Weg zum Einkaufen ausloten will, der kann auch straßenzugelassene Rennreifen montieren. Die Idee der zwei Gesichter – sportlich und besonders sportlich – gibt es natürlich auch beim Motormanagement: Die Standardeinstellung ist eher alltagstauglich, die Sporteinstellung für die Rennstrecke.
Dem Fahrer wird höchster Komfort und Luxus geboten – solange er sich dabei an Rennstandards orientiert: Vierpunktgurte – wenn es etwas mehr sein darf auch Fünfpunktgurte - fesseln ihn in Sitzschalen. Wer will, kann sie auf sich anpassen lassen, Alcantara und Leder gibt es gegen Aufpreis. Die Instrumente sind für die Playstation-Generation gebaut: Die analogen und digitalen Anzeigen lassen sich programmieren und so an das Informationsbedürfnis des Fahrers anpassen – Ipod-Anschluss, Mobiltelefon-Schnittstelle und GPS-Navigation erhöhen den Spielwert im Stau. Für die Ganzjahresnutzung gibt es sogar – eine Heizung, wem das immer noch zu frisch ist, der kann ein Hardtop mit Flügeltüren dazu bestellen. Damit dem Auge des Betrachters dann doch noch etwas geboten wird, gibt die Wahl zwischen 12 verschiedenen Farben, wer will, kann den Wagen in "Roosi Red" oder "Cornsih Gold" lackieren lassen. Auf das Styling blickt John Donnelly, der technische Direktor von Jetstream, wohl mit sehr britischen Augen: "The first factor people notice about the car is the styling – it’s a refreshing and innovative design that is unlike anything else on the market, so it’s totally unique. The styling also serves a real technical purpose as its aerodynamic features were designed to aid road holding. In terms of driving experience, we wanted to ensure no stone was left unturned and we feel the result will appeal to drivers who really want to feel part of the car, whether on track or on the road." Nächstes Jahr soll eine 300PS-Version folgen.
(Text: Dieter Roßbach )
Verwandte Themen:
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||