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Lexus LS600h: Leisetreter
03.04.2008
Zwar ist Toyota mit dem Prius Marktführer in der Hybrid-Klasse, aber das breitere Angebot an elektrisch unterstützten Fahrzeugen hat die Nobel-Tochter Lexus des japanischen Konzerns. In drei von fünf Modellreihen gibt es Hybrid-Fahrzeuge, nur der alternde Roadster SC und die kleine IS-Serie müssen noch ohne den Leistungs- und Image-Boost auskommen. Mit den LS600h kann man sich nun auch in der Oberklasse ein ökologisch gutes Gewissen kaufen. Damit hat sich Lexus ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das auf dem schwierigen deutschen Markt helfen kann, gegen Mercedes, BMW und Audi zu bestehen. Dass dieses gute Gewissen ein wenig mit Selbstbetrug zu tun hat, macht der erste Blick auf die Luxuslimousine schon klar. Der Lexus ist alles andere als klein und zierlich. Wo Mercedes und Audi mit leichter Eleganz und BMW mit Dynamik punkten, versucht sich der LS mit einem trutzigen Äußeren in Szene zu setzen. Hier wird viel Raum und Metall bewegt. Das ist allerdings eine optische Täuschung, der Luftwiderstandsbeiwert liegt bei 0,29. Der große Kühlergrill stemmt sich scheinbar gegen den Wind und die hohe Gürtellinie läßt den Wagen massig wirken. Man sieht dem LS an, dass er nicht für Europa entworfen wurde. Die Formensprache richtet sich klar an den amerikanischen und den asiatischen Kunden. Immerhin hat man sich im Toyota-Designcenter dazu durchgerungen, die allzu altbackene Außenhülle des Vorgängers nicht als Ausgangsbasis für eine Weiterentwicklung zu nehmen, sondern mit Anleihen an die coupéartige Dachlinie des letzten GS-Entwurfs dem Neuen etwas mehr Dynamik zu geben. Für den Verkaufserfolg in Europa kann das nur gut sein. Innen orientiert sich der große Lexus an den Vorgaben der Konkurrenz: Hier sind keine Extravaganzen erlaubt, die Kundschaft erwartet Luxus in den Materialien, eine perfekte Verarbeitung und eine zurückhaltenden Innenarchitektur. Konservative Hochwertigkeit ist das Leitmotiv. Die Materialien sind hochwertig, nur die Holzapplikationen wirken etwas zu künstlich. Die Vollausstattung umfaßt schalldämmendes Verbundglas; für die Seitenscheiben ein beheizbares Holz-Lederlenkrad, klimatisierte Vordersitze, ein Satellitennavigationssystem mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Sprachsteuerung, eine Klimaautomatik mit Dachdiffusoren, Smart-Entryund Keycard zum Öffnen und Starten des Fahrzeugs und ein Soundsystem mit 290 Watt leistendem 9-Kanal-DSP-Verstärker und zehn Lautsprechern. Es verfügt über einen in die Armaturentafel integrierten Sechsfach-CD-Wechsler ohne Magazin, der nicht nur herkömmliche Audio-CDs wiedergeben kann, sondern auch MP3- und WMA-Musikdateien, die auf CDs aufgezeichnet wurden. Die Schalter kennt man aus den Toyota-Modellen, die Uhr zeigt die Zeit im US-Format an. Ein großes Kino in der Mittelkonsole informiert über den Energiefluss. Die Platzverhältnisse sind üppig, die Sitze bequem genug für hunderte Kilometer am Stück. Alles funktioniert in der erwarteten Toyota-Qualität, die Verarbeitung ist tadellos. Aber da der Lexus-Innenraum versucht, es allen recht zu machen, bleibt er unverbindlich. Man fühlt sich wohl, aber eine emotionale Wärme kommt nicht auf.
Leichtbau stand nicht im Lastenheft des Lexus LS600h und die Hybridtechnik mit dem großen Batteriepaket trägt zusätzlich zum Fahrzeuggewicht bei. Diese Pfunde können die 445PS der 5-Liter-V8 nicht vollständig überspielen. 394 davon stellt der Benzinmotor zur Verfügung, 225 PS stellt der Elektromotor bei Bedarf und ausreichender Batterieladung bei. Leistung ist damit zwar immer ausreichend vorhanden, aber es fehlt der letzte Druck, wenn es einmal wirklich schnell vorangehen soll. Im Fahrbetrieb macht sich das Gewicht deutlich bemerkbar. Der große Lexus soll allerdings auch kein Sportwagen sein, Laufkultur war das oberste Ziel bei der Entwicklung, aber objektiv ist man oft schneller, als der subjektive Eindruck vermittelt. Der Antrieb durch den Direkteinspritzer ist vollkommen unspektakulär, fast langweilig, der Reisekomfort dagegen sehr hoch. Antriebsgeräusche kennt der LS600h in unteren und mittleren Drehzahlbereichen nicht. Man erkennt oft nur am Display in der Mittelkonsole, ob der Motor läuft oder der Elektromotor des Hybridsystems für den Vortrieb sorgt. Das Hybridsystem des LS 600h besteht aus einem kompakten, wassergekühlten Dreiphasen-Drehstrom-Synchronmotor mit Permanentmagneten, einem Generator, einer Nickel-Metallhydrid-Batterie (Ni-MH) und einer Leistungsverzweigung via Planetengetriebe, das den Kraftfluss an die jeweiligen Betriebsbedingungen anpasst. Ein elektronisch gesteuertes Energie-Management sorgt für das intelligente Zusammenspiel aller Komponenten. Das wasser-/ölgekühlte Elektroaggregat wird vom Energie-Management mit einer Betriebsspannung von 650 Volt versorgt. Auch der Generator ist ein wasser-/ölgekühlter Drehstrom-Synchronmotor. Er wird vom Verbrennungsmotor angetrieben und liefert seinen Ladestrom sowohl an den Elektromotor als auch an die Hybridbatterie. Das Gesamtsystem mit Untersetzung, dem Generator und dem Planetengetriebe zur Leistungsverzweigung ist in einem kompakten Gehäuse von der Größe eines herkömmlichen Automatikgetriebes zusammengefasst. Das Lexus Hybridsystem verfügt über eine Nickel-Metallhydrid-Batterie (Ni-MH) mit 20 Modulen und einer Nennspannung von 288 Volt. Die Hybridbatterie ist oberhalb der Hinterachse untergebracht und wird bei einem Heckaufprall von einem stabilen Metallgehäuse geschützt. Die Hybridbatterie des LS 600h ist in ein neues Kühlsystem integriert, das auch die Klimaanlage der Limousine nutzt. Das System stellt unter allen Betriebsbedingungen die jeweils optimale Kühlung sicher. Bei geringen Lade- und Entladeströmen erwärmt sich die Batterie nur mäßig. In diesem Fall fördert ein Gebläse Kühlluft aus dem Fahrzeuginnenraum. Bei hoher Last hingegen wird das System unmittelbar von der Klimaanlage im Fond des LS 600 h versorgt. Zum entspannten Fahren trägt auch das Fahrwerk entscheidend bei. Der Allradantrieb vermittelt Sicherheit, Traktion ist immer vorhanden, Antriebseinflüsse in der Lenkung gibt es nicht. Das stufenlose Getriebe passt perfekt zum Motor. Der Fahrkomfort ist untadelig. Den LS600h im Grenzbereich durch die Kurven zu jagen, ist unangemessen, aber er wird auch dabei keine schlechte Figur abgeben. Das alles ist ein Verdienst der elektronisch geregelten Luftfederung mit Wankstabilisierung und Niveauregelung, mit der die Limousine die Widrigkeiten der Fahrbahnbeschaffenheit von den Insassen fern hält. Das Kofferraumvolumen ist dürftig, mehr als 325 Liter nimmt das Gepäckfach nicht auf, für eine Reiselimousine ist das zu wenig. Die Zuladung von 460kg erlaubt aber, den Platz auch wirklich zu nutzen.
Vollgestopft mit elektronischen Heinzelmännchen, nimmt der LS600h dem Fahrer viel Arbeit ab. Das "Selberfahren" bleibt auf der Strecke, wenn man alles nutzt. Ein Einparkassistent beispielsweise unterstützt beim Einparken in Parklücken oder Parktaschen, das adaptive Geschwindigkeitsregelsystem arbeitet im Geschwindigkeitsbereich zwischen 0 und circa 170 km/h und die automatische Haltefunktion Brake Hold hilft dem Fahrer im Stop-and-Go-Verkehr. Der Gesichtsfeldmonitor misst mit Hilfe einer Digitalkamera, die auf der Lenksäulenabdeckung montiert ist und dank sechs Infrarot-LEDs auch bei Dunkelheit voll funktionstüchtig ist, das Gesichtsfeld des Fahrers sowie die Position von Augen, Nase und Mund. Ausgehend von diesen Daten ist das Driver Monitoring System in der Lage, die Kopfbewegungen und die Blickrichtung des Fahrers zu verfolgen. Weicht der Blick des Fahrers um mehr als 15 Grad von der Straße ab, während der LS 600h ein Hindernis ausmacht, löst das System automatisch die Pre-Crash-Warnhinweise und eine kurze Bremsung aus, um den Fahrer auf die Situation aufmerksam zu machen. Der beste Platz im LS600h ist daher nicht vorne links, sondern hinten rechts. Man wird perfekt transportiert, aber vom Fahrgefühl eines BMW 7er oder einer Mercedes S-Klasse unterscheidet sich der Lexus sehr. Die Fahrleistungen sind ausreichend – immer. Wenn es sein muss, beschleunigt der Lexus von 0 auf 100 km/h in 6,3 Sekunden, bei 250 km/h begrenzt die Elektronik den weiteren Vortrieb. 520 konventionell erzeugte und 300 elektrische Nm sorgen für Durchzug in allen Drehzahlbereichen, das gut abgestimmte und perfekte, da unauffällig arbeitende, stufenlose Getriebe bringt die Leistung Zuladung und Kofferraumvolumen ist dürftig an alle vier Räder. Sparsam ist der LS 600h nur im direkten Vergleich zu anderen Oberklassefahrzeugen, die 9,3l auf 100km lassen sich nur erreichen, wenn man betont zurückhaltend fährt. Das ist weit weg von allem Energiesparen, ein Dreiliter-Auto sieht anders aus, aber in der Klasse klar die Bestmarke, die die Konkurrenz nur mit Dieselaggregaten erreicht. Auch die 219g CO2 pro 100km sind absolut gesehen kein Rekord, in der Liga aber eindeutig die Bestmarke.
(Text: Dieter Roßbach )
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