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Citroën C5 HDi 136 FAP: Prêt à porter
30.06.2008
Die Auto-Welt ist ungerecht zu Citroën. Präsentiert man ein Auto wie den alten C5, lästern alle darüber, dass mit diesem biederen Fahrzeug das besondere Erbe der Marke zu Grabe getragen wird, und dass es ihm an Skurrilität mangelt. Denn was bei anderen Herstellern als zurückhaltende Seriosität gilt, wird bei Citroën schnell Langeweile genannt. Ist das Auto zu avantgardistisch, wird gern über die ungewohnte Bedienung und die ungewöhnliche Optik gelästert. Sich unter diesen Randbedingungen dem Wettbewerb in der Mittelklasse erneut zu stellen und dabei gleich Audi als Richtschnur herzunehmen, beweist Mut. Ein aussichtsloser Kampf? Durchaus nicht, wie die neueste Ausgabe des C5 beweist. Die neue Limousine nimmt bewährte Designelemente der erfolgreichen deutschen Konkurrenz auf, ohne ein simples Plagiat zu sein – sie ist vielmehr eine gelungene Synthese der C6-Linie mit Audi-Anklängen. Mit dem C5 kann man sich auf dem Firmenparkplatz sehen lassen. Das soll auch so sein, denn Citroën will bei endlich auch beim Flottengeschäft zu vorzeigbaren Verkaufszahlen kommen. Der Dachaufbau läuft in einem flachen Boden in den kurzen Kofferraum-Überhang aus und reiht das Auto in die sehr aktuelle Mode der viertürigen Coupés ein, die bei Citroen allerdings schon seit der DS Tradition ist. Das konkave Heckfenster, schon aus dem aktuellen C6 bekannt und dort vom CX übernommen, schafft den notwendigen Wohlfühlfaktor für die Citroën-Fangemeinde, ohne den Rest der Autokäuferwelt mit funktionellen Nachteilen abzuschrecken. Eine deutlich ausgeformte Lichtkante auf Hüfthöhe und Chromleisten an den Schwellern strecken den Wagenkörper zusätzlich. Die Front ziert ein großer Doppelwinkel und sichert vor Verwechslungen mit Konkurrenzmodellen, das Heck könnte genau so aus Ingolstadt kommen.
Auch der erste Eindruck zur Verarbeitung ist sehr gut: Die Spaltmaße und Passungen können sich sehen lassen, alles strahlt gediegene Qualität aus, massive Bügeltürgriffe öffnen den Zugang zum Passagierraum. Der Innenraum der Luxusvariante Exclusive läßt kaum Wünsche offen: Leder in sauberer Verarbeitung, was nach Aluminium aussieht, ist auch aus Metall, und auch die wenigen Kunststoffteile fassen sich gut an. Das ist durchaus auf Augenhöhe mit der deutschen Konkurrenz. Fahrer und Beifahrer haben reichlich Platz, auch noch oben, trotz der Coupé-Form. Hinten lässt sich auch gut sitzen, der lange Radstand ermöglicht Platz für lange Beine, aber die niedrigeren Türen verlangen von größeren Menschen beim Einsteigen eine Verneigung. Wer ein Fahrerauto sucht, der sollte zum C6 greifen, der C5 ist klar für Selbstfahrer positioniert. Die finden einen erfreulichen Arbeitsplatz vor. Selbst in der "französischen", Harmonie genannten Variante mit Komfortsitzen versinkt man nicht bis zum Bodenblech, wer es gern härter und sportlicher mag, kann sich die "deutsche" Caractère-Version mit Sportsitzen ordern. Direkt im Blickfeld liegt – nein, nicht die Instrumente, sondern, wie im C4, das Lenkrad mit feststehender Nabe, auf dessen Kranz alle wichtigen Knöpfe und Schalter untergebracht sind. Das hat durchaus praktische Vorteile. Die wollen allerdings erst einmal in einer längeren Gewöhnungsphase erlernt werden. Auf den ersten Blick verwirrt die Anzahl und Anordnung der Knöpfe. Sobald man sich eingelebt hat, findet man alles blind – und braucht die Hand nicht mehr vom Lenkrad zu nehmen, um eines der vielen Ausstattungsdetails zu aktivieren. Drei große Rundinstrumente informieren über alle wichtigen Betriebszustände. Da die Zeiger aussen an der Skala befestigt sind, bleibt der Innenraum frei für elektronische Anzeigen, auf denen allerlei Informatives und Unterhaltendes aufgeblendet wird. Etwas "Citroën-Gefühl" ist also geblieben, ohne dass Futurismus den Angestellten mit Dienstwagenprivileg verschreckt. Die Ausstattungsliste ist lang: Geschwindigkeitsregler und –begrenzer, vollautomatische Zonen-Klimaanlage, Lordosenstütze und Massagefunktion für den Fahrer, elektrische Vordersitze mit Memory-Funktion und Sitzheizung, Einparkhilfe, Ambiente-Beleuchtung, Regensensor, automatische Fahrlichteinschaltung, CD-Radio mit Doppeltuner und MP3-Funktion.
Das Fahrwerk wurde vom großen C6 übernommen und hat folglich mit der kleineren Limousine leichte Arbeit. Die Exclusive-Linie gibt es nur mit der hydropneumatischen Federung, und die ist immer noch eine Klasse für sich. Neuerdings kann man sogar einen direkten unverfälschten Vergleich ziehen – für Kunden, die der Technik immer noch nicht trauen oder lieber ein hartes "deutsches" Fahrwerk wollen, gibt es als Alternative auch ein stahlgefedertes Angebot. Das ist insgesamt auch nicht schlecht, aber die Variante fällt im Fahrkomfort deutlich zurück, ohne durch deutlich bessere "Rundenzeiten" punkten zu können. Die standen wohl auch nicht ganz oben im Lastenheft und daher passen das Sechsgang-Automatikgetriebe und der drehmomentstarke HDI 136-Motor auch gut zum Gesamtcharakter des Wagens – es läßt sich gut und bequem reisen im C5. Leise ist er auch, die geräuschdämmenden Seitenfenster sorgen für Ruhe im Fahrzeug. Der 71 Liter große Tank verspricht bei einem Normverbrauch von 7,1 Litern auf 100km eine angemessene Reichweite, mit 201 km/h Spitze kann man gut im Verkehr mitschwimmen und die Kofferraumgröße von 467 Litern läßt sich mit der erlaubten Zuladung von 457 kg auch dann noch nutzen, wenn die ganze Familie mit reist. Einziger Wermutstropfen: Wer mehr Leistung möchte, muss zum großen V6-Diesel greifen, die 170-PS-Variante wird nicht mit Automatik angeboten. Der C5 136HDI ist eine interessante Alternative für alle, die dem automobilen Einerlei der Fimenparkplätze entrinnen wollen, ohne auf hohe Verarbeitungsqualität und gediegenes Äußeres verzichten zu wollen – er wird seine Käufer finden.
(Text: Dieter Roßbach )
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