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Lexus IS-F: Leistung mit traditionellen Mitteln
16.10.2008
Lexus stand bisher für gediegenen Luxus, hohen Antriebskomfort und Hybrid-Technik. Der logische nächste Lückenfüller im Angebot wäre also ein Hybridmodell des kleinen LS gewesen. Statt dessen sah man in Japan eine andere Nische im Premiumsegment, die dringend geschlossen werden musste: Die deutsche Konkurrenz ist mit den M3, C-Klasse AMG und A6 RS-Modellen gerade im leistungsverliebten Amerika besonders erfolgreich. Der LS-F soll diese Lücke nun schließen. F könnte für "Fast" oder "Fun" stehen, aber es ist ein Hinweis auf die Toyota-eigene Rennstrecke in Fuji und das Higashi Fuji Technical Centre, wo die Sportlimousine das schnelle Kurvenfahren lernte. Technisch orientiert man sich an den Mitbewerbern, der 5-Liter-V8 leistet 423 PS und mag hohe Drehzahlen, eine 8-Gang-Automatik bringt die Kraft an die Hinterräder. Die Basis des Motors stammt aus der LS-600-Limousine, ist also kein speziell entwickeltes Sportaggregat, wurde jedoch für den Einsatz im IS-F deutlich modifiziert.
Mit Blick auf die sportliche Charakteristik und den Temperaturhaushalt des Motors entwickelte Lexus für den IS F ein Ansaugsystem aus Aluminium mit zwei Einlasskanälen. Bei niedrigen und mittleren Drehzahlen ist nur der primäre Kanal geöffnet, während im oberen Drehzahlbereich der sekundäre Kanal hinzugeschaltet wird. Der IS F wurde damit im unteren und mittleren Drehzahlbereich auf hohe Antriebskultur optimiert, während sein kraftvolles Drehmoment und das sich ändernde Ansauggeräusch bei hohen Drehzahlen den Sportmotor in den Vordergrund stellt. Der Antriebskomfort ist allerdings bei weitem nicht so hoch wie im LS. Im IS-F darf der V8 sich akustisch deutlich artikulieren, wenn es in höhere Drehzahlbereiche geht. Solange man ruhig dahin gleitet, bleibt der V8 aber auch im IS-F leise.
Die Kenndaten des Motors klingen vielversprechend, und auf der Straße betätigt er die Papierform eindrucksvoll. 8,8 Sekunden genehmigt sich der IS-F für den Sprint von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 270 km/h, da haben die BMW-, Mercedes- und Audifahrer das Nachsehen, da ihre Autos bei 250 km/h eingebremst werden. Die Leistungsabgabe ist unspektakulär, weil immer ausreichend davon zur Verfügung steht. Das 8-Gang-Automatikgetriebe passt gut zum Charakter des Autos, es schaltet unmerklich und bestimmt mit hoher elektronischer Intelligenz den richtigen Gang: Bei Halbgas den größtmöglichen, bei Kickdown wird auch schon mal um zwei oder drei Stufen zurückgeschaltet, um die optimale Beschleunigung zu garantieren. Wer lieber selber schaltet, kann das mit dem Hebel auf der Mittelkonsole oder mit Schaltpaddeln am Lenkrad tun. Die Gangwechsel sind extrem schnell, in weniger als 0,3 Sekunden ist der neue Gang eingelegt, und das ohne harte Schläge im Antriebsstrang. Der erste Gang ist sehr kurz übersetzt, um dem Antritt aus dem Stand den richtigen Kick zu geben, die Höchstgeschwindigkeit wird im siebten Gang erreicht. Der lang übersetzte achte Gang reduziert den Lärmpegel bei hohen Autobahnschnitten und senkt den Verbrauch. Das Getriebe passt gut zum Charakter des IS-F, im Automatikmodus arbeitet es vollkommen unauffällig, mit der Hand geschaltet reagiert es spontan auf die Befehle des Piloten. Die Wandlerüberbrückung sorgt für ein spontanes Ansprechen auf Bewegungen im Gasfuß.
Der Durchschnitt nach EU-Norm liegt bei 11,4 Litern. Den erreicht man aber nur, wenn man auf den Spaß, den der Motor bietet, verzichtet. Sonst können es auch schnell 14 Liter werden. Wer schnell beschleunigt, sollte auch genauso gut bremsen können, bei Lexus bisher eher eine kleine Schwachstelle. Daher hat man hier deutlich aufgerüstet: Brembo ist Systemlieferant der Sechskolben-Anlage an der Vorderachse und der Doppelkolbenanlage an der Hinterachse, das Ergebnis ist standfest, gut dosierbar und mit hervorragender Bremsleistung. Daran hat natürlich auch das Fahrwerk seinen Anteil. Bei dessen Auslegung hat Lexus Sportlichkeit leider mit Härte verwechselt, der IS-F ist sehr straff geraten. Immerhin verhindert das Adrenalinstöße in sehr schnell gefahrenen Autobahnkurven, aber von einem Lexus erwartet man eigentlich doch mehr Komfort. Außen verzichtet der IS-F auf allzu viel Sportlichkeit. Die Radhäuser sind weiter ausgestellt, um die großen 19-Zoll-Räder von BBS aufnehmen zu können, in der Frontschürze klaffen große Löcher, die Luft in den Motorraum schaufeln sollen, und eine große Beule in der Motorhaube schafft Platz für den großen Motor. Wer den IS nicht im Detail kennt, wird den IS-F nicht von Basismodell unterscheiden können.
Fast siebzigtausend Euro verlangt Lexus für die Limousine. Das ist ein selbstbewußter Preis, aber er wird durch eine sehr umfangreiche Serienausstattung relativiert: Neben den in dieser Klasse üblichen Sicherheits- und Komfortausstattungen gibt es eine DVD-Navigation dazu, Mark Levinson bemüht sich um die Unterhaltung, eine Rückfahrkamera läßt das kleine Heckfenster und die schlechte Übersicht nach hinten vergessen. Der Innenraum ist sehr wohnlich gehalten. Fahrer und Beifahrer sitzen in mit edlem Leder bezogenen Sportsitzen, die guten Seitenhalt bieten und auch auf langen Strecken sehr angenehm sind. Zwei große Rundinstrumente informieren über die wichtigsten Kenndaten im Fahrbetrieb. Nur die "sportlichen" Metallpedale und einige billig wirkende Plastikapplikationen passen nicht ins Bild, aber da wird der Lexus-Händler sicher aufpreisfrei geeignete Tauschteile aus dem normalen IS-Programm anbieten können. Der Lexus ist eine interessante Alternative zu den Angeboten von Mercedes und Audi, der M3 mit seiner deutlich sportlicheren Ausrichtung und dem manuellen Schaltgetriebe spricht eine andere Kundschaft an. Wer Interesse am IS-F hat, wird möglicherweise Geduld mitbringen müssen, von der geplanten Jahresstückzahl von 6000 Fahrzeugen werden nur rund 600 nach Europa kommen.
(Text: Dieter Roßbach )
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