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Dacia Sandero 1.4 MPI: Fahren wie Früher
30.08.2008
Auf ein Auto wie den Dacia hat man auch in Deutschland offensichtlich gewartet: Der Logan ist ein Verkaufsschlager, obwohl er als konventionelle Limousine, ein in Deutschland in dem Segment eher ungeliebtes Format, und als Kombi mit starkem Nutzfahrzeug-Flair angeboten wird. Gefällt Ihnen beides nicht, Sie bevorzugen einen Fünftürer im Polo-Format? Dann könnte sich der Weg zum Dacia-/Renault-Händler inzwischen für Sie lohnen. Mit dem Dacia Sandero hat der rumänisch-französische Autobauer nun auch ein Schrägheckmodell im Angebot. In der einfachsten Variante kostet der Logan 7.500 Euro – billiger geht es nicht in Deutschland. Die Frage ist: wieviel Verzicht muss man üben, wenn man sich auf diese Preisklasse einläßt? Technisch baut der Sandero, wie auch der Logan, auf die letzte Clio-Version auf. Das bedeutet einerseits, dass der Käufer nicht den letzten Stand der Technik erhält – ESP ist noch nicht lieferbar – andererseits sind das alles bewährte Komponenten, die ihre Standfestigkeit schon bewiesen haben, Kinderkrankheiten sind folglich nicht zu erwarten.
Angetrieben wird der Sandero 1.4 von einem Zweiventil-Vierzylinder mit 1,4 Litern Hubraum und 75 PS. Das reicht aus, um im Verkehr mitzuschwimmen, aber auf mehr als 161 km/h läßt sich der 1,1-Tonner nicht beschleunigen und der Lärmpegel vom Motor und Antriebsstrang macht klar: So schnell sollte man nur in Ausnahmefällen fahren. Bleibt man in Bereich der Richtgeschwindigkeit, bleibt auch der Geräuschpegel angenehm. Beschleunigungsorgien sind auch nicht die Stärke des kleine Fünftürers, gemächliche 13 Sekunden vergehen, bis aus dem Stand die 100 km/h-Marke durchbrochen wird. Lassen wir es also ruhig angehen. Positiver Nebeneffekt: Der Verbrauch sinkt und es ist ein leichtes, die angegebenen 7.0 l auf 100 km/h noch zu unterbieten. Das Fahrwerk ist der Energieausbeute des kleinen Motors weit überlegen. Komfort und Fahrstabilität sind besser, als man es von dieser Preisklasse erwarten würde. Der erste Griff zum Lenkrad erschreckt: Himmel, ist die Lenkung schwergängig. Ein Blick in die Ausstattungsliste bewahrheitet die Befürchtung: Eine Servolenkung gibt es in der Billigversion nicht – noch nicht einmal gegen Aufpreis. Auf den ersten Metern kommen die Erinnerungen an die Autos der Sechziger und Siebziger hoch, wo solche Fahrhilfen der reine Luxus waren. Nach den ersten Kilometern hat man sich allerdings wieder daran gewöhnt: Ja, es geht auch ohne. Gleiches gilt für die Bedienung von Kupplung und Getriebe – schwerer als gewohnt, aber nach einer Weile nimmt man es nicht mehr wahr.
Platz gibt es ausreichend, auch vier Erwachsene können über längere Strecken transportiert werden. Selbst für Gepäck bleibt dann noch Raum. Gemütlichkeit darf man nicht erwarten, das Plastik im Innenraum wirkt sehr abwaschbar, da helfen auch die Stoffeinsätze in den Türverkleidungen nicht. Die leere Radiohöhle gähnt Fahrer und Beifahrer an, und die Klimatisierung erfolgt wie früher mit Heizung, Lüftung und offenen Fenstern. Trotzdem wirkt das alles nicht extrem billig, eher mit Verstand gespart. Alles wirklich Wichtige hat der Sandero an Bord: ABS, einige Airbags, alle notwendigen Instrumente, sogar einen Getränkehalter. Und wer das Loch in der Armaturentafel mit einem Radio aus dem Sonderangebot vom Discounter füllen will, wird sich an der Radiovorbereitung freuen. Der Dacia Sandero ist ein einfaches Auto, gemacht, um in Osteuropa und der dritten Welt genutzt und einfach repariert werden zu können. Europäischen Komfort- und Sicherheitsansprüchen genügt er sicher nur in Teilen, aber objektiv betrachtet ist er mehr als nur eine Notlösung, man kann damit leben.
(Text: Dieter Roßbach )
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