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Carlo Abarth: Ausstellung zum Hundertsten
18.11.2008
Vor exakt 100 Jahren, am 15. November 1908, wurde in der österreichischen Hauptstadt Wien der Mann geboren, dessen Name zum Synonym für sportliche Kleinwagen und Kompaktfahrzeuge werden sollte - Karl Abarth. Dieses Jubiläum ist Anlaß, den legendären Tüftler und Selfmade-Ingenieur mir einer Ausstellung zu ehren. Noch bis 14. Dezember 2008 sind im Turiner Ausstellungszentrum die wichtigsten Fahrzeuge aus der Feder des 1971 verstorbenen Firmengründers zu sehen. Zu den Stars der Show gehören der Abarth 205 (der erste Serien-Abarth), der Fiat Abarth 1000 Berlina (der erfolgreichste Tourenwagen der Marke) und der Abarth 1000 Bialbero. Die Aktivitäten zu Karl Abarths 100. Geburtstag sind so abwechslungsreich wie der Lebenslauf der Tuner-Legende. Als Zwanzigjähriger gründet Abarth sein eigenes Motorrad-Rennteam, fährt von Sieg zu Sieg, bis im September 1939 ein Unfall die Profikarriere beendet. Schon 1930 experimentiert er erstmals mit speziellen Auspuffsystemen für seine Motorräder - einer Technik, die später sein Lebenswerk bestimmen wird. Vor den Nationalsozialisten flieht Abarth von Österreich nach Italien und ändert seinen Vornamen in Carlo. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges heuert er beim Turiner Rennwagenhersteller Cisitalia an, um ein Grand-Prix-Team aufzubauen. Doch trotz Unterstützung durch Porsche und prominenter Piloten wie Tazio Nuvolari und Hans Stuck muss Cisitalia schon bald Konkurs anmelden.
Am 31. März 1947 gründet Abarth gemeinsam mit dem Geschäftsmann Armando Scagliarini sein eigenes Unternehmen. Abarth & C. übernimmt neben Personal auch Ausrüstung von Cisitalia, darunter sechs Rennwagen. Berühmte Piloten wie Piero Taruffi und Tazio Nuvolari fahren für die neu formierte Squadra Corse Carlo Abarth, Rennleiter wird für viele Jahre Klaus Steinmetz. Um sein kostspieliges Rennteam zu finanzieren, besinnt sich Abarth seiner Experimente mit dem Bau von Motorrad-Abgasanlagen. Sein erstes Werk - und damit quasi die Keimzelle der gesamten Tuningbranche - ist ein Sportauspuff für den Fiat Topolino. Es folgen Systeme für andere Fiat Modelle, für Alfa Romeo, Maserati und eine Reihe weiterer Marken. Sogar die Rennabteilung von Ferrari vertraut zeitweise auf die Auspuffanlagen des Carlo Abarth. Den größten kommerziellen Erfolg feiert Abarth & C. aber mit Tuningzubehör für Fiat Serienfahrzeuge. Ab 1958 arbeiten beide Firmen offiziell zusammen. Von nun an verwandelt Abarth in seiner Werkstatt am Turiner Corso Marche beinahe jedes Fiat Modell in ein Rennauto. Jahr für Jahr fahren seine Entwicklungen weltweit Hunderte von Siegen ein, insgesamt mehr als 7.300. Damit seine Produkte auf den ersten Blick zu erkennen sind, entwirft Abarth ein spezielles Farbdesign: die Schalldämpfer sind mattschwarz, die Endrohre verchromt. Endgültig unverwechselbar werden die Auspuffanlagen durch das vom Sternzeichen des Inhabers abgeleitete Firmenlogo - einen schwarzen Skorpion auf gelb-rotem Grund.
Ab 1951 entwickelt Abarth auch komplette Fahrzeuge. Er nutzt meist bewährte Fiat Technik, modifiziert die Motoren nach seinen Ideen und lässt seine Konstruktionen von den namhaften Designstudios Italiens einkleiden. Neben Serien- entstehen auch Rennautos an den Zeichenbrettern der Officine Abarth. Abarth Prototypen gewinnen mehrfach die Langstrecken-Weltmeisterschaft und die Berg-Europameisterschaft. Darüber hinaus erzielen Abarth-Fahrzeuge zahlreiche Langstreckenweltrekorde. Ende der 60er Jahre ist die Blütezeit der Kleinwagen zu Ende, der Markt für Tuningzubehör stagniert. 1971 geht Abarth & C. offiziell in den Besitz von Fiat über, Carlo Abarth wird Berater. Die Gebäude am Corso Marche werden Heimat der Fiat Rennsportabteilung. Der Turiner Hersteller holt 1977, 1978 und 1980 mit dem Fiat 131 Abarth den Titel in der Markenwertung der Rallye-WM, Walter Röhrl wird außerdem 1980 Fahrerweltmeister. Ein Triumph, den Carlo Abarth nicht mehr erlebt, er stirbt am 24. Oktober 1979 im Alter von 71 Jahren.
(Text: dr, Abarth/Fiat)
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