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Mercedes-Benz ESF 2009: Ausblick in die Zukunft der Sicherheit
14.06.2009
2009 jährt sich zum siebzigsten Mal der Tag, an dem der Sicherheitspionier Béla Barényi seine Arbeit in Sindelfingen aufnahm. Während seiner Mercedes-Benz-Karriere, die im August 1939 begann, erfand er unter anderem das Prinzip der Knautschzone, das seit 1959 in die Konstruktion von Daimler-Benz-Serienfahrzeugen einging. 1969 wurde die firmeneigene Unfallforschung gegründet, und mit Hilfe der dort herausgearbeiteten Kenntnisse entwickelten die Stuttgarter Ingenieure in den Folgejahren zahlreiche Innovationen zur Verbesserung der Pkw-Sicherheit. Im Jubiläumsjahr ist es mal wieder Zeit für ein Forschungsfahrzeug: Das ESF 2009 auf der Basis der Hybrid-S-Klasse zeigt, woran die Sicherheitsexperten momentan forschen und arbeiten. Es feiert am 15. Juni 2009 bei der 21. Internationalen Fahrzeug-Sicherheitskonferenz (ESV - Enhanced Safety of Vehicles Conference) in Stuttgart seine Premiere. Das ESF 2009 ist das erste Experimental-Sicherheits-Fahrzeug von Mercedes seit 1974. Wie seine Vorgänger fasst es wegweisende Innovationen auf dem Gebiet der Sicherheit anschaulich zusammen und macht den Fortschritt so erlebbar. Zu den verblüffenden Ideen des Neuen zählen unter anderem aufblasbare Metallstrukturen, die Strukturbauteilen in Sekundenbruchteilen mehr Stabilität geben, sowie der so genannte „Braking Bag“. Dieser im Fahrzeugboden untergebrachte Airbag entfaltet sich kurz vor einer als sicher angenommenen Kollision und stützt das Fahrzeug über einen Reibbelag gegen die Fahrbahn ab.
Zu den herausragenden Neuigkeiten des ESF 2009 zählen diese fünf Innovationen: Pre-Safe Structure sind aufblasbare Metallstrukturen, die Gewicht sparen oder die Stabilität von Strukturbauteilen erhöhen sollen. Im Ruhezustand ist das Metallprofil platzsparend gefaltet. Wird seine schützende Wirkung benötigt, sorgt ein Gasgenerator in Sekundenbruchteilen für einen Innendruck von 10 bis 20 bar, das Profil wird entfaltet und erhält deutlich mehr Stabilität. Der Braking Bag ist eine im Fahrzeugboden untergebrachte Zusatzbremse. Wird ein Aufprall von Sensorik und Steuergerät als sicher prognostiziert, entfaltet sich der „Braking Bag“ kurz vor der Kollision und stützt das Fahrzeug über einen Reibbelag gegen die Fahrbahn ab. Die Vertikalbeschleunigung des Fahrzeuges erhöht die Reibung und bremst es bis zum Aufprall zusätzlich ab. Mittels Interactive Vehicle Communication kann das ESF 2009 mit anderen Fahrzeugen direkt oder über Relaisstationen kommunizieren. Über „Ad hoc“-Netzwerke und WLAN-Funktechnik kann es beispielsweise Schlechtwetter- oder Hinderniswarnungen empfangen und senden. Pre-Safe Pulse ist eine Pre-Safe-Weiterentwicklung und kann die Oberkörperbelastung der Insassen beim Seitencrash um rund ein Drittel reduzieren, indem diese vorher präventiv um bis zu 50 Millimeter zur Fahrzeugmitte bewegt werden. Das voranstoßende Rückhaltesystem nutzt dazu Luftkammern in den Seitenwangen der Rückenlehnen der Sitze. Neu ist auch die Spotlight-Lichtfunktion. Das partielle LED-Fernlicht strahlt hier potenzielle Gefahrenstellen an. Erkennt die Infrarot-Kamera des Nachtsicht-Assistenten beispielsweise Wild in der Ferne oder Personen auf der Fahrbahn, können diese wie mit einem Richtscheinwerfer über den ausgeleuchteten Fernlichtbereich hinaus kurz angestrahlt werden.
Ebenfalls auf der 21. ESV-Konferenz präsentiert Mercedes-Benz einen neuartigen Pre-Safe-Simulator. Dieser verwendet erstmalig für diesen Zweck einen Linearmotor, um die Fahrzeugkabine innerhalb von vier Metern auf bis zu 16 km/h zu beschleunigen, bevor der Aufprall erfolgt. Der Linearantrieb, ähnlich dem des Zugsystems Transrapid, ist frei programmierbar und funktioniert auch in Gegenrichtung. So können verschiedene Beschleunigungsprofile und auch ein Heckaufprall demonstriert werden. Der Sinn des Systems besteht darin, den Probanden die Wirkung von Pre-Safe-Funktionen wie Gurtvorspannung, Neck-Pro und aufblasbare Seitenwangen der Sitze real erlebbar zu machen. Mit diesem Simulator entwickeln Mercedes-Ingenieure auch Systeme zur Verbesserung der Aufprallsituation durch die Analyse der simulierten Vorunfallphase. Mit dem ESF 2009 greift Mercedes-Benz eine Tradition auf: Für die ESV-Sicherheitskonferenzen der Jahre 1971 bis 1975 bauten die Stuttgarter Sicherheitsexperten über 30 Versuchsfahrzeuge und erprobten sie bei Crashtests, um die Sicherheitsanforderungen von Mercedes-Benz zu erreichen. Vier dieser ESF (Experimental-Sicherheits-Fahrzeug) wurden der Öffentlichkeit vorgestellt, viele der revolutionären Ideen wie ABS oder Airbag gingen in den folgenden Jahren dann bei Mercedes-Benz in Serie.
(Text: rr/pt) Seite merken bei:
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