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Amphicar: Wasserlust
07.08.2009
In der deutschen Nachkriegs-Automobilgeschichte gibt es einiges an Kuriositäten, und eine der bemerkenswertesten ist das Amphicar. Hans Trippel konstruierte und baute den offenen, schwimmfähigen Viersitzer von 1961 bis 1964 in Berlin und Lübeck. Schon 1932 hatte er in Darmstadt ein Amphibienfahrzeug gebaut. Der "Land-Wasser-Zepp" auf DKW-Chassis mit Aluminiumaufbau war recht seetüchtig, und Trippel hatte damit sein Lebensthema gefunden. Später folgten Aufträge für die Wehrmacht. Versuche, nach dem Krieg eine Fahrzeugproduktion zu starten, scheiterten vorerst. Ein Treffen mit dem Industriellen Harald Quandt geriet dann zur Initialzündung des Amphicar-Projekts. Man verabredete, ein kommerzielles und ziviles Amphibien-Auto zu bauen und es auf dem amerikanischen Markt anzubieten. Heraus kam ein schwimmfähiges Cabrio mit selbsttragender Karosserie, die auf einem verstärkten Unterbau montiert ist.
Große Finnen am Heck machen das Amphicar amerikanisch, Positionsleuchten und Hupe auf der Motorhaube spielen Bötchen. Der Einstieg erfolgt durch konventionelle, vorn angeschlagene Türen, die im Schwimmbetrieb teilweise unter Wasser liegen. Deshalb wurde viel Sorgfalt auf die Dichtung gelegt. Rund um die Türen sind Dichtgummis wie in einem Kühlschrank angebracht, die sehr wirkungsvoll sind. Die Reifen sind sehr schmal, und das Fahrzeug hat eine sehr hohe Bodenfreiheit, was sich beim Wassern im Gelände als sehr praktisch erweist. Den Antrieb besorgt ein 1200-Kubikzentimeter-Vierzylinder-Motor aus dem Triumph Herald, der im Heck eingebaut ist und die bescheidene Leistung von 38 PS abliefert. Dazu gesellt sich ein Spezialgetriebe, mit dem sich die zwei unter dem Heck angebrachten Propeller zuschalten lassen.
Neben dem englischen Motor finden sich in dem Wägelchen auch Teile von deutschen Herstellern: So kommt etwa die Kraftstoffversorgung von Porsche, während die Aufhängung es handelt sich um Einzelradaufhängungen vorne und hinten mit Federbeinen und Längslenkern und die Bremsen aus dem Mercedes-Fundus stammen. Gelenkt wird übrigens auch im Wasser mit den beiden Vorderrädern. Die Fahrleistungen sind bescheiden: Während das Amphicar auf der Strasse etwa 120 Stundenkilometer läuft, begnügt es sich im Wasser mit etwa acht Knoten. Um mit dem Schwimmauto in Deutschland aufs Wasser gehen zu können, braucht man einen Sportbootführerschein. Trotz regen Medieninteresses und spektakulärer Unternehmungen, wie der Durchquerung des Ärmelkanals im Jahr 1962, blieb der kommerzielle Erfog aus. Wegen des für die damalige Zeit exorbitanten Preises von 12.000 Mark wurden nur 3878 Fahrzeuge fertiggestellt und selbst drei Jahre nach dem 1964er Konkurs waren noch Neuwagen zu haben.
(Text: Rainer Roßbach) Seite merken bei:
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