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Aktualisiert am 31.12.2011
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McLaren MP4 12C: Nur nicht auffallen

10.09.2009

McLaren MP4 12C
Keine Extravaganzen: Der McLaren MP4 12C ist eine gezähmte Weiterentwicklung des F1-Entwurfs ohne besondere Kennzeichen.
Doppelpfeil

Über das neue Sportwagenprojekt, das die Nachfolge des McLaren Mercedes SLR antreten soll und ohne die Mithilfe des Stuttgarter Herstellers entsteht, wurde viel spekuliert, nun hat McLaren Automotive die ersten Bilder und Daten freigegeben – und das Ergebnis ist wenig spektakulär. Der neue MP4 12C kommt als brave Weiterführung des alten F1-Designs daher, vermischt mit Anleihen bei den aktuellen Lotus-Modellen. Insgesamt ist der Entwurf für einen Supersportwagen viel zu brav geworden. Wo der M4GT noch notdürftig verkleidete Renntechnik bot, der F1 mit Mittellenkung und großer Lufthutze auf dem Dach klare Aussagen machte und der SLR mit seiner zu langen Motorhaube und dem knapp geschnittenen Passagierabteil unausgewogen, aber unverwechselbar war, versucht der MP4 12C erst gar nicht, ein eigenständiges Gesicht zu zeigen.

Unter dem Blech (oder ist es Kunststoff?) sieht die Sache schon anders aus: Das tragende Element des Fahrzeugs ist eine Chassiskonstruktion aus Kohlenstofffaser, das Carbon MonoCell Kernstück des neuen Wagens. Im Formel-1-Modell MP4/1 von 1981 verwendete McLaren als Erster ein Kohlefaser-Chassis und startete damit einen Trend, dem alle Formel-1-Teams folgten. Mit dem McLaren F1 von 1993 verwendete das Unternehmen erstmals Kohlefaser-Technologie (CF) in Straßenwagen und stellte dann, auf diese Erfahrung aufbauend, den SLR mit CF-Chassis und -Karosserie nach den gleichen strengen Maßstäben her, aber in größeren Stückzahlen.

McLaren MP4 12C
Auch bei den Türen orientiert man sich am Klassenstandard.
Doppelpfeil

Bis heute ist das Carbon-Chassis Exoten vorbehalten. Der 12C führt die Vorteile von Kohlefaser-Verbundstoff, d.h. leichtes Gewicht, hohe Festigkeit und Drehsteifigkeit, Sicherheit und Langlebigkeit, durch seine revolutionäre Konstruktion als einteiliges Formteil in einem erschwinglicheren Sektor ein. Triebwerk des 12C ist ein speziell entwickelter McLaren M838T 3,8-Liter-V8-Turbomotor mit Doppelaufladung, der über ein Seamless Shift-Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (SSG) rund 600 PS entwickelt. Ziel sind nicht nur neue Leistungsmaßstäbe in diesem Sektor, sondern auch klassenbeste Kraftstoffverbrauchs- und CO2-Emissionswerte.

Dazu wurde vor allem versucht, das Gewicht des Fahrzeugs niedrig zu halten. Das Carbon MonoCell verringert nicht nur das Gewicht der Konstruktion, sondern ermöglicht auch die Verwendung viel leichterer Karosserieelemente. Fahrer- und Beifahrersitz liegen end beieinander. Das erlaubt eine schmalere, leichtere Karosserie, die gleichzeitig eine bessere Sicht und eine deutlichere Wahrnehmung der Eckpunkte des Wagens bietet. Die Bremsen mit geschmiedeten Aluminium-Naben sparen 8 kg Gewicht und wiegen weniger als die nicht serienmäßigen Carbon-Keramik-Bremsen. Leichte Auspuffrohre verlaufen direkt zum Wagenheck, wodurch ihre Länge und ihr Gewicht auf einem Mindestmaß gehalten werden. Die luftströmungsunterstützte Luftbremsenauslösung reduziert das Gewicht des Systems zur Aktivierung der Luftbremse drastisch. Der mit dem leichten kompakten SSG-Getriebe verbundene kleinere kompakte hubraumreduzierte Motor minimiert die Längenmasse und das polare Trägheitsmoment des Fahrzeugs.

McLaren MP4 12C
Nur nicht auffallen: statt Lufthutze und Mittellenker ein sehr dezenter Auftritt
Doppelpfeil

Die Motorkühler wurden hinten, so nahe wie möglich am Motor, positioniert, um die Rohrleitungen, die in ihnen enthaltenen Flüssigkeiten und somit das Gewicht minimal zu halten. Außerdem wurden sie zum Erreichen einer minimalen Fahrzeugbreite längs in das Fahrzeug eingebaut.

Der Konjunkturrückgang hat den Hochleistungswagensektor zwar ebenso wie die gesamte Autoindustrie beeinträchtigt, McLaren Automotive glaubt aber, dass das Wachstum des "Core"-Segments von 8.000 verkauften Wagen im Jahr 2000 auf mehr als 28.000 im Jahr 2007 das bestehende Potenzial zeigt, und dass es zumindest die Zahlen von 2007 schon bald wieder erreichen wird. McLaren erwartet, dass sich die Wirtschaftslage bis zur Markteinführung des 12C 2011 sehr verbessert haben wird. Im ersten Jahr ist eine Produktion von 1.000 Einheiten geplant, was 3,5 Prozent des "Core"-Marktes repräsentiert, und die über ein dediziertes weltweites Händlernetz vertrieben werden sollen.

McLaren MP4 12C McLaren MP4 12C McLaren MP4 12C
keine Neuauflage des F1-Mittellenkers: auch der Innenraum kommt ohne Spielereien aus
Doppelpfeil
Nach Chevy-, BMW- und Mercedes-Motoren erhält der MP4 12C eine Eigenentwicklung.
Doppelpfeil
Die Carbonzelle ist eine Weltpremiere.
Doppelpfeil
 

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: McLaren )

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