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Driving Center Groß Dölln: Drehmoment statt Nachbrenner 12.11.2009
60 Kilometer nördlich von Berlin ist auf einem ehemaligen Flugplatz der Roten Armee eine der längsten permanenten Rennstrecken der Welt entstanden. Der insgesamt bis zu elf Kilometer lange Ring im Driving Center Groß Dölln steht jetzt auch Sportwagen- und Motorradfahrern zur Verfügung. Mehr als 50 Jahre lang donnerten Suchoi-Jagdbomber über die Piste. Anfang der 1990er Jahre kam dann das Aus: Mit dem Zusammenbruch von Sowjetunion und DDR verlor auch der militärische Vorposten der Roten Armee seine Daseinsberechtigung. Offiziere, Mannschaften, Jets, Hubschrauber und die gesamte Infrastruktur wurden abgezogen. Zurück blieb Platz, sehr viel Platz. 1500 Hektar groß ist das ehemals hermetisch abgeriegelte Areal des Fernbomberflugplatzes Templin/Groß Dölln. Geblieben sind kilometerlange Rollfelder, die Start- und Landebahnen sind nach wie vor in hervorragendem Zustand. Im Herbst 2009 nehmen fünf Audi R8 V10 die Betonbahnen erstmals unter die Räder, an der Spitze ein "DTM Safety Car". Die Kolonne bewegt sich über das Rollfeld, biegt beschleunigend auf die Startbahn ein. Aus dem Beton wird Asphalt, statt der vier Kilometer langen, schnurgerade Piste haben die Fahrer nun eine kurvenreiche, leicht hügelige Strecke vor sich, die Ideallinie begrenzt durch rot-weiße Curbs, jene für Rennstrecken typischen Randsteine. Das ist das Herzstück des ganz neuen Kurses. Dieser ist knapp 2,5 Kilometer lang und zwölf Meter breit. Durch Anschlussstellen an die Betonpisten lässt sich der Rundkurs bis auf etwa elf Kilometer erweitern.
Entworfen wurde der Kurs vom Aachener Architekten Hermann Tilke, der auch den ‚Shanghai International Circuit' in China, den ‚Yas Marina Circuit' in Abu Dhabi und den neuen ‚Korean International Circuit' in Südkorea entwickelt hat. Die Investitionen in Groß Dölln waren beträchtlich: Insgesamt wurden 3,2 Millionen Euro investiert, zusätzlich noch rund 250.000 Euro für das Genehmigungsverfahren. Lohn ist der behördliche Segen für Motorsportveranstaltungen und Tests, wie sie auch auf anderen bekannten Rennstrecken stattfinden. Neben vielen namhaften Automobilherstellern hat Audi entschieden, die neugebaute Rennstrecke als Schwerpunkt für die "Audi Driving Experience" zu wählen. Konzernmutter VW wird den Ring zum zentralen Stützpunkt für Sportfahr- und Lizenzlehrgänge mit dem GTI ausbauen.
Neben dem Kerngeschäft mit der Automobilindustrie sollen auch jene Motosportenthusiasten angesprochen werden, die in Auto- und Motorradclubs organisiert sind und nach einer perfekten und dabei erschwinglichen Rennstrecke Ausschau halten. Hier finden sie Platz ohne Ende - die reine Nutzfläche des Driving Centers beträgt etwa 300 Hektar - so daß auch größere Veranstaltungen kein Problem sind. Dafür steht die notwendige Infrastruktur zur Verfügung, vom Erste-Hilfe-Dienst mit Rettungswagen bis zur Versorgung mit Essen und Getränken. Und überdachten Raum, und zwar in den halbtonnenförmigen Sheltern, den ehemaligen Schutzbunkern für die Flugzeuge. Von den insgesamt 36 Sheltern sind 14 bewirtschaftet, jeder ist 340 Quadratmeter groß und 6,80 Meter hoch. Für die Strecke spricht, dass die Verkehrsanbindung günstig ist. So ist etwa Berlin gerade mal eine Autostunde entfernt. Das Driving Center ist aber nicht nur auf zwei oder vier Rädern zu erreichen, sondern auch aus der Luft. Der ehemalige Militärflughafen ist weiterhin als Sonderlandeplatz für Flieger mit bis 5,7 Tonnen Gesamtgewicht zugelassen. Wer also lieber mit Flugzeug oder Hubschrauber anreisen möchte - kein Problem.
(Text: Achim Imlau/Rainer Roßbach) Seite merken bei:
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