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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Porsche Boxster S: Reisetaugliche Fahrmaschine

02.02.2009

pfeil  Technische Daten  

Porsche Boxster S 987/2
Auch geschlossen ein schöner Anblick, das Dach gibt es aufpreisfrei in verschiedenen Farben.
Lupe

Es macht Spaß, in einem offenen Mittelmotorporsche durch die sizilianischen Berge zu fahren. Hier ist die Erinnerung wach an Maglioli, Mitter, Elford, Siffert und Herbert Müller, die alle die Targa Florio auf Zuffenhausener Rennwagen gewonnen haben. Porsche ist Kult auf der Insel, man wird gegrüßt von den anderen Autofahrern, Passanten freuen sich mit hoch gerecktem Daumen, und Vorausfahrende machen freiwillig Platz, wenn man überholen will. Dass es sich bei dem Fahrzeug um die neue Generation des 987-Boxsters handelt, spielt dabei keine Rolle, jeder Porsche wird gerne gesehen. Uns ist es natürlich nicht egal, wir sind gekommen, um die technische und optische Überarbeitung des Porsche-Einstiegsmodells zu begutachten.

Obwohl seit 2005 auf dem Markt, war es noch nicht notwendig, dem Mittelmotor-Roadster eine Frischzellenkur zu geben, aber die Porsche-Kundschaft ist anspruchsvoll. Wenn der 911er mit PDK und Direkteinspritzer ausgerüstet wird, wollen die Boxster-Kunden diese Option auch haben. Wenn man nun schon so tief in die Technik eingreift, erwartet das Marketing natürlich, daß das von außen auch zu erkennen ist - folglich gibt es beim 987 Mk II außen wie innen Neues. Um den Basispreis des Boxsters nicht zu sehr anheben zu müssen, hat man in Zuffenhausen darauf verzichtet, nur Direkteinspritzer zu verbauen; der kleine Motor baut zwar auf dem gleichen Motorgehäuse auf, wird aber konventionell mit Treibstoff versorgt. In der Grundausstattung sind dafür gut 43.000 Euro anzulegen.

Porsche Boxster S 987/2
Reisetauglich: Der Gepäckraum verteilt sich auf zwei Kofferräume, der vordere nimmt auch Spudelkästen auf
Lupe

Wer mehr will, muß deutlich tiefer in die Tasche greifen: Das scharfe Spielzeug mit 310 PS, PDK und Sperrdifferential kostet rund 60.000 Euro, die zusätzlichen Komfortoptionen unseres Testwagens kosten weitere 10.000 Euro Aufpreis. Einiges davon, wie die Sitzheizung, ist nützlich und billig, anderes, wie das Sport-Chrono-Paket, teuer und von begrenztem Spielwert.

Das neue Make-up des Boxsters besteht aus geänderten Leuchteinheiten. Vorne werden nun auch LEDs verbaut, die Zahl hängt davon ab, wieviel Geld man für Optionen ausgeben möchte. Hinten gibt es mehr Schwung – in der Heckleuchte, die in ihrem unteren Teil den Radius des Kotflügels spiegelt. Dazu gibt es auch hier LEDs, die für einen Wiedererkennungseffekt bei Dunkelheit sorgen sollen, zusammen mit verbesserter Leuchtkraft und Lebensdauer. Die Spiegel sehen auch etwas anders aus, die Auspuffblende wurde verändert, und natürlich gibt es neue Rädervarianten.

Porsche Boxster S 987/2
Wie in alten Zeiten: Eine breite Farbpalette mit Mut zu bunten statt verschiedener Grau- und Silbertöne.
Lupe

Beim Porsche zählen allerdings innere Werte mehr, nehmen wir also Platz. Der Weg zum Sitz ist, auch bei geschlossenem Dach, einfach, hier ist keine schwierige Einfädelprozedur notwendig, man läßt sich nieder, die Tür schließt satt mit einem vertrauensbildenden Geräusch: passt. Je nach gewähltem Gestühl zeigt der Boxster allerdings jetzt schon einen differenzierten Charakter. Während der Komfortsitz seinem Namen alle Ehre macht und sich vielfältig einstellen und anpassen läßt, signalisiert die optionale Rennschale: Das ist mein maßgeschneiderter Sportwagen: Die Sitzhöhe kann nur mit Werkzeug angepaßt werden, die Rückenlehne sogar überhaupt nicht. Wer richtig schnell sein will, der muß den Sportsitz ordern. Der Seitenhalt ist unvergleichlich, die Sitzposition paßt ideal, nur im Langstreckenkomfort gibt es Punktabzüge: Sitzheizung und Sitzbelüftung sind nicht zu haben. Womit wir beim ersten Kritikpunkt wären: Ein offenes Fahrzeug dieser Preisklasse muß die Sitzheizung in der Serienausstattung haben. Porsche sieht das anders und verlangt mal eben 416 Euro Aufpreis.

Porsche Boxster S 987/2
Wohnlich, gut verarbeitet, schöne Materialen - bis auf den Türöffner und die Blenden um den PDK-Schalthebel
Lupe

Der Blick geht nach vorne auf die Instrumente: alles wie gewohnt und erwartet. Der Drehzahlmesser liegt direkt im Blick des Fahrers, die darin integrierte digitale Geschwindigkeitsanzeige macht den links liegenden Tachometer eigentlich überflüssig. Ein kleiner Bordcomputer informiert über die Außentemperatur und den Benzinverbrauch, und in der Mitte des Armaturenbretts sitzt die Stoppuhr des Chrono-Pakets – wir haben sie nie benutzt. Die verwendeten Materialien sind durchweg hochwertig und sauber verarbeitet, bis auf die aluminium-silber lackierten Blenden und Türöffner. Die sehen nach billigem Kunststoff aus und gehören nicht in ein Auto der 60.000-Euro-Klasse. Grundsätzlich läßt sich die Wohlfühlatmosphäre mit Geldeinsatz deutlich steigern – diverse Leder-Optionen verbessern das Aussehen und schmälern den Geldbeutel. Der Blick nach vorne ist perfekt, zur Seite und nach hinten jedoch nur, wenn das Verdeck geöffnet ist. Geschlossen sieht man je nach Blickwinkel wenig bis gar nichts. Auch mit Ablagen hat man gespart, die zwei Kofferräume sind dafür gut dimensioniert, vorne läßt sich auch ein Kiste Sprudelwasser verstauen. Dazu kommt, dass der Platz auch bei geöffnetem Verdeck nicht kleiner wird.

Porsche Boxster S 987/2
Das Heck hat durch die neuen Leuchten mehr Charakter
Lupe

Da ein Porsche aber kein Wohnzimmer sondern ein Sportwagen ist, darf nun der Motor zeigen, was in ihm steckt. Das ist zuerst einmal ein geschicktes Sound-Design. Im Leerlauf und im unteren Drehzahlbereich tönt er deutlich aber leise im Bariton, sobald er aber ins obere Drehzahldrittel wechselt, wird daraus ein heiserer Tenor, der der Umgebung klar macht: Hier meint es jemand ernst! Das macht natürlich Spaß, hat aber seinen Preis, denn der versprochene Durchschnittsverbrauch von 9,x Litern ist so nicht zu erreichen. Das geht nur, wenn man sich – und dem Auto - Gewalt antut, sonst laufen im Schnitt und bei regelkonformer Fahrweise eher 10 bis 11 Liter durch die Einspritzanlage. Das ist aber auch kein schlechter Wert für ein 310PS-Auto. Der Motor ist ein Sahnestück und die Kombination mit dem PDK-Getriebe ein Suchtmittel. Aus jeder Drehzahl heraus geht es ohne Verzögerung vehement voran, weil immer reichlich Leistung und Drehmoment vorhanden sind, zur Not auch in einem deutlich niedrigen Gang, den das PDK blitzschnell anwählt. Die Schaltvorgänge laufen dabei extrem komfortabel ab, Schaltrucke und erzwungenes Kopfnicken des Beifahrers gibt es nicht. Wer Spaß haben will, kann die Schaltpaddel am Lenkrad nutzen und damit jederzeit seine eigene Wahl treffen. Position und Funktion erfordern allerdings eine kurze Eingewöhnung, am Anfang wechselt man schon mal aus Versehen die Gänge mit dem Handballen. Verschiedene Modi der PDK-Elektronik erlauben, den Spieltrieb auszuleben.

Porsche Boxster S 987/2
Fahren in seiner schönsten Form: zweisitzig, offen und ausreichend Leistung
Lupe

Das Fahrwerk hat mit der verfügbaren Leistung keine Schwierigkeiten, und auch der Fahrer wird nicht vor Probleme gestellt – solange er den Finger von der Sport-Plus-Taste läßt. Das Kurvenverhalten ist verläßlich und nachvollziehbar, mit Gas-Einsatz wird der Boxster in engen Kurven so leicht auf der Hinterachse, wie man das von einem Mittelmotorsportwagen erwarten kann, ohne dabei besondere Ansprüche an die Künste des Fahrers zu stellen. Im Zweifel greift die Elektronik ein und sorgt für sichere Verhältnisse. Das tut sie zuverlässig, wenn auch deutlich später als bei einer Mittelklasselimousine –Renn-Feeling light. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man die Sportabstimmung wählt. Nun zeigt sich, daß man zwei ganz verschiedene Autos in einem Fahrzeug gekauft hat. Aus einem sehr sportlichen offenen Zweisitzer wird eine Fahrmaschine, die nur noch dem Vortrieb und der Querbeschleunigung verpflichtet ist. Das PDK schaltet nun erst bei Höchstdrehzahl und behält den aktuellen Gang auch bei, wenn statt Beschleunigung Dahinrollen angesagt ist. Das Fahrwerk wird deutlich straffer und die Fahrhilfen scheinen ihre Funktion komplett eingestellt zu haben. Schon kleine nasse Stellen oder Schmutz auf der Straße lassen das Heck nach außen drängen und erfordern blitzschnelle Gegenreaktionen. Dazu braucht es noch nicht einmal eine Kurve, 310PS und 340 Nm auf einer schmutzigen Gerade bringen die Hinterräder an die Grenzen ihrer Haftung und Seitenführung. Wer damit umgehen kann, hat richtig Spaß mit dem Boxster, wer bisher nur mit frontgetriebenen Limousinen unterwegs war, wird schnell seine Grenzen kennenlernen.

Der Boxster ist eine tolle Fahrmaschine mit kleinen Schwächen in der Ausstattung, wer nicht den Mythos 911 braucht, findet hier alles, was Porsche-Fahren so besonders macht.

(Text: Dieter Roßbach )
(Bild: Dieter Roßbach, Porsche AG )

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