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Aktualisiert am 31.12.2011
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Mercedes-Benz S400 Hybrid: Nachzügler mit Weltpremiere

15.06.2009

pfeil  Technische Daten  

Mercedes-Benz S400 Hybrid
S-Klasse-Understatement: Der S400 Hybrid ist von außen nur an einigen kleinen Schriftzügen zu erkennen. Doppelpfeil

Aufatmen bei Mercedes: Endlich ist der Hybrid serienreif, der Technologie- und Marketingvorsprung des großen japanischen Konkurrenten ist aufgeholt. Mit dem neuen S400 Hybrid, der gleichzeitig mit einer sanften Überarbeitung der gesamten Modellreihe in Serie geht, versucht Mercedes-Benz nicht, im Sinne eines "Wir auch" die bekannten Konzepte zu kopieren, sondern kommt mit einer neuen Batterietechnik, integriert in ein bemerkenswert kompaktes Gesamtpaket.

Der S400 Hybrid baut auf den 3,5-Liter-V6-Benzinmotor auf, der in allen Baureihen ab der C-Klasse angeboten wird. Für die neue Fahrzeuggeneration wurde der Motor leicht überarbeitet. Die große Innovation findet allerdings zwischen dem Verbrennungsmotor und dem Siebengang-Automatikgetriebe statt: Hier ist die Hybrid-Einheit montiert. Extrem flach bauend, verlängert sie die Antriebseinheit nur minimal und ist damit auch in alle anderen Baureihen einbaubar. Das gibt Platz, besonders, da die Lithium-Ionen-Batterie, die erstmalig in einem Serienfahrzeug für die Versorgung des Hybrids verwendet wird, ähnlich klein baut: Die Box in der Größe einer leistungsstarken Bleibatterie ist im Motorraum untergebracht und liefert bis zu 0,7 Kw/h. Das Kühlproblem wurde elegant gelöst, die Klimaanlage des Fahrzeugs liefert den kalten Luftstrom, der die Batterie am Leben hält, laut Mercedes-Benz ein ganzes Fahrzeugleben lang. Das alles kostet rund 75 kg Gewicht und liefert 20 PS und 35 Nm Drehmoment. In der Summe leistet die Antriebseinheit 299 PS und 385 Nm. Der Zusatzschub steht allerdings nur einige Sekunden zur Verfügung, ein rein elektrisches Fahren lassen weder die Batteriekapazität noch die Leistung des Elektromotors zu.

Mercedes-Benz S400 Hybrid
Neue Heckleuchten mit LEDs bekommen alle S-Klasse-Modelle. Doppelpfeil

Da alleine mit einem Mild-Hybrid keine Rekordwerte bei Verbrauch und CO2-Ausstoß zu erzielen sind, wurde das Antriebskonzept mit weiteren Maßnahmen optimiert: Eine Start-Stop-Automatik schaltet den Motor im Stillstand automatisch ab, und die Energie zum Laden der Batterie wird bevorzugt durch Bremsenergierückgewinnung erzeugt. Damit dabei möglichst viel Ladestrom anfällt, werden die Scheibenbremsen nur bei deutlichem Pedaldruck eingesetzt, für leichte Verzögerungen reicht die Bremswirkung des Generators aus. In der Summe reduziert sich der Benzinverbrauch nach EU-Norm auf 7,9 l/100 km, keine andere Luxuslimousine mit Benzinmotor verbraucht weniger. Wer mehr sparen will, muss zum Diesel greifen.

Benzinmotor und Elektroantrieb harmonieren perfekt und vollkommen unauffällig. Die 299 PS haben leichtes Spiel mit der großen Limousine. Im normalen Betrieb ist der Wagen extrem leise, der Einsatz der Start-Stop-Automatik ist kaum zu erkennen. Nur wenn man, gegen den Charakter des Fahrzeugs, den Motor hoch dreht, wird er hörbar und das Geräuschbild ist, typisch V6, leicht rau. Die Leistungsdaten erlauben ohnehin einen gelassenen Umgang mit dem Fahrzeug. In nur 7.2 Sekunden kann man von 0 auf 100 km/h spurten, und die Maximalgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Da fällt ein Verzicht auf die eine oder andere gewonnene Sekunde bei der Beschleunigung leicht, der S400 Hybrid erlaubt entspanntes Reisen. Das umso mehr, da der Kofferraum und Zuladung auf dem Niveau der anderen S-Klassemodelle liegt.

Mercedes-Benz S400 Hybrid
Die schmale Hybrideinheit kostet kaum Baulänge. Doppelpfeil

Erster Zielmarkt des S400 Hybrid ist der US-Markt, wobei man in Stuttgart natürlich auch über jede in Deutschland verkaufte Limousine froh sein wird. Das Ausstattungspaket macht das sehr deutlich. Statt nur das Notwendigste an Ausstattung im Grundpaket zu bündeln, gibt es den Hybrid gleich mit einer langen Liste von Dingen, die in den anderen S-Klasse-Modellen gegen üppige Aufpreise hinzugekauft werden müssen: Der adaptive Fahrlichtassistent erkennt entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge und steuert die Scheinwerfer so, dass sie die größtmögliche Leuchtweite bieten, ohne den anderen Fahrer zu blenden. Der Nachtsichtdetektor mit Fußgängererkennung, ein Spurhalteassistent, der dezent aber deutlich über das Lenkrad signalisiert, wenn der Wagen aus der Spur gerät, und eine Torque Vekturing Bremse zur Verbesserung der Agilität sind ebenso serienmäßig eingebaut wie USB- und IPod-Schnittstellen und Navigation mit Sprachsteuerung, DVD-Player, Telefonintegration via Bluetooth und ein Bildschirm, der über eine neuartige Splitscreen-Technik dem Fahrer die Karten der Navigation zeigt, während der Beifahrer einen Film vom DVD-Spieler sieht.

Mercedes-Benz S400 Hybrid
Die Batterie passt leicht in den Motorraum der größeren Mercedes-Baureihen. Doppelpfeil

Die optische Überarbeitung der S-Klasse beschränkt sich auf neue Heckleuchten und Tagesfahrlicht in LED-Technik, eine geänderte Frontschürze und kleinere Änderungen im Innenraum. Genug, um den Neuen vom Vorgänger abzusetzen, nicht zu viel, um den Alten alt wirken zu lassen. Verarbeitung und Ambiente sind untadelig und der Preisklasse angemessen.

Mit dem S400 Hybrid hat Mercedes-Benz eine wichtige Lücke in der Fahrzeugpalette geschlossen. Besonders in den USA werden die Stuttgarter damit punkten können. In Europa gibt es allerdings einen starken Konkurrenten. Der S350 CDI BlueEfficency verbraucht bei vergleichbaren Fahrleistungen noch etwas weniger Treibstoff (7,6 l Diesel auf 100 km/h), und er ist zudem rund 12.000 Euro billiger als der Benziner, für den Mercedes 85.000 Euro in Rechnung stellt, wobei die elektrische S-Klasse allerdings auch deutlich besser ausgestattet ist.

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: Dieter Roßbach, Daimler AG )

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