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Aktualisiert am 31.12.2011
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Futurismus bei Prototyp: 100 Jahre Futuristisches Manifest

03.06.2009

Boccioni
Umberto Boccioni: „La strada entra nella casa“ (Die Straße dringt ins Haus) 1911.
Doppelpfeil

" ... Wir erklären, daß sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen... ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.
Wir wollen den Mann besingen, der das Steuer hält, dessen Idealachse die Erde durchquert, die selbst auf ihrer Bahn dahinjagt. ..."

Filippo Tomaso Marinetti schrieb diese Sätze in das „Futuristische Manifest“, das man am 20. Februar 1909 im Pariser "Figaro" lesen konnte. Zweifellos hat der der Futurismus eine enge Affinität zum Automobil. Neben dem ästhetischen Aspekt der Geschwindigkeit aber spielen vor allem die antibürgerlichen Reflexe des Millionärssohns Marinetti die bestimmende Rolle. Und diese meinen: Gewalt gegen die herrschende bürgerliche Ordnung, Anarchismus und gewalttätige Durchsetzung von Zielen.

Das Manifest war ein provokativer Tabubruch, der Jugend, Gewalt, Aggressivität, Geschwindigkeit, Krieg und Rücksichtslosigkeit verherrlichte. Vom Ursprung des „Futuristischen Manifests“, berichtet Marinetti, dass er „am Abend und in der Nacht zuvor mit zwei Freunden in drei Automobilen in rasanter Fahrt durch die Stadt Mailand gefahren sei, dabei Hunde überfahren habe, einem Radfahrer ausgewichen und am Ende in einem Fabriks-Graben gelandet sei". Die von Marinetti noch vor dem Ende des Ersten Weltkriegs gegründete „Partito Politico Futurista (Futuristische Politische Partei)“ ging später in Mussolinis Partei auf, er selbst war eine Zeitlang Kulturminister des Regimes. Später rühmte er die russische Oktoberrevolution als Vorbild für Italien.

Leibach
Karl-Friedrich Leibach: „Im Karussell Nürburgring“.

Der grundsätzlich nihilistische Tonfall des Futurismus war für die italienische Kunst der Zeit aber auch ein Akt der Befreiung vom Joch des Künstlerideals der Renaissance. Künstler wie Giacomo Balla (Velocità d’automobile, 1913) und Umberto Boccioni („La strada entra nella casa“, 1911) schufen herausragende Werke der Moderne.

Das Mythische im futuristischen Geschwindigkeitskult geht auf Vicenzo Lancias Einladung zur ersten Targa Florio im Juni 1906 zurück. Dieser schrieb in der Zeitschrift „Rapiditas: "Die Schnelligkeit ist der typische Charakter des modernen Lebens: Kein anderes Symbol könnte wirksamer die Gluth des Gedankens und der Handlung, die unserer Epoche Ihr Gepräge aufdrückt, resumieren". Das klingt milder und verbindlicher als der wilde Ausbruch der Futuristen und betont den romantisch-sinnlichen Aspekt der Geschwindigkeit. Vor allem diesem Bild zeigt sich das "Futuristische Kabinett" das Hamburger Automobilmuseum Prototyp verpflichtet. Neben den Protagonisten des historischen Futurismus zeigt das Museum in Hamburgs Hafencity auch Epigonen der 20er bis 60er Jahre. Von Cassandres illustrativ-milden „Nordexpress“ über Zeichnungen von Klaus Bürgle aus den 50ern bis zu Archigram und der Walking City reicht das Spektrum.

Natürlich dürfen Automobile nicht fehlen: Fritz von Opels Raketenwagen von 1928 oder etwa Marcel Leyats Propellerwagen Helica von 1925 geben – mehr technisch-optimistisch denn umstürzlerisch gestimmt – den mechanischen Part der Ausstellung, die bis zum 15. August 2009 läuft.

Rak 2 Helica Grade
Fritz von Opels RAK 2.
Doppelpfeil
Marcel Leyats Propellerwagen Helica von 1925.
Doppelpfeil
Hans Grades Kleinwagen von 1921 mit selbsttragender Karosserie und Reibradantrieb.
.
Doppelpfeil
 

Prototyp
Shanghai-Allee 7, Am Lohseplatz
20457 Hamburg
Tel: 040/ 39 99 69 68
Mail: info@prototyp-hamburg.de
www.prototyp-hamburg.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10:00 – 18:00 Uhr
Preise:
Erwachsene: 7,50 Euro
Kinder: 4,50 Euro
Gruppen ab 15 Personen: 6 Euro
Für Gruppen ab 15 Personen bietet PROTOTYP Kurator-Führungen an.
Als Extra kann auch ein Vortrag „100 Jahre Futurismus und das Automobil“ gebucht werden

(Text: Rainer Roßbach)
(Fotos: prototyp (3), Sprengel-Museum Hannover (1), Mercedes-
Benz Archive & Sammlung (1)
)

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