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911 GT3 R Hybrid: Weltpremiere in Genf 12.02.2010
Die Idee, per Schwungrad Energie zu speichern und bei Bedarf abzurufen, hatte Williams schon 2008, als in der Formel-1 KERS als zusätzlicher Energiespender zugelassen wurde. Zum Einsatz kam das System nie, die Vorteile waren wohl nicht überzeugend, die Integration in das Gesamtkonzept zu schwierig. Nun kommt die zweite Auflage dieser Idee auf die Rennstrecke, allerdings nicht in der Formel 1 und zudem konsequenter, als dort angedacht. 110 Jahre nach dem Lohner Porsche Semper Vivus mit Radnabenelektromotoren setzt Porsche wieder auf elektronische Antriebskomponenten und baut ein Hybridsystem in einen seriennahen GT-Rennsportler ein. Am 4. März auf dem Genfer Salon feiert der Porsche 911 GT3 R mit seinem innovativen Hybridantrieb am Lac Leman Weltpremiere. Das neuartige Hybridsystem wurde für den Einsatz im Rennwagen entwickelt und unterscheidet sich im Aufbau und in den Komponenten deutlich von konventionellen Hybridsystemen. So ergänzt ein elektrischer Vorderachsantrieb mit zwei je 60 kW starken Elektromaschinen den 480 PS starken Vierliter-Sechszylinder-Boxermotor im Heck des 911 GT3 R Hybrid. Anstelle der in Hybrid-Straßenfahrzeugen üblichen Batterien liefert ein elektrischer Schwungradspeicher, der im Innenraum neben dem Fahrer untergebracht ist, die Energie für die Elektromotoren.
Der Schwungradspeicher ist ebenfalls eine Elektromaschine, deren Rotor mit bis zu 40.000 Umdrehungen pro Minute rotiert und die Energie mechanisch in Form von Rotationsenergie speichert. Aufgeladen wird der Schwungradspeicher bei Bremsvorgängen, wenn die beiden Elektromaschinen an der Vorderachse ihre Funktion umkehren und als Generatoren arbeiten. Aus dem geladenen Schwungradspeicher kann der Pilot bei Bedarf, also beim Beschleunigen aus Kurven heraus oder während Überholvorgängen, dessen Energie abrufen, indem das Schwungrad im Generatorbetrieb elektromagnetisch abgebremst wird und so aus seiner Bewegungsenergie bis zu 120 kW Leistung für die beiden Elektromotoren an der Vorderachse liefert. Diese Zusatzleistung steht dem Piloten nach jedem Ladevorgang jeweils für eine Dauer von etwa sechs bis acht Sekunden zur Verfügung.
Energie, die früher beim Bremsvorgang ungenutzt in Wärme umgewandelt wurde, kann jetzt effizient in zusätzliche Antriebskraft umgesetzt werden. Der Hybridantrieb wird je nach Rennsituation aber nicht nur leistungs-, sondern auch verbrauchsorientiert eingesetzt. Dies steigert die Effizienz und damit auch die Performance des 911 GT3 R Hybrid, zum Beispiel durch ein geringeres Tankgewicht oder sogar spätere Boxenstopps. Der 911 GT3 R Hybrid wird nach seiner Premiere in Genf auf dem Nürburgring bei Langstreckenrennen erprobt werden. Als Höhepunkt dieser Erprobung ist ein Start beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings am 15./16. Mai vorgesehen. Ein Sieg des 911 GT3 R Hybrid steht dabei aber nicht im Vordergrund. Vielmehr soll er als Technologieträger und so genanntes Rennlabor Erkenntnisse für die spätere Anwendung der Hybridtechnik in Straßensportwagen liefern. (Text: rr/pt)
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