|
|
|
|
VLN Westfalenfahrt: Neue Saison, alte Sieger 31.03.2010
Mit der 57. ADAC-Westfalenfahrt startete die Langstreckenmeisterschaft Nürburgring in die neue Saison. Robert Rust, der Geschäftsführer der Serie, freute sich über die positive Resonanz seitens der Teilnehmer, haben sich doch mehr als 200 Fahrer und Teams für die Saison 2010 eingeschrieben. 174 Fahrzeuge nahmen beim ersten Lauf die Kurzanbindung der Grand-Prix-Strecke und die Nürburgring-Nordschleife unter die Räder. Es war ein illustres Feld, das sich dem Starter präsentierte. Im Vorfeld zum 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring nutzten einige Werke die Gelegenheit, sich auf den Langstreckenklassiker vorzubereiten. Abt Sportsline schickte zwei Audi R8 ins Rennen, am Steuer unter anderem Christian Abt und der frühere DTM-Champion Mattias Ekström. BMW Motorsport erschien mit zwei BMW M3, die von den Werkspiloten Augusto Farfus, Pedro Lamy, Dirk Werner und Dirk Müller pilotiert wurden. Dazu haben die Bayern die Nordschleifen-Experten Dirk Adorf und Uwe Alzen ins Team geholt, was für zusätzlichen Rückhalt unter den Nürburgring-Fans sorgen wird. Porsche hatte niemand Geringeren als Ex-Rallye-Weltmeister Walter Röhrl, ohnehin schon Testfahrer und Repräsentant der Schwaben, für ein neues Projekt gewonnen. Sein Porsche 911 GT3 RS wird von einem 450 PS starken 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor angetrieben, der eine spezifische Leistung von über 118 PS pro Liter erreicht. Der in der Motorsportabteilung in Weissach entwickelte GT3 RS verfügt standardmäßig über eine besonders rennstreckentaugliche, verkürzte Getriebeübersetzung. Zur Verbesserung der Fahrdynamik tragen die serienmäßigen dynamischen Motorlager bei. Je nach Fahrsituation verändern die Lager ihre Steifigkeit und Dämpfung, wodurch beim Einsatz auf der Rennstrecke die Anbindung des Triebwerks an die Karosserie verbessert wird. Die Aerodynamik ist konsequent auf Abtrieb ausgelegt, was ebenfalls der Rundstreckentauglichkeit zugute kommt. „Der neue 911 GT3 RS hat mich auf Anhieb an ein Rennfahrzeug erinnert", sagt Röhrl. „Kein anderer Serien-Elfer ist jemals näher an einem Rennauto gewesen, als der aktuelle GT3 RS.“ Bis auf die Nachrüstung der vorausgesetzten Sicherheitseinrichtungen handelt es sich bei dem Porsche um ein serienmäßiges Fahrzeug. Gleich mit acht Fahrzeugen erschien die Truppe um Olaf Manthey. Besondere Aufmerksamkeit verdiente der Porsche GT3 R Hybrid, dessen Schwungradspeicher bei Bremsvorgängen aufgeladen wird. Bei Bedarf kann der Fahrer diese ca. acht bis zehn Sekunden zur Verfügung stehende Energie abrufen, zum Beispiel für Überholvorgänge. So gab es beim ersten VLN-Lauf 2010 viel neue Technik und ein hochkarätig besetztes Starterfeld zu bestaunen. Es fiel aber auf, dass viele bekannte Teams, die die VLN bisher mit geprägt haben, nicht mehr am Start waren. Jürgen Alzen fehlte ebenso wie die Teams von Getrag, Kissling, Zakspeed und Raeder. Der Eifelblitz von Johannes Scheid, über viele Jahre eine feste Größe am Nürburgring, blieb auch in der heimischen Garage. „Ein klassischer Tourenwagen wie unser BMW ist unter dem aktuellen Reglement der VLN gegen die zahlreichen GT-Fahrzeuge ohne Chance auf eine vordere Platzierung“, erläuterte Teamchef Johannes Scheid seine Entscheidung. Ein neues Projekt hat der Fahrersprecher der VLN zwar im Visier, die Voraussetzungen für die Umsetzung sind aber noch nicht ganz geschaffen.
Seitens der VLN-Oberen freut man sich über die weitere Professionalisierung der Serie, aber der Charakter eines Championats für den Breitensport sollte durchaus bewahrt werden. Im morgendlichen Zeittraining zeigten die amtierenden Meister einmal mehr ihr Können. Christer Jöns und Sean Paul Breslin, die 2009 zusammen mit Alexander Böhm auf einem BMW den Titel errangen, stellten den von Black Falcon vorbereiteten Kundensport-Audi R8 LMS auf Startplatz eins. Während Alexander Böhm weiterhin mit einem BMW in der Klasse V4 startete, erhielten Jöns und Breslin Verstärkung durch Johannes Stuck. Der Sohn von Rennfahrerlegende Hans-Joachim Stuck kehrt damit nach einer Saison in der ADAC GT Masters Serie in die Langstreckenmeisterschaft zurück. Die erste Reihe komplettierten die Nordschleifenspezialisten Marcel Tiemann, Marc Lieb und Timo Bernhard. Nur 0,6 Sekunden betrug der Rückstand des von Manthey Racing eingesetzten Porsche GT3 R auf die Pole Position. Der Rest der Top-Ten-Positionen war eine bunte Mischung aus Porsche des Manthey-Teams und diverser Audi R8-Teams. Einzig Augusto Farfus, Uwe Alzen und Pedro Lamy im Werks-BMW auf Rang sechs konnten in die Phalanx einbrechen. Pünktlich um 12 Uhr wurde das Rennen freigegeben. Souverän verteidigte Johannes Stuck die Pole Position und führte das Teilnehmerfeld geordnet durch die erste Kurve. Einzig der BMW Z4 von Anders Buchardt, Nils Tronrud und Martin Öhlin musste nach einem leichten Verbremser den Weg durch das Kiesbett nehmen. Bereits nach der ersten Runde übernahmen Frank Stippler, Marc Basseng und Pierre Kaffer im Audi R8 LMS des Phoenix Racing Teams die Führung und bauten diese sukzessive aus. Nach dem ersten Rennviertel betrug der Vorsprung des Audi auf den Manthey-Porsche schon mehr als 40 Sekunden und wuchs weiter an. Dahinter folgte Uwe Alzen im BMW M3 auf Rang drei. Weniger Glück hatten die Teamkollegen Dirk Werner, Dirk Müller und Dirk Adorf, die ihren M3 nach nur zwei Runden mit einem Defekt an der Servolenkung in der Box abstellen mussten. Etwa zur Rennhalbzeit ereilte auch den Führenden Audi R8 ein Defekt. Die Probleme beim Gangwechsel ließen sich auch durch den Tausch des Lenkrads nicht beheben und beendeten so das Rennen von Stippler, Basseng und Kaffer.
Trotz des prominenten Ausfalls änderte dies nichts an der souveränen Vorstellung, die Audi bot. Weiterhin lagen vier der Ingolstädter Sportwagen in den Top 6. Nur der Manthey Porsche und der verbliebene Werks-BMW konnten die Geschwindigkeit der Audis mitgehen. Durch die unterschiedlichen Strategien zeigte sich die bereinigte Reihenfolge erst nach der finalen Runde der Boxenstopps. Mit einer minimalen Führung ging das Team Manthey vor den Audi R8 von Abt Sportsline und Phoenix Racing in die letzten drei Runden. Während sich der Manthey-Porsche absetzen konnte, rollte der Phoenix Audi R8 von Dennis Rostek, Luca Ludwig und Frank Biela im Bereich Bergwerk mit einem technischen Defekt aus. Die dritte Position übernahmen Augusto Farfus, Uwe Alzen und Pedro Lamy und gaben diese auch bei einem schnellen Boxenstopp kurz vor Rennende nicht mehr ab. Auch vor dem Werks-BMW änderte sich nichts mehr an der Reihenfolge. Marcel Tiemann, Marc Lieb und Timo Bernhard feierten den ersten Saisonsieg mit dem neuen Manthey-Porsche GT3 R und verwiesen DTM-Pilot Mattias Ekström und Emmanuel Collard im Abt-Audi R8 auf Rang zwei. Somit präsentierten sich die drei favorisierten Teams für das 24h-Rennen im Mai auf dem Podest. Auch Rang vier ging an das Allgäuer Abt-Team. Hinter Christian Abt und Lucas Luhr wurden Peter-Paul Pietsch, Oliver Kainz und Michael Jacobs Fünfte vor ihren Manthey-Teamkollegen Richard Lietz, Jörg Bergmeister und Martin Ragginger im Hybrid-Porsche GT3 R. Trotz der vielen Fahrzeuge aus der Klasse SP9 kommen die Meisterschaftsführenden Mario Merten und Wolf Sylvester aus der SP3. Nach dem Klassensieg in der mit 25 Startenden teilnehmerstärksten Klasse führen sie die Tabelle vor Elmar Deegner, Jürgen Wohlfarth und Christoph Breuer an. Ob Merten und Sylvester die Führung verteidigen können, und ob das Resultat bereits die wahren Kräfteverhältnisse für das ADAC 24h-Rennen vom 13.05.-16.05.2010 wiederspiegelt, wird sich beim zweiten Saisonlauf der VLN, dem 35. DMV 4-Stunden-Rennen am 10. April 2010 zeigen.
(Text: Michael Behrndt/Matthias Behrndt) Seite merken bei:
Weitere Themen: |
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||