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Lancia Stratos: Debut vor 40 Jahren 04.05.2010
Der Lancia Stratos HF ist Purismus pur. Drei Rallye-WM-Titel in Folge holte das kompromisslose Mittelmotorcoupé: 1974, 1975 und 1976. Dabei gab der Stratos 1970 sein Debüt als Designstudie von Bertone auf dem Turiner Autosalon. Das Konzept wartete mit einem V-Vierzylinder-Mittelmotor auf, der längs vor der Hinterachse angeordnet war und aus dem Lancia Fulvia stammte. Das radikal-futuristische Design der Studie war jedoch nicht etwa ein Modegag, sondern resultierte aus umfangreichen Tests im Windkanal zwecks Minimierung des Luftwiderstandes. Extrem gestaltete sich der Zugang des Fahrers an seinen Arbeitsplatz. Der war nur über die aufklappbare Frontscheibe zugänglich. Als 1971 der straßenzugelassene Lancia Stratos HF „Stradale“ vorgestellt wurde, hatte der längs eingebaute Vierzylinder einem quer installierten, aus dem Ferrari Dino 246 GT entliehenen Sechszylindermotor Platz gemacht. Ein extremes Auto war der Lancia Stratos HF aber geblieben. Extrem keilförmig und extrem kompakt: 3,67 Meter lang, 1,70 Meter breit und mit 1,08 Metern Höhe flach wie die berühmte Flunder. Die Fahrerposition war in Richtung Fahrzeugmitte gewandert, und die Front- und Heckpartie ließ sich, als Reminiszenz an zukünftige Rallyeeinsätze, komplett aufklappen. Die maßgeblichen Köpfe hinter dem Projekt waren der damalige Lancia-Sportchef Cesare Fiorio, Werkspilot Sandro Munari und Chefentwickler Mike Parkes. Der britische Formel-1-Rennfahrer und Ingenieur stieß 1974 zu Lancia und trug entscheidend dazu bei, dass der Stratos konkurrenzfähig wurde. Daran hatte es bei den ersten Rallyeeinsätzen 1972 nämlich noch gemangelt.
Die zur Homologation des Stratos erforderliche Kleinserie entstand bei Bertone. Mindestens 400 Einheiten forderte das Gruppe 4-Reglement der internationalen Motorsportbehörde FIA, knapp 500 Lancia Stratos HF sollen es schließlich geworden sein. Mit 2,4-Liter-V-Sechszylindermotor, Dreiventiltechnik und 190 PS erreichte der Stratos die 100 Stundenkilometer in 6,8 Sekunden und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 248 km/h. Im April 1973 fuhr Sandro Munari auf der Firestone-Rallye in Spanien den ersten Erfolg für den Stratos ein. Einen Monat später folgte ein zweiter Platz bei der Targa Florio und im September ein weiterer Triumph bei der Tour de France. 1974 kamen weitere Siege in schneller Folge. Noch vor ihrer Homologation schlugen die Stratos in der Prototypenwertung bei der Sizilien-Tour und der Targa Florio zu, wenige Tage nach der FIA-Zulassung des Autos gewann Munari die Rallye San Remo. Es folgten weitere Siege und Triumphe beim Giro d'Italia, bei der „Rideau Lakes“ in Kanada und der Tour de Corse sowie ein dritter Platz bei der britischen RAC-Rallye. Der WM-Titel war damit für Lancia in trockenen Tüchern. Ein Triumph, dem sich die Marke mit zwei weiteren Weltmeisterschaften in den Folgejahren 1975 und 1976 selbst die Rallyekrone aufsetzen sollte. 1975 ging es weiter. Im Januar holte Sandro Munari den ersten von drei aufeinanderfolgenden Siegen bei der Rallye Monte Carlo, im weiteren Jahresverlauf siegte Björn Waldegard bei der Schweden- und der San Remo Rallye. Bei der Safari Rallye in Kenia wird Munari zweiter vor Waldegard. Die britische RAC-Rallye konnte der von Waldegård gesteuerte Stratos zwar nicht gewinnen, aber er hinterließ bleibenden Eindruck. Nach gutem Start brach eine Antriebswelle, die Mechaniker mussten zur Reparatur das Heck abbauen. Nachdem Waldegard das Rennen wieder aufgenommen hatte, markierte er 40 der 72 Etappen mit seinen Bestzeiten. Trotzdem wurde er am Ende aus der Wertung genommen. Der Grund: Das Rennen fand auf öffentlichen Straßen statt, und das Auto war ohne Rücklichter, Blinker und Kennzeichen unterwegs!
1976 wurde zum erfolgreichsten Jahr überhaupt für den Stratos mit ersten und zweiten Plätzen bei der Rallye Monte Carlo, den Rängen eins bis drei in Portugal sowie Siegen in Sizilien, beim Giro d'Italia und in Korsika. Ergebnis: die dritte WM für Lancia in Folge. Siege in Serie sammelte der Lancia Stratos aber nicht nur im Werkseinsatz. Zu den erfolgreichsten Privatiers zählte das Team Chardonnet of France, dessen Topfahrer Bernard Darniche noch Rennen gewann, als das Werksteam längst Geschichte war. Mit 33 Siegen ging Darniche als erfolgreichster Stratos-Fahrer aller Zeiten in die Motorsportgeschichte ein. Werkspilot Sandro Munari hatte „nur“ 13mal triumphiert. Aber schon 1977 beschnitt der Fiat-Konzern das Lancia-Rennsportbudget und konzentrierte sein Engagement statt dessen auf den Fiat 131 Abarth. Nachdem im Folgejahr der Hauptsponsor Alitalia den gleichen Wechsel vollzog, bestritt das Stratos-Werksteam nur noch Einsätze in Europa. Und 1979 war endgültig „finito“. (Text: rr/Lancia) Seite merken bei:
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