|
|
|
|
Mille Miglia 2010: BMW wiederholt Sieg nach 70 Jahren
12.05.2010
Ob es wohl Streit zwischen Mika Häkkinen und David Coulthard darüber gegeben hat, wer von beiden am Steuer des 300SL Panamericana von 1952 sitzen darf und wer Beifahrer sein muss? Wenn, dann hat Häkinnen gewonnen - er fuhr den alten Mercedes von der Rampe. Sonst war der Promi-Auftrieb bei der Mille Miglia 2010 eher verhalten: Jacky Ickx vertrat wie jede Jahr seinen Sponsor in einem Porsche 550 Spyder, David Richards ließ sich von seiner Frau nicht etwa in einem alten Aston Martin sondern in einem Frazer Nash durch Italien chauffieren, Jackie Stewart vertraute schon beim beim Einweisen seines 300SL in die Parklücke auf seinen Sohn und BMW unternahm den lobenswerten Versuch, Joseph Martin Fischer, unserem ehemaligen grünen Außenminister, zu zeigen, dass alte Autos keine Stinker, sondern Kulturgut sind. Dass sie ihn dann sogar in ein Rennauto setzen, dass 1941 beim Rennen Berlin-Rom zum Einsätz hätte kommen sollen, ist gelungene Ironie. Vielleicht war es auf Grund der Leibesfülle auch einfach nur bequemer, in dem offenen Spyder statt im ursprünglich vorgesehenen Kamm-Coupé zu fahren.
Die eigentliche Prominenz war aber wieder mit vier Rädern, spannender alter Technik und interessantem, abwechslungsreichen Design versehen. Die Werke waren mit Großaufgeboten angetreten: BMW brauchte alles, was auch nur entfernt mit den 1000 Meilen in Italien in Zusammenhang zu bringen ist, nach Brescia, um den Sieg beim Rennen vor siebzig Jahren angemessen zu feiern. Neben dem inzwischen restaurierten Siegerwagen von 1940, dem rekonstruierten Kamm-Coupé und ein Touring Spider sowie dem Berlin-Rom-Auto von 1941 starteten ein halbes Dutzend 328 und ein 507. Nur Isetten waren in diesem Jahr keine am Start. Erfolg läßt sich offenbar kaufen: der Seriensieger der Mille Miglia der letzten Jahre, Guliano Cane, durfte diesmal das BMW-Siegerauto von 1940 fahren - und wurde erneut Erster.
Jaguar feierte sein 75-jähriges Jubiläum mit sechs Werkswagen, darunter einen Jaguar C-TYPE von 1953 mit der Registrierung NDU 289, in dem sein italienischer Besitzer Tadini die Mille Miglia 1953 bestritt und den Jaguar XK 120 Open Two-Seater,den ab 1950 Ian Appleyard mit seiner Frau Patricia, der Tochter des Firmengründers Sir William Lyons, als Beifahrerin siegreich bei der Alpen-Fahrt 1950 und 1951, der RAC 1951 und der Tulpen-Rallye 1951 eingesetzte. Mercedes trat neben dem Panamericana-Wagen für die Grand-Prix-Veteranen mit mehr als einen Dutzend Mercedes 300 SL Roadster an, darunter aud der Fitch-Wagen sowie und drei Pontons. Alfa feiert den einhundertsten Geburtstag mit einem Großauftritt - und leider auch durch Abwesenheit der Renntechnik aus dem fünfziger Jahren. In der Gruppe der Alltagsautos gab es einen DKW 3=6, zwei Käfer,eine Ente, eine Giulietta Limousine und einen Panhard Dyna, dafür war die Gruppe der Kleinsportwagen aus Italien mit Stangas, Erminis und Co wie gewohnt gut besetzt. Nicht nur Ferrari-Fans werden den 212 Export Barchetta mit einem Spyder-Aufbau von Fontana als einer der Höhepunkte der Mille Miglia 2010 sehen. Nur wenige Ferraris haben einen so häufigen "Kleiderwechsel" erlebt wie dieses Auto. Innerhalb eines Jahres bekam das Chassis mit der Nummer "0086 E" vier verschiedene Aufbauten. Das Chassis wurde von der Scuderia Marzotto gekauft und bei der Carrozzeria Fontana mit einem eher häßlichen Aufbau versehen, der ihm den Spitznamen 'Carretto Sicialano' (Sizilianerkarre) einbrachte. Das war dem Rennerfolg aber nicht abträglich, Vittorio Marzotto gewann damit den Giro di Sicilia. Dann ging das Auto zu Vignale, wo es deren bekannte Spyder-Karosserie bekam. Optik und Gewicht entsprachen aber nicht den Vorstellungen der Marzottos, also bekam, Paolo Fontana einen weiteren Auftrag: Umbau zu einem Kombi, da das Auto nun als Servicewagen bei der Carrera Panamerica eingesetzt werden sollte. Der Plan wurde dann wieder aufgegeben und durch das nun entgültige Spyder Design, wieder bei Fontana, ersetzt. Dieser Aufbau ist sehr eigenständig, der 212 wirkt deutlich leichter und kleiner als seine Vignale-Verwandten. Besonders die eingezogenen Flanken, die die Kühlung der hinteren Bremsscheiben verbessern sollen, lassen den Wagen sehr schlank wirken. In dieser Form trat der Ferrari bei verschiedenen italienischen Wettbewerben an, ohne größere Erfolge. Ein Feuer beendete seine Karriere - bis 2010, wo er bei der Mille Miglia nach einer Komplettrestaurierung seinen ersten Auftritt hatte.
(Text: Dieter Roßbach )
Verwandte Themen:
Seite merken bei:
Weitere Themen: |
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||