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Bizzarini 500: Das blaue Wunder
29.06.2010
Das erste Auto des jungen Giotto Bizzarini, kurz nach dem Krieg Student an der Universität von Pisa und später Urheber solcher Monumente wie Iso Grifo und Bizzarini Strada, ist ein Fiat Topolino B. Dieser kleine italienische Volkswagen, seit 1936 auf dem Markt, wird 1948 zur B-Version aufgerüstet. Der 569 Kubikzentimeter große Zweizylinder trägt seine Ventile nun im Kopf und leistet stolze 16,5 statt 13 PS. Zu wenig Leistung für Bizzarini, weshalb er einen Spezialzylinderkopf von Siata montiert und die Serienkarosserie durch einen "Barchetta"-Aufbau ersetzt. Der modifizierte kleine Fiat wird so zum perfekten Ausgangsobjekt zur Präsentation der technischen Fähigkeiten des angehenden Ingenieurs. Denn auch mit den schon recht weitgehenden Veränderungen ist der Topolino noch recht nahe an der Ausgangsbasis. Da die Abschlußarbeit an der Universität näher rückt, entschließt sich Bizzarini, sein Auto zur Demonstration seines Könnens zu machen. Im ersten Schritt entwickelt er eine geschlossene Coupé-Karosserie, deren tragendes Gerüst ein Rohrrahmen ähnlich denen der zeitgenössischen Ferrari ist. Aerodynamische Vorversuche überzeugen ihn, dass eine Tropfenform am besten geeignet scheint, weshalb die Fiat-Mechanik in einer eiförmigen Hülle ein neues Zuhause findet. Auch die Position des Motors überdenkt er neu. Statt über den Vorderrädern rückt das Aggregat nach so weit hinten ins Zentrum des Rahmens, daß es sogar in den Passagierraum hinein ragt. Um zusätzliche Leistung zu gewinnen, ersetzt Bizzarini die kleinen Originalvergaser durch zwei größere von Dell'Orto, die eigentlich für Motorräder gedacht sind. Aber auch die sind für den Konstrukteur zu simpel, weshalb er eine pneumatische Einspritzung entwickelt, mit der der Pilot mittels zweier Druckknöpfe im Cockpit das Gemisch zusätzlich anreichern kann.
Das fertige Auto - in Hellblau lackiert - finden Alfa Romeos Ingenieure spannend. Er darf die Leistung des kleinen Coupés auf der werkseigenen Teststrecke demonstrieren, und das Ergebnis ist erstaunlich: Der kleine 500er erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 155 Stundenkilometer. Das entspricht exakt der Maximalgeschwindigkeit des damaligen Alfa-Spitzenmodells, der 1900er Limousine. Diese beeindruckende Darstellung bleibt auch in Maranello nicht verborgen, und Enzo Ferrari verpflichtet den jungen Ingenieur auf der Stelle. Dieser dankt das Vertrauen mit der Entwicklung überlegener Renngeräte wie dem Ferrari GTO. Heute sieht man den Bizzarini 500 regelmäßig auf der Mille Miglia Storico, wo er vom Ruhm und der Imagination seines Erbauers kündet.
(Text: Rainer Roßbach ) Seite merken bei:
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