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Fiat 500 TwinAir: Zurück zum Anfang
30.12.2010
Bei der Wiederauflage des 500 war zu viel Retro nicht erlaubt, der Neue musste größer sein, der Motor vorne und die Vorderräder antreiben, und hinten brauchte er eine große Heckklappe, kurz, der Neue durfte aussehen wie der Alte, musste aber trotzdem dem aktuellen Kleinwagen-Schema genügen. Für ausreichend Leistung sorgte ein Vierzylinder aus dem Fiat-Baukasten. Inzwischen sind kleine Motoren, gerne mit Turboaufladung und Direkteinspritzung, Mode geworden, und die Zahl der Zylinder verliert als Prestigemaß ihren Wert, da passt die neue Motorisierung des 500 nicht nur in den historischen Kontext sondern auch in die Zeit: Der Zweizylinder ist zurück. Allerdings beschränken sich die Gemeinsamkeiten mit dem Motor des Urmodells dann auch auf die Anzahl und die Anordnung der Zylinder: Wie der alte ist auch der neue ein Paralleltwin. Ansonsten wird High-Tech eingesetzt: Die schon von den verschiedenen Alfa-Mito-Modellen bekannte TwinAir-Ventilsteuerung ist an Bord, dazu ein Turbolader, Ladeluftkühler, Direktenspritzung, und natürlich kühlt Wasser, wo im Heck des alten noch Luft für die Abfuhr der Betriebswärme sorgen musste. Nicht nur die Leistungsdaten dokumentieren ein halbes Jahrhundert Fortschritt: 85PS leistet der kleine 0,9-Liter, zum Vergleich, der alte 500 CC-Motor brachte es auf gerade 22PS, mit 4,1 Liter im Eurozyklus ist er auch noch ausgesprochen genügsam. Im Vergleich zum alten Vierzylinder, den er im 500 ersetzen wird, ist der neue Motor rund 10kg leichter, 33cm kürzer, 15 Prozent sparsamer und 23 Prozent stärker.
Die Zahlen sprechen für sich, aber letztlich zählt der Fahrbetrieb. Die erste Überraschung erlebt man nach dem Anlassen: Statt das Motorgeräusch wegzudämmen, rumpelt ein tpyischer Zweizylinderklang unter der vorderen Haube - der erste Pluspunkt, denn das klingt nicht aufdringlich sondern angenehm eigenständig. Der Klang bleibt auch nach dem Anfahren kernig, ohne lästig zu werden. Der kleine Hubraum von unter 900 ccm wird durch den Turbolader effizient überspielt, keine Anfahrschwäche zwingt beim Ampelstart zu einer Gedenksekunde, jede Bewegung mit dem Gasfuß wird spontan in Vortrieb umgesetzt, die Beschleunigung von 0 bis 100km/h in 11 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit von 173 km/h machen den Kleinen auch für längere Strecken außerhalb seines typischen Einsatzgebietes, der Stadt, nutzbar. Das ist der zweite Pluspunkt des neuen Motors. Wer sparen will und mit den versprochenen 4.1 Liter auf 100km auskommen möchte, der drückt die ECO-Taste, aber dann geht doch recht viel Fahrspass verloren, da das maximale Drehmoment von 145 auf 100 Nm reduziert wird. Daher sollte man auf das letzte Zehntel hinter dem Komma beim Spritverbrauch verzichten und lieber die Drehfreude des kleinen Zweizylinders nutzen. Ein Verbrauch unter 5 Liter ist dann allerdings reine Theorie. Das serienmäßige Start-Stopp-System funktioniert einwandfrei und ist nicht an den ECO-Modus gebunden, dieses Sparpotential läßt sich also immer nutzen. Der Rest unterscheidet sich nicht von den anderen Modellen der 500er-Baureihe: Ein gefälliger, leicht verspielter Innenraum, preiswerte Materialien, die nicht billig wirken, gute Übersicht, genügend Platz auf den Vordersitzen, eine kindertaugliche hintere Reihe, etwas Kofferraum und eine Menge positive Ausstrahlung sind ab 12.900 Euro zu bekommen, dazu gibt es sogar eine gegenüber dem Basismodell verbesserte Ausstattung.
(Text: Dieter Roßbach )
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