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Mercedes Benz B 200: Premium unter den Kompakten 13.10.2011
"Sportstourer" nennt Daimler-Benz die neue B-Klasse – das verspricht Dynamik und jugendliches Flair. Nötig hat der neue Stuttgarter Kompakte diese Kategorisierung aber nicht: Der Mercedes präsentiert sich als echter Allrounder mit viel Platz, intelligenter Variabilität und zeitgemäßer Technik. Auch die Designer haben ihre Aufgaben gemacht und die Karosserie der Limousine frischer gezeichnet – flacher und länger als der Vorgänger zeigt sie mit markanten Formen und deutlich abfallender Dachlinie merklich mehr Persönlichkeit. Die B-Klasse ist eine komplette Neuentwicklung. Hier gibt es nicht mehr den Sandwichboden, der beim Vorgänger für einen hohen Schwerpunkt sorgte. Man sitzt nun neun Zentimeter tiefer und zusammen mit dem Fahrwerk, dass vorne aus einer McPherson-Achse und hinten aus einer neu entwickelten Vierlenker-Achse besteht, ergibt sich eine deutlich höhere Agilität. Diese ist auch dem weiterentwickelten ESP mit "Torque Vectoring Brake"-System geschuldet, welche die Untersteuerneigung in zu schnell angegangenen Kurven reduziert. Neu sind auch die Motoren des Fronttrieblers. Das Angebot besteht aus je zwei Dieseln und Benzinern, deren Leistung von 109 bis 156 PS reicht und deren mittlerer Verbrauchswerte zwischen 4,4 und 5,9 Litern beträgt. Als besonders angenehm erweist sich der große Benziner: Dessen 156 Pferde aus 1,6 Liter Hubraum glänzen mit kräftigem Durchzug und gutem Ansprechverhalten schon bei niedrigen Drehzahlen. Sein maximales Drehmoment von 250 Nm liegt nahezu gleichmäßig im Bereich zwischen 1250 und 4000 U/min an. Möglich wird diese gleichmäßige Leistungsentfaltung durch eine Direkteinspritzung, der stufenlosen Verstellung von Einlass- und Asulassnockenwelle sowie einem Turbolader, bei dem ein spezieller Krümmer dafür sorgt, dass der Abgasdruck nicht teilweise in Zylinder mit offenen Ventilen entweichen kann und der Lader so homogen mit Druck versorgt wird.
Besonders gut harmoniert der Vierzylinder mit dem neuen 7G-DCT-Direktschaltgetriebe. Dank seiner sieben Gänge bietet es eine große Spreizung der Gesamtübersetzung. So steht etwa beim Anfahren am Berg mit hoher Zuladung eine sehr kurze Übersetzung zur Verfügung, bei gleichmäßiger Fahrt dagegen kann die Motordrehzahl stark abgesenkt werden. Insgesamt stehen dem Fahrer drei Schaltprogramme zur Verfügung: In der Economy-Stellung erfolgt die Wahl der Gänge besonders ökonomisch, im Sport-Modus sind die Schalt- und Reaktionszeiten verkürzt und manuelles Schalten erfolgt über Paddel hinter dem Lenkrad. Die Effizienz des Automaten ist die eines Schaltgetriebes, dass heisst in der Praxis sollte der Verbrauch bei etwa sieben Litern Kraftstoff liegen. Das leistungsstarke Technikpaket wird durch einen kommod eingerichteten und durchdachten Innenraum ergänzt. Der 2,70 Meter lange Radstand bietet ein großzügiges Platzangebot: Durch die weit öffnenden Türen lässt es sich leicht einsteigen und sowohl vorne wie auch hinten sind die Kopfhöhe, die Beinfreiheit und die üppige Breite über dem Klassenstandard. Die Sitze sind bequem, die Bedienung ohne Tadel und die Materialien der Ausstattung sind von hoher Qualität. Die Oberflächen fühlen sich angenehm an, Knöpfe und Hebel wirken solide und lassen sich gut bedienen. Große Lüftungsdüsen, eine indirekte Innenraumbeleuchtung, die optionale Lederoptik für das Armaturenbrett oder Holz auf Wunsch machen das Passagierabteil besonders wohnlich. Leider sind der umklappbare Beifahrersitz sowie die um 14 Zentimeter verschiebbare Rückbank nur als 672 Euro teure Zusatzausstattung zu haben, denn gerade diese Optionen machen die B-Klasse zum Verwandlungskünstler. Immer aber lässt sich die Rückbank teilen und umklappen, womit der Laderaum von 486 Litern auf 1545 Liter wächst.
Auf der Armaturentafel schwebt scheinbar ein Flachbildschirm im modernen Tablettformat, der neben den Komfortsteuerungen, der Audioanlage, dem Navigationssystem (mit Preisen von 850 und 3117 Euro zu teuer) auch internetfähig ist. Besonders dabei ist, dass man die bestehende Flatrate seines Smartphones nutzen kann und keinen zusätzlichen Vertrag abschließen muss. Mercedestypisch wurde auf Sicherheit Wert gelegt, was in einer Fülle von verfügbaren Assistenzsystemen zum Ausdruck kommt. So gibt es schon im Basismodell sieben Airbags, ESP, ABS, Reifendruckkontrolle, einen Müdigkeitswarner oder aber die serienmäßige radargestütze Kollisionswarnung. Mit dieser automatischen Notbremse sollen etwa 20 Prozent der Auffahrunfälle zu verhindern sein. Weitere Sicherheits-Features, die jedoch aufpreispflichtig sind, sind Abstandstempomat, Spurhalte- und Totwinkelassistent. Die neue B-Klasse ist ein gelungenes Auto. Anders als es das Mercedes-Marketing apostrophiert, handelt es sich weniger um einen Sportler, sondern mehr um einen hochwertigen und vielseitigen Allrounder, der auch auf langen Strecken überzeugt. Es macht Vergnügen den kompakten Benz zu bewegen und Daimler hält die Preise so, dass die Limousine erschwinglich bleibt. Der B 180 kostet ab 26.000 Euro, der B 200 knapp 2000 Euro mehr. Die beiden Dieselversionen B 180 CDI und B 200 CDI starten bei 27.578 und 29.810 Euro. Das ist über dem Niveau der Konkurrenz, dafür ist der Kompakte aber das einzige echte Premium-Angebot in seinem Segment.
(Text: Rainer Roßbach) Seite merken bei:
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