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Lancia Thema: Turin trifft Amerika
13.11.2011
Noch ist der bullige Chrysler C300 in bester Erinnerung. Mit seinem psychisch präsenten Design und der etwas billigen Anmutung war er so etwas wie die Wiedergeburt der klassischen US-Limousine. Und diese soll sich zum Lancia wandeln? Dem Inbegriff von italienischer Distinktion und Klasse? Skepsis war angesagt. Doch jetzt ist das Ergebnis da und die Überraschung groß: Der neue Lancia Thema ist durch und durch gelungen. Wie beim 300 C stammt die technische Basis von der vorigen Mercedes E-Klasse. Hier hat Fiat zusätzlich noch etwa eine Milliarde Euro investiert, um den Chrysler zum Lancia weiter zu entwickeln. Ein neu konstruiertes Fahrwerk mit Mehrlenker-Vorder- und Hinterachse sorgt für ein spontanes und agiles Handling, die deutlich verstärkte Karosseriestruktur mit tiefgreifenden geräuschdämmenden Maßnahmen wie Unterbodenpaneele aus Kompositwerkstoffen, Zweifachverglasung und dreifach ausgeführten Türdichtungen sorgen für klassentypische Ruhe. Insgesamt wurden mehr als 90 Prozent der Teile überarbeitet. Die Komfortoffensive setzt sich auch im Innenraum fort: edle Materialien verleihen dem Innenraum eine elegante Atmosphäre. Je nach Ausstattung kommen Leder oder Nappaleder für den Bezug des Armaturenbretts zum Einsatz. Holz in Naturoptik kommt in der Mittelkonsole, der Instrumententafel und denTüren zum Einsatz. Die mit ebenfalls mit Nappaleder bezogenen bequemen Sitze verfügen über eine eigene Federung, die Vordersitze sind außerdem mit einer vierstu deren Einbau auf erhöhten Konsolen vergrößert sich zudem der Fußraum für die Fondpassagiere. Die Anzeigen sind in zwei Rundinstrumenten zusammengefasst, die in Sapphire Blue beleuchtet sind – dem gleichen Farbton, der sich auch in der LED-Beleuchtung des Fahrgastraums wieder.
Außen prägt nun ein Frontgrill mit markanten horizontalen Streben das Gesicht. Im neu akzentuierten Heck fallen die senkrecht stehenden Leuchten im Stil des 63er Lancia Flaminia ins Auge. Ansonsten hat der über fünf Meter lange Viertürer die Statur des Chrysler: die hohe Gürtellinie sowie die ausgeprägten Radläufe sorgen auch im Profil für eine starke Figur. Als Antrieb kommen drei Sechzylinder zum Einsatz. Der Dreiliter-Turbo-Diesel wird mit 190 oder 239 PS angeboten, die 440 und 550 Newtonmeter Drehmoment entwickeln. Der 3,6-Liter große Benziner leistet 286 PS und wird mit einer Achtgang-Automatik mit Start-Stopp-Funktion von ZF geschaltet, die auch bei BMW, Audi und Jaguar zum Einsatz kommt. Als Testfahrzeug stand uns der große Diesel zur Verfügung, der sein Drehmoment ab 1800 Umdrehungen nahezu linear abgibt. Der aufgeladene Selbstzünder ist aktuell mit einem Fünfgang-Automaten ausgerüstet. Dynamische Einbußen hat man indes nicht zu fürchten, denn das Getriebe ist gut übersetzt und bietet spontane Leistungsentfaltung bis hin zur Höchstgeschwindigkeit von 232 Stundenkilometern. Die Beschleunigung auf 100 km/h erfolgt in neun Sekunden. Der Thema läßt sich leichtfüßig und mit Spass bewegen, gleichzeitig aber entspricht auch entspanntes Cruisen dem Charakter des Italoamerikaners. Dann geht der fast 2000 Kilogramm schwere Lancia genügsam mit dem Treibstoff um: In angenehmer Ruhe bummelt man über Landstraße und Autobahn und verbraucht nur etwa acht Liter Treibstoff.
Der Einstiegspreis in die neue Lancia-Oberklasse beträgt 41.400 Euro. Dafür gibt es schon eine komplette Ausstattung: Lederpolster, Multifunktions-Lederlenkrad, Bi-Xenon- und Nebelscheinwerfer, CD/MP3-Entertainment-System mit Freisprechanlage, Rückfahrkamera, Tempomat, elektrisch verstell- und beheizbare Vordersitze, schlüsselloses Zugangs- und Startsystem sowie eine Alarmanlage sind in diesemPreis schon enthalten. Auch die Assistenz-Systeme, wie etwa Totwinkel-Ausleuchtung, adaptives Abstandsradar und Auffahrwarnsystem sind Serie. Dazu kommt noch eine hintere Bewegungserkennung, die beispielsweise meldet, wenn sich dem ausparkenden Fahrzeug ein Hindernis im 90-Grad-Winkel nähert. Wer 50.900 Euro für das Topmodell übrig hat, hat den totalen Komfort inklusive einer elektrischen Pedalverstellung und den wahlweise kühl- oder beheizbaren Getränkehaltern. Thema verstanden lautet das Fazit: Die komfortable und komplett ausgestattete Reiselimousine hat einen Platz in der oberen Mittelklasse verdient, zumal die Mitbewerber aus Deutschland (und auch Jaguar) mit ihrer kühlen Luxusroutine dem warmen und eleganten Stil des transatlantischen Lancia wenig entgegen zu setzen haben.
(Text: Rainer Roßbach )
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