Honda FCX Clarity
Brennstoffzellenfahrzeuge sind noch absolute Exoten, obwohl das Konzept überzeugt: Eine Reichweite wie bei klassischen Verbrennungsmotoren, Umweltfreundlichkeit und Betankungsabläufe, die gewohnten Mustern entsprechen. Der Tankstutzen wird entsichert, auf den Einfüllstutzen gesetzt und verschlossen. Danach drückt man einen Knopf und die automatische Betankung beginnt.
Ein Fahrzeug dieser seltenen Spezies ist der Honda FCX Clarity, der schon seit 2008 gebaut wird und in Japan und den USA geleast werden kann. Weltweit gibt es aber nur 46 Exemplare, von denen zwei sich im Besitz des europäischen Forschungs- und Entwicklungszentrum von Honda in Offenbach befinden.
Die 4,84 Meter lange Mittelklasse-Limousine ist konventionell gezeichnet und bietet vier Personen Platz. Zudem gibt es einen recht großen Kofferraum, der nur durch den vier Kilogramm Wasserstoff fassenden Tank begrenzt wird. Der eigentlich Kraftspender, der Brennstoffzellen-Stack, ist in unter der Mittelkonsole untergebracht. Die gute Raumausnutzung ist dem technischen Fortschritt geschuldet: Gegenüber der ersten Generation des FCX ist der Stack nur noch halb so so groß und schwer, der Brennstoff wird mit einem Druck von 350 bar komprimiert.
Die Bedienung ist denkbar einfach: man dreht den Zündschlüssel, drückt den Starterknopf und kontrolliert die Anzeigen, um zu sehen, ob alles betriebsbereit ist. Danach stellt man die konventionelle Automatik über einen kleinen Schalter an der Lenksäule auf D und fährt los.
Da die Brennstoffzellen Elektromotoren antreiben ist das Drehmoment von 256 Nm sofort verfügbar, was einen sensiblen Gasfuss erfordert. Insgesamt stehen 136 PS zur Verfügung. Fahrwerksseitig ist der FCX Clarity amerikanisch ausgelegt - die Federung ist recht weich und die Bremsleistung solide. Beste Voraussetzung fürs entspannte Cruisen, und auch die beige Möblierung mit weichen Polstern und digitalen Anzeigen unterstreicht den nordamerikanischen Stil. Normalität also in allen Belangen.
Ein Problem allein ist die Reichweite. 480 Kilometer soll die Honda-Limousine mit einer Tankfüllung hinter sich bringen. Das hängt jedoch daran, ob Klimaanlage oder Heizung intensiv in Anspruch genommen werden. Grund dafür ist, dass Honda den Tank mit nur dem halben Druck wie die Konkurrenz befüllt, die mittlerweile 700-bar-Tanks verbaut. Hier gibt es also noch Potential zur Verbesserung.
Jenseits der generellen Alltagstauglichkeit des FCX Clarity wird einer größeren Verbreitung von Brennstoffzellenfahrzeugen durch das praktische Nichtvorhandensein einer Infrastruktur ein Riegel vorgeschoben. In Deutschland gibt es zur Zeit nur etwa zehn Tankstellen, zu denen jährlich fünf neue dazu kommen sollen. Das reicht allenfalls für den Einsatz in den großen Ballungsräumen, spontane Langstreckenfahrten sind damit ausgeschlossen.
Das ist schade für eine Technik, die eine echte Konkurrenz zu den aktuell politisch angeschobenen Batterie-Elektrofahrzeugen darstellt. Denn sie bietet dass, was diese auf lange Zeit nicht haben werden: eine gute Reichweite und die schnelle Betankung mit Treibstoff.
Die Bedienelemente geben sich konventionell, die Anzeigen sind digital. |
Normalität auch hier: Das Heck verzichtet auf jede ästhetische Extravaganz. |
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Autor: Rainer Roßbach
Fotos: Honda
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